Der Kanadier Darwyn Cooke (1962-2016) war einer der fröhlichsten Stilisten der amerikanischen Comic-Szene. Foto: darwyncooke.blogspot.com

Der Kanadier Darwyn Cooke konnte mit Gangstern und Superhelden umgehen. Seine Comics hielten Ernst und Witz, Brutalität und Kindlichkeit in der Balance. Nun ist er im Alter von 53 Jahren gestorben.

Stuttgart - Natürlich sind Gangster, die für ihren Profit über Leichen gehen, Gestalten zum Fürchten. Aber es sind auch Figuren eines modernen großstädtischen Abenteuertraums, so losgelöst aus jedem akkuraten Historien- und Moralrahmen wie die Piraten, Ritter, Indianer und Cowboys unserer ewigen Kinderfantasien. Beide Seiten der Gangstermythologie, die grausame wie die reizvolle, die verrohte wie die verspielte, hat man selten so schön gesehen wie in einigen Comics des gebürtigen Kanadiers Darwyn Cooke.

Beginnend mit „The Hunter“ (2009), hat Cooke vier Adaptionen der Romane des Amerikaners Donald E. Westlake alias Richard Stark um den Berufsverbrecher Parker vorgelegt. Parker ist eine eiskalte Überlebensmaschine im darwinistischen Dschungel der Großstadt, ein Durchsetzungsprofi, der keinem traut und jeden auf Distanz hält. Cooke hat in seinen straffen Graphic Novels wie „Parker“ und „Das Syndikat“ das Bedrohliche dieses Räubers und Mörders klar erkennbar gemacht, aber ihn zugleich verkauft wie ein Designprodukt der Fünfziger.

Cookes Gangsterwelt ist in einem hinreißenden, schick verknappenden grafischen Stil gezeichnet, der den Werbeillustrationen der Fünfziger viel verdankt. Die zeigten Luxusgüter und einen Mittelklasse-Traum, Cooke entwirft eine düstere Aussteigerfantasie aus der Mittelschicht, den Berufsverbrecher als Spiegelbild des entschlossenen Karrieristen.

Schwierige Startphase

Es wollte für Cooke, der immer vom Comiczeichnen geträumt hatte, mit dem Wunschberuf nicht im ersten und auch nicht im zweiten Anlauf klappen. Als er bei den großen Comic-Verlagen DC und Marvel nicht Fuß konnte, wurde er tatsächlich Werbegrafiker und Illustrator. Als er von dieser viel zu jungenfantasiefernen Arbeit die Schnauze voll hatte, aber wieder nicht die Heftserien seiner Jugend fortführen durfte, landete er in den Neunzigern immerhin als Animator im Team von TV-Animationsserien, unter anderem bei „Batman“ und „Superman“.

Das Wartenmüssen, die mehrfache Zurückweisung scheinen seinen Humor bestärkt zu haben, seinen Eigensinn, seinen aus messerscharfer moderner Ironie und retro-seliger Hingebung gemischten Zugriff auf klassische Helden. Wenn sowieso nicht sicher war, ob diese Comic-Welt ihn überhaupt haben wollte, dann konnte er auch gleich am jeweils angesagten Stil der jeweiligen Redakteure und Marktforschungsteams vorbei zeigen, wie er sich vertraute Figuren, Themen, Welten vorstellte.

Gegen die Seriensklaverei

Und so hat Cooke wunderbare Geschichten um Batman, Catwoman, Superman und Will Eisners Spirit vorgelegt, hat mal als Autor für andere Zeichner gearbeitet, mal als Zeichner für andere Autoren, und dann wieder selbst Text und Bild geliefert. Er wurde der komplette Gegenentwurf zur Schreckvorstellung, ein Kreativer im Superhelden-Comicgewerbe müsse ein Sklave monotoner Produktionspläne werden.

Er wurde aber auch der Gegenentwurf zur Idee, eine souveräner Autor müsse pessimistische, bittere, revisionistische Comcis liefern. Wer heute Comics um Superhelden schreibe und zeichne, hat Cooke erklärt, habe diese Figuren als Kind kennen- und lieben gelernt. Man dürfe den Kindern von heute diese Figuren also nicht ganz wegnehmen, sie nicht zu schroff und dunkel anlegen. Sie müssten All-Ages-Figuren bleiben und weiter Kinderträume beflügeln.

Erzählen ohne Dollar-Millionen

Unter anderem hat Cooke den Eisner Award gewonnen, und er hat nie unzufrieden oder gelangweilt gewirkt beim Fabulieren über kostümierte Wundergestalten. Doch die „Parker“-Comics oder eine Zusammenarbeit mit „Love & Rockets“-Comic-Legende Gilbert Hernandez ließen ahnen, dass da noch vieles anderes in ihm gärte. Am 13. Mai aber teilte Cooks Ehefrau Marsha auf dem Blog „Almost Darwyn Cooke“ mit, ihr Mann befinde sich nach harten Kampf mit einer aggressiven Krebserkrankung nun in Palliativbehandlung. Noch in der Nacht darauf ist Cooke im Alter von 53 Jahren gestorben. „Nur Comics“, hat er seine große kreative Liebe einmal erklärt, „bieten die Möglichkeit, dass ein einzelner Mann sich hinsetzt und ganz allein eine komplette Geschichte in Bildern erzählt und sie dann auch noch auf den Markt bringt, ohne dass es 80 Millionen Dollar kostet.“

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