Stuttgart will messbar nachhaltiger werden. In Birkach und Plieningen wird dazu bei einem Pilotprojekt experimentiert. Foto: Fotolia/Paul Paladin

Ein Projekt will für ganz Stuttgart herausfinden, wie die Stadt lokal nachhaltiger werden kann. Stuttgart-Birkach und Stuttgart-Plieningen sind dafür als Pilotbezirke ausgewählt worden.

Birkach/Plieningen - Was haben eine verfallene Holzhütte auf einer Streuobstwiese oder das Birkacher Feld mit den großen Klimazielen der Welt zu tun? Eine Menge, wenn man Ulrich Fellmeth fragt. Der Birkacher leitet seit Kurzem das Projekt 70599_Lebenswert. Was zunächst sperrig klingt, hat ein klares Anliegen: Birkach und Plieningen nachhaltiger zu machen. Doch was bedeutet nachhaltig eigentlich? Und was hat das mit der großen weiten Welt zu tun?

Im Jahr 2015 haben sich die UN auf 17 gemeinsame Ziele geeinigt, die die Welt zu mehr Nachhaltigkeit transformieren sollen. Die Sustainable Development Goals, kurz SDGs, berühren Menschenrechte, Umweltfragen, soziale Gerechtigkeit, aber auch die Themen Energie und Wasser.

Was auf der Weltbühne festgelegt worden ist, ist inzwischen auf lokaler Ebene angekommen. Stuttgart hat zum Beispiel bereits eine Bestandsaufnahme gemacht, mit Hilfe der SDGs. Das Lebenswert-Projekt in Birkach und Plieningen ist ein Pilot der Gesamtstadt. In den beiden Filderbezirken soll ausgelotet werden, wie man den großen Zielen auf lokaler Ebene näher kommen kann. Damit haben Ulrich Fellmeth und die anderen circa 15 Aktiven vor einem halben Jahr angefangen. Global denken, lokal handeln. Das ist der Grundgedanke dahinter. Es gab schon einmal Gruppen in Stuttgart, die sich eben diesem Credo verschrieben haben.

Auch damals war eine UN-Versammlung Auslöser. Rio, 1992. Danach gründeten sich lauter Lokale Agenden, in Stuttgart gab es mehrere, auch auf den Fildern in Sillenbuch, Birkach/Plieningen und in Degerloch. Die Stoßrichtung damals wie heute: im Kleinen das Große verändern. Geld von der Stadt gab es nur am Anfang. Teils unterstützen die Bezirksbeiräte die Initiativen nach wie vor finanziell.

Danach gründeten sich lauter Lokale Agenden

Die Lokalen Agenden sind nicht mehr das, was sie einmal waren. In Sillenbuch gibt es die Gruppe noch. Aber Eckhard Philipsen, ein Mitglied der ersten Stunde, deutet an, dass es eher schleppend läuft. Alle seien im Rentenalter, die Jungen fehlten. In Plieningen/Birkach sieht es ähnlich aus, wie Klaus Burgstahler sagt. Auch hier fehlt der Nachwuchs. Die Lokale Agenda ist auf die Filderpark-Gruppe zusammengeschrumpft. Getroffen habe man sich aber schon länger nicht mehr, sagt der Plieninger, der ebenfalls von Anfang an mitgemacht hat.

„Vielleicht waren sie ihrer Zeit voraus“

Dabei ist doch die Nachhaltigkeit das große Thema, auch bei der jungen Generation. Warum haben es die Lokalen Agenden nicht geschafft, daran anzuknüpfen? Und: Was will das Projekt 70599_Lebenswert jetzt anders machen? Die Ähnlichkeit mit der Lokalen Agenda sieht auch Ulrich Fellmeth. Weil er selbst nie dabei gewesen sei, kann er nur mutmaßen. „Vielleicht waren sie ihrer Zeit voraus“, sagt er wertschätzend. Als die Lokalen Agenden aufkamen, lief es so: Man dachte sich ein Projekt aus, trieb die Mittel ein und verwirklichte es. „Wir gehen da völlig anders ran“, sagt Ulrich Fellmeth. Sie würden sich als Teil einer weltweiten Bewegung sehen. Er versteht das Projekt als Sammelbecken für Themen und Akteure, die sich bereits engagieren, denn davon gebe es viele vor Ort, auf der Liste stehen um die 70 Gruppen.

Infos über Balkon-Solaranlagen

Um die Komplexität der Themen zu reduzieren, hat sich das Projektteam auf vier Themenschwerpunkte geeinigt: Umwelt und Landschaftspflege, Energiewende und Mobilität, Begegnungsstätten und Gemeinschaft sowie nachhaltiges Wirtschaften und Gemeinwohl. Und weil auch das noch eher abstrakt klingt, wird Ulrich Fellmeth ganz konkret.

Das Projektteam renoviere zum Beispiel eine Holzhütte am Birkacher Osthang, das ist ein Streuobstgebiet, das dem Verein Stuttgarter Apfelsaft gehört. Die Hütte soll künftig ein Ort sein, wo man sich trifft und über Streuobst, Urban Gardening oder Landwirtschaft spricht. Oder das Birkacher Feld. „Da gehen wir gar nicht auf die politische Schiene“, sagt Ulrich Fellmeth und spielt darauf an, dass das Gebiet wieder auf einer Bauliste steht. Sie hätten dort bereits zu Veranstaltungen eingeladen, es seien viele gekommen Das Birkacher Feld als Veranstaltungsort, als Stelle, an der man sich gern aufhält. Und es gibt auch ganz Praktisches: So vermittelt das Projekt Infos über Balkon-Solaranlagen. Damit könne fast jeder sofort loslegen mit einer kleinen Energiewende.

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