Wie viele Möbel braucht der Mensch? Der Sattelleder-Stuhl „Cuoio“ von Walter Knoll zeigt, wie elegant Verzicht aussehen kann. Foto: Walter Knoll

Nicht erst seit der Corona-Krise beschäftigen sich die Designer und Hersteller von Möbeln mit Themen wie Ressourcenknappheit, Klimaveränderung und regionaler Produktion. Was überrascht: Wie elegant nachhaltiges Design heute ist.

Neben der Corona-Krise gehört der bewusste Umgang mit Ressourcen und ein kollektives Umdenken hin zu einem nachhaltigeren Lebensstil zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Auch die Design- und Möbelbranche stellt sich dieser Verantwortung und bietet eine Vielzahl nachhaltiger Entwürfe und Kollektionen. „Dabei ist nachhaltiges Design längst aus der Öko-Ecke raus,“ berichtet Barbara Benz, Leiterin des Einrichtungsunternehmens architare. „Neue Möbel gehen Wege hin zu einer nachhaltigen Eleganz.“

Less is more: Die Moderne ist die nachhaltigste Designschule

Wie diese nachhaltige Eleganz aussehen kann, zeigt Walter Knoll. Das Möbelunternehmen aus Herrenberg produziert bereits seit 2016 zertifiziert klimaneutral. Zudem zielt das zeitlose und innovative Design der Entwürfe auf Gültigkeit ab. „Wie wir Dinge schaffen, die schön sind, Bestand haben und berühren? Diesen Fragen stelle man sich bei Walter Knoll seit Jahren,“ erklärt Markus Benz, seit 1993 CEO des Unternehmens. Dabei orientiert sich das Unternehmen am Gestaltungsgrundsatz der Moderne, die mit ihrem Credo „less is more“ die nachhaltigste Designschule schlechthin darstelle.

Für diesen Designanspruch stehen die Klassiker von Walter Knoll wie zum Beispiel der bereits 1956 erdachte „Votteler Chair“, dessen bequem gepolsterte Sitz- und Rückenfläche auf einem filigranen Stahlrohrgestell ruht.

Im Sinne des „less is more“ präsentiert Walter Knoll aber auch neue Produkte. Ein minimalistisches Masterpiece ist „Cuoio“ – ein Stuhl aus Sattelleder, Stahl und Schnüren, bei dem die Designer von EOOS auf jegliche Polstermaterialien verzichtet haben. Dennoch ist der Stuhl extrem bequem: Das Leder schmiegt sich dem Körper an, Lehne und Verschnürung geben federnd nach.

Die soeben gelaunchten Schalenstühle und -sessel „Sheru chAIR“ zeichnen sich ebenfalls durch eine extreme Reduktion von Volumen und Materialien aus. Zugleich bietet der Schalenstuhl einen neuartigen Komfort: In Sitz- und Rückenschale sind Öffnungen versteckt. Sie sorgen für ein angenehm federndes Sitzgefühl und dienen zugleich als Belüftung.

Nachhaltige Holzwirtschaft: Diese Unternehmen setzen auf Regionalität

Weitere Positivbeispiele in Sachen nachhaltiges Design stammen von Unternehmen wie Arco und Janua. Das 1904 gegründete niederländische Familienunternehmen Arco ist auf handgefertigte Tische spezialisiert. Von Anfang an war es Arcos Ziel, langlebige, hochwertige Produkte zu entwickeln, die einen funktionalen Ansatz für Schönheit vertreten. Für Arcos Local-Wood-Kollektion wird ausschließlich Holz aus der Region verwendet. Das spart unnötige Transportwege und reduziert somit die Umweltbelastung. Auch das in Bayern ansässige Möbelunternehmen Janua hat die „Aktion Regional“ ins Leben gerufen. Sie besagt, dass die Firma nur mit lokalen Zulieferern zusammenarbeitet. So fertigen zum Beispiel zehn Schreiner im Umkreis von 30 Kilometern die Tische für das Unternehmen an.

Upcycling: Stühle aus Industrieabfällen und Stoffe aus Plastikflaschen

Viele Design-Schmieden experimentieren heute auch mit innovativen Materialien. Das italienische Unternehmen Magis hat gerade gemeinsam mit dem Designer Konstantin Grcic einen Stuhl entwickelt, der zu 100 Prozent aus recyceltem Polypropylen besteht. Dieses stammt aus Industrieabfällen der eigenen Möbelproduktion sowie der lokalen Autoindustrie. Das Schweizer Textilunternehmen Christian Fischbacher zeigt seit über zehn Jahren, was sich aus PET-Flaschen herstellen lässt: Die recycelten Wasser- und Limoflaschen dienen als Rohmaterial exklusiver Stoffkollektionen. Hierfür wird in einem innovativen technologischen Prozess Garn aus den leeren Kunststoffbehältnissen gewonnen und danach zu hochwertigen Einrichtungsstoffen verwoben.

„Man kann konstatieren“, so Barbara Benz, „dass viele Designer, Produzenten und Herstellerbetriebe heute die Notwendigkeit nachhaltigen Designs erkannt und ihre Produktentwicklung sowie den gesamten Produktlebenszyklus auf entsprechende soziale, wirtschaftliche, technische und rechtliche Rahmenbedingungen abgestimmt haben. Dabei steht Nachhaltigkeit im Design-Prozess immer im Zusammenhang mit Gestaltung und Stilempfinden.“

In der Bildergalerie entdecken Sie Beispiele für eine elegante Nachhaltigkeit – ausgewählt vom Teams des Einrichtungsunternehmens architare.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: