Wes Craven ist tot Foto: AP

Von einem, der auszog, das Fürchten zu lehren: Zum Tod des Gruselfilmmeisters Wes Craven, der mit Filmen wie „Nightmare On Elm Street“ oder „Scream“ das Horrorgenre erneuert hat.

Los Angeles - Drew Barrymore ist allein zu Hause. Sie macht Popcorn als das Telefon klingelt. Das nervöse Ploppen der Maiskörner liefert den Soundtrack für ihre immer größer werdende Beunruhigung über diesen Mann am Ende der Leitung, der erst flirtet, dann droht. Fenster zerbrechen, große Messer werden gezückt. Fünf Minuten später hängt ihre blutige Leiche im Garten. Und der Horror beginnt damit erst.

Die Eröffnungssequenz von Wes Cravens „Scream“ ist ein Meisterwerk der Gruseldramaturgie und des Suspense. Und eine der größten Hinterhältigkeiten der Filmgeschichte, weil sich Craven erlaubt, die vermeintliche Hauptfigur gleich zu Beginn des Filmes zu ermorden. So was hat sich außer ihm nur Alfred Hitchcock in „Psycho“ getraut. Aber auch sonst machte sich Craven gerne einen Spaß daraus, die Konventionen des Horrorfilms zu hinterfragen und über den Haufen zu werden. Jetzt ist er mit 76 in seinem Haus in Los Angeles gestorben. Craven litt an Krebs.

Erneuerer des Horrorfilms

Der Mann, der der wichtigste und einflussreichste Horrorfilm­regisseur unserer Zeit werden sollte, wuchs in Cleveland, Ohio, auf. Seine Eltern waren strenggläubige Baptisten. Alkohol und ­Tabak waren ihm ebenso verboten wie das Kino. Er studierte Literatur und Psychologie an der renommierten Johns-Hopkins-Universität. Irgendwie landete er dann doch in Hollywood – und wurde zum großen Erneuerer des Horrorfilms.

1972 inszenierte er den Exploitation­Schocker „Das letzte Haus links“, in dem sich ­Eltern an den Vergewaltigern ihrer Tochter rächen. In den 1980ern bescherte er mit seiner „Nightmare On Elm Street“-Reihe einer Generation von Teenagern schlaf­lose Nächte (und Johnny Depp seine erste Kinorolle), indem er Freddy Krüger erfand, einen Mörder, der einen in Träumen heimsucht und dann tatsächlich umbringt.

Meister der Psychologie

Vom Gruselgenre kam Wes Craven nie los. Die sentimentale Filmbiografie „Music Of The Heart“ (1999) mit Meryl Streep floppte. Doch obwohl in Cravens ­Filmen gemordet, zerstückelt, zerschlitzt, erhängt und ­gefoltert wird, war er vor allem ein Meister des Psychologie, der virtuos verschachtelten Handlungsebenen, der dramaturgischen Kniffe, der bitterbösen Ironie. Das führte er besonders eindringlich in seinem Meisterwerk „Scream“ (1996) vor, das eine neue Horrorwelle auslöste und mehrfach fortgesetzt wurde – 2011 kam „Scream 4“ ins Kino. Es sollte Wes ­Cravens letzter Film werden.