Die Autarkia erwartet insgesamt 5000 Besucher. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Messe Autarkia, die in Stuttgart gastiert, legt mit ihrem Nachhaltigkeitsgedanken ein erstaunliches Wachstum hin. Nach dem Debüt 2017 in Berlin tourt sie bald durch 13 deutsche Städte.

Stuttgart - Individualisten fühlen sich in ihrer Rolle ganz wohl. Der Herdentrieb ist ihnen fremd. Massenbewegungen sowieso. Doch bei Michael Lülf und seiner Messe Autarkia ist alles anders. Lülf will, dass „Nachhaltigkeit zum Mainstream“ wird. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu beschleunigen“, sagt er.

Vor eineinhalb Jahren hat er damit begonnen und veranstaltete kurz darauf die erste Nachhaltigkeits-Messe in Berlin. Zum Start kamen 4000 Besucher. Nun geht der Mann aus dem Münsterland in die Vollen. In diesem Jahr tourt durch sechs Städte in Deutschland, im nächsten Jahr sollen es 13 sein. In Stuttgart landet sie bis zu diesem Samstag (11 bis 18 Uhr) in der Kulturhaus Arena in der Ulmer Straße 241 und rechnet mit insgesamt 5000 Besuchern.

„Das Thema Nachhaltigkeit ist eine Leidenschaft von mir“, sagt Lülf, „wenn du mal vier Kinder hast, denkst du anders über die Zukunft nach.“ Die Themen bekommen ein anderes Gewicht und lassen sich in dem Titel eines von 60 Vorträgen bündeln: Gesellschaftswandel statt Klimawandel. Dieses Credo vereint Aussteller und Messebesucher. „Von den insgesamt 70 Ausstellern sind viele junge Start-ups dabei, die mit ihren Konzepten gegen eine Marktmacht ankämpfen“, sagt Lülf, „sie können auf dieser Plattform ihre Produkte an dieser Industriemacht vorbei testen.“ Zum Beispiel die Firma Halm mit ihrem Glastrinkhalm.

Die Erfindung resultiert aus der Tatsache, dass täglich drei Milliarden Plastikstrohhalme weggeworfen werden. Damit rangieren die Plastikröhrchen unter den Top 5 der Produkte, die die Ozeane verschmutzen.

Die Idee vom anderen Strohhalm

Am Stand der Glashalme trifft man bei den Entwicklern auf dieselbe Leidenschaft und Dynamik wie an allen anderen Ständen. „Alle sind von einer Energie des Aufbruchs beseelt“, erklärt Lülf und zeigt auf den Stand von Mourad Atig.

Der Münchner verkauft vor allem Datteln. Das Besondere an seinen Datteln aus Palästina liegt nicht nur im Fairtrade-Gedanken. „Wir führen unsere Gewinne aus unserer Feinkost aus wirtschaftlich benachteiligten Ländern wieder dorthin zurück“, sagt er und ergänzt: „Unsere Idee lautet nicht Gewinnmaximierung, wir wollen Menschen helfen.“

So etwas Ähnliches hört man auch von Christoph Raz, der seine Firma Wohnwagon vertritt. „Bei uns verdient jeder nur ein Nasenwasser, aber wir identifizieren uns mit dem, was wir machen.“ Raz macht Energie-autarke Häuser und sogenannte Kleinstwohneinheiten (Tiny-House). „Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht“, sagt Raz und meint damit das Umdenken vieler seiner Kunden. „Ihnen geht es darum, die Dinge zu reduzieren und nachhaltig zu leben, um am Ende mehr Freiheit zu haben.“

Bei Tim Holzapfel (21) und seiner Freundin Mirjam Volpert (23) kommen die Gedanken von Raz gut an. Die Studierenden der Agrarwissenschaften und der Erneuerbaren Energien sind auf der Suche nach „richtungsweisenden Konzepten für die Zukunft“. Sie wollen in zehn Jahren selbst ein Haus bauen und dabei „Ökologie und Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen“. Schon jetzt sind beide aber mit allen – Besuchern, Ausstellern und Veranstaltern – vereint: Sie wollen den Gedanken der Nachhaltigkeit in die Mitte der Gesellschaft tragen.

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