Katholische Reaktion und sexueller Aufbruch: die Autorin Almudena Grandes. Foto: imago/Zuma/Oscar Gonzalez

Almudena Grandes zählt zu den wichtigen Stimmen der spanischen Gegenwartsliteratur. Ihr Schreiben wollte dazu beitragen, die Gräben zu überwinden, die der spanische Bürgerkrieg gerissen hat. Mit 61 Jahren ist sie Madrid gestorben.

Stuttgart - Der Spanische Bürgerkrieg ließ sie nicht los, aus dem einfachen Grund, weil dessen Erbe durch die Gesellschaft bebt. „Episoden aus einem endlosen Krieg“ ist der Titel von Almudena Grandes‘ sechsbändigem Romanzyklus. Und er könnte über ihrem gesamten Schaffen stehen.

 

Auch der erste Roman der 1960 geborenen Madrilenin, dessen Skandalerfolg sie schlagartig bekannt machte, gehört in diesen Einzugsbereich. „Lulu – die Geschichte einer Frau“ aus dem Jahr 1989, ein Jahr später von dem Regisseur Bigas Luna verfilmt, erzählt vom sexuellen Aufbruch einer jungen Frau aus den reaktionär-katholischen Unterdrückungsapparat der Franco-Diktatur. Und die Explosion der Freiheit, die sich hier vollzog, erschütterte noch das Kreisjugendamt in Mainz, das das Buch als jugendgefährdend einstufen wollte.

Skepsis gegenüber dem Separatismus

Der gesellschaftliche Graben, der Spanien spaltet, ist das Operationsgebiet der publizistischen Interventionen der Schriftstellerin Almudena Grandes. In „Inés und die Freude“ ist es die Liebe, die ihn überbrückt. Ihr letzter auf Deutsch erschienener Roman „Kleine Helden“ erzählt von den Bewohner eines Madrider Stadtviertels, die sich mit Solidarität und Gemeinsinn den Auswirkungen der Finanzkrise entgegenstemmen.

Beunruhigt über die sich aufschaukelnde Gewalt verfolgte Almudena Grandes in ihren Zeitungs- und Radiokolumnen den katalanischen Separatismus. Die 61-Jährige hatte im Oktober in der Zeitung „El País“ selbst bekanntgegeben, dass sie seit einem Jahr an Krebs leide. Am Wochende ist sie in Madrid gestorben. Mit ihr verliert Spanien eine seiner wichtigsten und populärsten literarischen Stimmen.