Schwalbe sammelt alte Fahrradschläuche, recycelt sie und stellt daraus dann neue her. Foto: Schwalbe

Im Herbst 2021 haben namhafte Unternehmer aus der Fahrradbranche ihre Unterschrift unter die Bike-Charta gesetzt. Gemeinsames Ziel: Nachhaltiger werden. In einer Serie stellen wir einige der Firmen vor, die mit innovativen Ideen mehr als Etappensiege für den Umweltschutz einfahren wollen.                

Stuttgart - Radfahren hat ein grünes Image. Doch Felix Jahn, CSR-Manager bei Schwalbe und seinen Mitstreitern ist das nicht genug. Auch bei Produktion und Lieferketten in der Fahrradbranche sollen künftig die Zeichen verstärkt auf Grün stehen. Der Nachhaltigkeitsexperte beim Fahrrad- und Rollstuhlreifenhersteller hat daher im Herbst 2021 die Idee zu einer Bike-Charta, die seitdem immer mehr Unternehmer der Branche unterzeichnen (aktueller Stand im Februar 2022: 23 Firmen). Mit ihrer Signatur verpflichten sie sich zu mehr Nachhaltigkeit in allen Unternehmensbereichen.

Da Papier geduldig ist, wollen wir in einer Mini-Serie von einigen der Unterzeichnern wissen, wie sie die ehrgeizigen Umweltschutzziele konkret erreichen wollen. Den Anfang macht Felix Jahn.

Wieso hat Schwalbe im Herbst 2021 die Bike-Charta angestoßen? Haben Unternehmen der Fahrradbranche nicht ohnehin eine grüne Weste?

Wir haben die Bike-Charta angestoßen, weil wir als Branche ein Produkt anbieten, das wie kein anderes für emissionsfreie Mobilität steht. Dadurch sehen wir uns bei Schwalbe in der Verantwortung, auch darüber hinaus eine Vorbildfunktion wahrzunehmen. Die Produktion eines Fahrrads ist natürlich auch mit Emissionen und Lieferketten verbunden. Mit der Charta rufen wir zu mehr Verantwortung in der Fahrradindustrie auf, um uns den Herausforderungen zu stellen.

Was zeichnet in Ihren Augen ein nachhaltiges Unternehmen aus?

Wir bei Schwalbe verstehen darunter unsere unternehmerische Verantwortung, noch bewusster für Mensch und Planet zu handeln. Konkret bedeutet das für uns, kreislauffähige Produkte anstatt linearer „Wegwerf-Artikel“ anzubieten und dabei so ressourcenschonend wie möglich zu agieren. Wir haben beispielsweise seit rund sieben Jahren ein Schlauchrecyclingprogramm etabliert und sammeln alte Fahrradschläuche, um daraus neue herzustellen. Dadurch sparen wir 80 Prozent Energie und erzielen einen Anteil von bis zu 20 Prozent recycelten Schläuchen in jedem neuen Produkt. Dieses Konzept möchten wir zukünftig auch bei Fahrradreifen anwenden, ein Pilotprojekt dazu läuft bereits.

Welches konkrete Ziel in Sachen Nachhaltigkeit wird bei Schwalbe angestrebt?

Als Familienunternehmen ist unser unternehmerisches Handeln seit jeher eng mit Verantwortung verbunden. Wir haben daher bei Schwalbe die „Vier Säulen der Verantwortung“ etabliert. Die erste Säule ist die Ralf Bohle GmbH, die hinter der Marke Schwalbe steht. Hier ist zum Beispiel das Cradle-to-Cradle-Prinzip der Kreislaufwirtschaft ohne Abfall zu nennen. Unter der zweiten Säule „Produkt“ haben wir aktuell die meisten Projekte, seien es das Green Compound oder das angesprochene Recyclingprogramm. Die dritte Säule ist das Soziale: Dazu gehören unser regionales Engagement im Sport oder Projekte im Rollstuhlbereich. Die vierte Säule ist die Lieferkette, so bieten wir beispielsweise als erster Reifenhersteller Produkte mit fair gehandeltem Kautschuk an.

Ein Blick auf die vier Säulen zeigt, dass wir schon enorm viel erreicht haben, der Weg zu mehr Verantwortung aber noch lange nicht zu Ende ist. Deshalb haben wir uns verschiedene Ziele in jedem Bereich gesetzt und möchten beispielsweise mehr Transparenz in unserer Lieferkette schaffen oder unser Recyclingsystem europaweit weiter ausbauen. Insgesamt geht es darum, unsere Verantwortung auf noch mehr Bereiche zu erweitern.

Bis wann wollen Sie diese ehrgeizigen Ziele erreichen?

Wenn wir unser Recyclingprogramm betrachten, sind wir mit dem Schlauchrecycling 2015 in Deutschland gestartet, haben es bis heute bereits auf vier weitere Länder ausgerollt und rund sechs Millionen Schläuche eingesammelt. Ich bin sehr optimistisch, dass wir es in den nächsten Jahren schaffen werden, diese Zahl noch deutlich auszuweiten. Gleichzeitig hoffen wir natürlich, unsere Pilotphase zum Reifenrecycling – das aufgrund der größeren Anzahl an Inhaltsstoffen komplizierter ist – erfolgreich abzuschließen. Das wäre ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg.

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