Nachhilfe in der Einrichtung Studienkreis Foto: privat/Studienkreis

Nachhilfe hat in diesem Jahr wegen Corona einen ganz neuen Stellenwert. Worauf stellen sich diejenigen ein, die sie geben? Eine Vertreterin des Studienkreis’ in Stuttgart-Möhringen berichtet.

Stuttgart - Ein bislang einzigartiges Schuljahr haben Eltern und Schüler hinter sich: Schließungen, dann teils Digital-, teils Gruppenunterricht, jetzt sechs Wochen Ferien – und wie geht es weiter? Trotz vieler offizieller Verkündigungen seitens der Politik sind die Unsicherheiten bei den Familien groß. Das merken auch die Nachhilfe-Einrichtungen wie der Studienkreis, der mit zahlreichen Filialen im gesamten deutschsprachigen Raum aktiv ist. Von der Arbeit in Corona-Zeiten berichtet Maria Rossana Graziano Manganello vom Studienkreis Möhringen.

Frau Manganello, wie ist die Stimmung bei Ihnen unter den Schülern und den Nachhilfelehrern?

Derzeit laufen ja noch die Ferienkurse. Und da merkt man natürlich, dass viel Unterrichtsstoff fehlt. Da fehlt schon das Wissen von etwa vier bis fünf Monaten. Und klar ist, das lässt sich nicht in ein oder zwei Wochen nachholen.

Dann ist Nachhilfeunterricht bei Ihnen derzeit wohl bestens nachgefragt?

Wir haben jetzt etwa 80 Schüler. Das sind einige weniger als im Vergleich zum letzten Jahr um diese Zeit. Da sind viele Ängste im Spiel: Wo kann man seine Kinder überhaupt noch hinschicken, wo sie sicher sind vor Corona-Ansteckungen? Wie geht es privat und beruflich weiter? Wir spüren die Unsicherheiten in den Familien. Noch hilft bei vielen beispielsweise das Kurzarbeitergeld. Aber wie geht es weiter, wenn dieses gekürzt wird oder ganz wegfällt? Das sind Probleme, die bei vielen zu den schulischen Fragen der Kinder noch hinzukommen. Und dann gibt es noch die generelle Angst, wie es mit Corona weitergeht, was möglicherweise wieder ganz oder teilweise geschlossen wird. Da können wir den Schülern und Eltern zur Seite stehen und trotz Corona verlässlich Unterricht anbieten, vor Ort bei uns oder online zu Hause.

Ist der Andrang bei Ihnen schon groß für das kommende Schuljahr?

Zum Ende der Ferien geht es langsam los. Die meisten kommen üblicherweise erst ein bis zwei Wochen nach Schulstart. Da haben die Schüler dann gemerkt, dass sie doch nicht mit dem neuen Stoff alleine klarkommen.

Wie bereiten Sie sich vor auf neue Schüler?

Nicht nur hier in Möhringen ist es so, dass sich jede Schule für bestimmte Bücher entschieden hat. Andere Schulen haben jeweils andere Bücher im selben Fach und derselben Klassenstufe. Und die Lehrer nutzen die Möglichkeit, ihren Unterricht individuell zu gestalten. Wir machen mit jedem Schüler eine umfangreiche Lernstandanalyse, um zu sehen, wo genau er steht. Unser Nachhilfelehrer bespricht mit ihm seine Ziele und erstellt einen Förderplan für die nächsten Wochen. Hiernach werden dann die Lücken des Schülers und der neue Schulstoff bearbeitet.

Mit welchen Schülern haben Sie es besonders häufig zu tun?

Das sind etwa jene aus den vierten Klassen, die vor dem Wechsel in weiterführende Schulen stehen. Dort wird ja erwartet, dass zumindest das Anfangswissen schon präsent ist. Was aber in diesem Jahr, etwa in der Sprache Englisch, kaum zu leisten war. Ansonsten ist Mathematik seit jeher das Problemfach Nummer eins. Es folgen Englisch und Deutsch. Deutsch ist hauptsächlich ein Problem in den ersten Schuljahren. 60 Prozent der Studienkreisschüler erhalten Nachhilfe in nur einem Fach, ein knappes Drittel in zwei Fächern und fünf Prozent in drei oder mehr Fächern.

Welche Corona-Schutzmaßnahmen gelten eigentlich beim Nachhilfe-Unterricht?

Grundsätzlich gilt auch bei uns der Abstand von 1,50 Meter, auch direkt im Unterricht. Mund- und Nasenschutz ist verpflichtend für Schüler, Lehrer und Eltern beim Betreten und Verlassen unserer Räume sowie in Beratungsgesprächen. Im Unterricht ist der Mund- und Nasenschutz verpflichtend, wenn der Abstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann. Dann gibt es natürlich noch die Hygiene-Regeln: Keine Hände schütteln, keine Umarmungen oder Berührungen, beim Husten die Ellbogen vorhalten und mehrmals täglich die Hände waschen. Da machen wir sehr gute Erfahrungen, auch die Kinder haben sich ganz gut an all diese Maßnahmen gewöhnt. Und wir unterrichten in kleinen Gruppen von zwei bis maximal fünf Schülern. Das ist nicht nur gut für eine individuelle Förderung, sondern auch ganz im Sinne der Corona-Schutzmaßnahmen. Und falls diese wieder verschärft werden müssten, sind wir optimal vorbereitet und können jederzeit den Unterricht wieder ausschließlich auf Online Unterricht via Skype umstellen.

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