Orthopädieschuhmachermeister Christian Tausch und Maschinenbauer Dominic Ring in ihrem Fellbacher Betrieb. Die beiden Geschäftsführer haben noch viele weitere Ideen. Foto: /Stoppel

Christian Tausch und Dominic Ring von Trilay sind Anbieter von 3D-Drucksystemen für Einlagen, die sie bauen, und sie bieten einen Druckservice. Weil das Material, Strom und viel Zeit spart, die Patienten zugutekommt, wurde das Start-up nun ausgezeichnet.

Wenn Dominic Ring die technischen Abläufe erklärt, klingt es denkbar einfach: Die Spule mit dem Kunststoff wird in den 3-D-Drucker eingelegt, dann wird das sogenannte Filament von der Maschine aufgeschmolzen und zur Einlage verarbeitet. „Es funktioniert wie eine Heißklebepistole, bei der der Motor Kraft ausübt und drückt“, sagt der 33-Jährige und zeigt das Beschriebene gleich mal direkt am 3D-Drucker.

 

Der 3D-Drucker steht in Form einer Art Glasvitrine mitten im Raum

Der steht in Form eines vitrinenartigen Glaskastens mitten im Raum des Betriebs Trilay im Fellbacher Stadtteil Oeffingen und werkelt relativ leise vor sich hin, während die Chefs – Orthopädie-Schuhmachermeister Christian Tausch und Maschinenbauer Dominic Ring – die nächsten Tage planen. Seit sie mit ihren 3D-gedruckten orthopädischen Einlagen beim Nachhaltigkeitspreis Rems-Murr der Kreissparkasse Waiblingen auf dem ersten Platz gelandet sind, läutet das Telefon noch deutlich öfters. „Das hat schon einen Push gegeben. Wir waren ganz schön überrascht und total glücklich, dass wir gewonnen haben“, sagt Christian Tausch. Es seien große Namen dabei gewesen, aber sie hätten sich gedacht, es gebe nichts zu verlieren und würde deshalb nicht schaden, einfach mal mitzumachen und ihr Glück zu versuchen.

Das Siegervideo gefällt den beiden Unternehmern gut

Also beantworteten die Unternehmensgründer die vorgegebenen Wettbewerbsfragen, beschrieben ihr Start-up ausführlich und hofften das Beste. Und es hat geklappt. „Zu dem Wettbewerb hat der Dreh eines Imagefilms dazu gehört. Unser Video haben wir bei der Preisverleihung gesehen, und es hat uns richtig gut gefallen“, sagt Ring und betont, dass sie nicht die Ersten seien, die Einlagen drucken, dafür aber in der Gesamtkombination Vorreiter. „Wir haben das Rad nicht neu erfunden, aber das Innovative sind unsere Materialkombination und die Nachhaltigkeitsaspekte, die wir umsetzen.“

Für die Nachhaltigkeitsaspekte erhielt das Start-up den Preis

Und genau dafür gab es für das Start-up nun auch den Preis, der in diesem Jahr erstmalig von der Kreissparkasse Waiblingen in Zusammenarbeit mit der IHK Region Stuttgart Bezirkskammer Rems-Murr, der Handwerkskammer Region Stuttgart, den regionalen Wirtschaftsförderungen sowie dem Landratsamt Rems-Murr-Kreis ausgerufen wurde. Insgesamt wurden 48 Projekte für den Preis eingereicht, und Trilay wurde für sein „besonders vorbildliches und nachhaltiges Konzept ausgewählt“, wie es in der Beschreibung zur feierlichen Preisverleihung Mitte Oktober in Waiblingen hieß. Fragt man die beiden 33 und 39 Jahre alten Geschäftsführer selbst, dann betonen sie ihre Dreier-Materialkombination für den Einlagenkern, für die Polsterung und für Versteifungselemente der Einlagen und bringen es folgendermaßen auf den Punkt: „Unser Ziel ist es, die digitale Herstellung orthopädischer Einlagen zu transformieren. Dafür vereinen wir zwei Welten, die langjährige Praxiserfahrung von Christian und mein Wissen im Bereich Maschinenbau“, sagt Ring.

Heißt, die Kunden – Orthopädieschuhmacherbetriebe – können entweder ein Drucksystem erwerben oder ihren Druckservice nutzen. „Häufig läuft der Einstieg so, dass sie bei uns drucken und über kurz oder lang umstellen und sich einen 3D-Drucker zulegen“, erklärt Tausch und hofft, dass auf diese Weise noch viele weitere Betriebe auf den 3D-Druck umstellen. Denn auch wenn weiterhin alles händisch ausgemessen und alle Parameter in den Konfigurator eingegeben werden müssten, könnten die Orthopädiebetriebe viele Einsparungen machen, erklärt Tausch, der als selbstständiger Orthopädieschuhmeister genau weiß, wovon er spricht. „In meinem Betrieb stand ich immer wieder vor vielen Schwierigkeiten. Während Corona gab es Lieferengpässe. Zudem war mehr Zeit, Dinge infrage zu stellen und nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Dabei stieß ich auf Dominic und auf 3D-Druck“, sagt er. Die Zusammenarbeit trug schnell Früchte, war aber auch von Herausforderungen geprägt. Tausch hatte gehofft, dass es bereits einen Drucker am Markt gebe, der seinen Anforderungen genügen könnte. Doch Ring war sich sicher: Am meisten lässt sich mit einem speziellen Drucker herausholen, der genau auf die Anforderungen abgestimmt ist – selber bauen war also die Devise für die beiden kreativen Männer, die im Jahr 2022 zusätzlich zu ihren bestehenden Unternehmen den Fellbacher Betrieb Trilay gründeten.

Die Zusammenarbeit von Tausch und Ring trug schnell Früchte

Bezüglich der Nachhaltigkeit könne mithilfe des Druckverfahrens Material, Strom und Zeit eingespart werden. „Betriebe produzieren mit unserer Technologie weniger Abfall. Die Mitarbeiter haben allgemein mehr Zeit für die Patienten zur Verfügung. Zudem sind sie weniger Lärm und Staub ausgesetzt als beim Fräsen und Schleifen. So wollen wir die Betriebe in die Zukunft führen.“ Weil jeder Betrieb eigene Besonderheiten bei Material, Form, Farbe und Bezeichnung hat, kann der Konfigurator beliebig gefüttert werden. „Wir haben individuelle Pakete, und unten auf der Einlage können der Name des Betriebs sowie der Name des Patienten und bei Bedarf weitere Parameter aufgedruckt werden“, sagt Ring, der mit Tausch schon an neuen Ideen bastelt.

Weitere Informationen und den Konfigurator finden Interessierte auf der Homepage von Trilay unter: https://trilay.de/