Das energieeffiziente Firmengebäude der Zedler-Gruppe ist zukunftsweisend: Mit ... Foto: Zedler-Institut

Unternehmer aus der Fahrradbranche setzen derzeit ihre Unterschrift unter die Bike-Charta. Gemeinsames Ziel: Nachhaltiger werden. In einer Serie stellen wir einige der Firmen vor, die mit innovativen Ideen mehr als Etappensiege für den Umweltschutz einfahren wollen. Dieses Mal: die Zedler-Gruppe mit Sitz in Ludwigsburg.

Stuttgart – Radfahren hat ein grünes Image. Doch vielen Unternehmen aus der Fahrradbranche ist das nicht genug. Auch bei Produktion und Lieferketten sollen künftig die Zeichen verstärkt auf Grün stehen. Daher wurde im Herbst 2021 vom Think-Tank BIKEBRAINPOOL die Bike-Charta ins Rollen gebracht, die seitdem immer mehr Unternehmer der Branche unterzeichnen. Mit ihrer Signatur verpflichten sie sich zu mehr Nachhaltigkeit in allen Unternehmensbereichen.

Da Papier geduldig ist, wollen wir in einer Mini-Serie von einigen der Unterzeichner wissen, wie sie die ehrgeizigen Umweltschutzziele konkret erreichen wollen.

Im vierten Teil beantwortet Dirk Zedler, Firmengründer und Inhaber der Zedler-Gruppe, unsere Fragen. Seit 1993 werden im Unternehmen in Ludwigsburg Fahrräder und Bauteile auf Herz und Nieren geprüft, Bedienungsanleitungen in bis zu 40 Sprachen und Fahrrad-Gutachten für verschiedene Zielgruppen erstellt. Zudem arbeitet Dirk Zedler als Sachverständiger für Gerichte in Deutschland, Europa bis hin in die USA. Der nachhaltige Gedanke gehörte für den von der Schwäbischen Alb stammenden Naturmenschen von Anfang an zur Firmenphilosophie. Dass sich immer mehr Unternehmer seiner Mission anschließen, dafür brennt und kämpft der 59-Jährige.

Auszeichnung der DGNB für nachhaltiges Bauen fürs neue Firmengebäude in Ludwigsburg in Platin, ausgezeichnet als „Fahrradfreundlichster Arbeitgeber“ Baden-Württembergs, gekürt zum „Held der neuen Mobilität“ von Verkehrsminister Winfried Hermann, amtierender Sieger beim Landes-Umweltpreis für Unternehmen, die Liste an Preisen fürs Unternehmen oder Sie selbst ließe sich fortsetzen

Um gleich mal klarzustellen, wir sind keine Wettbewerbs Hansel (lacht). Wir werden oft von außen gebeten, bei Wettbewerben mitzumachen, erläutern in der Bewerbung, was wir machen und schwups, gewinnen wir das Ding. Viel entscheidender als die Auszeichnungen dafür, ist es, nachhaltig unterwegs zu sein. Das ist eine Lebenseinstellung, die kommt von innen heraus. Seit 1984, während meines Studiums der Ingenieurwissenschaften in Karlsruhe, fahre ich bis heute jeden Meter in der Stadt mit dem Fahrrad. Mein nachhaltiges Firmenkonzept ist aus dem alltäglichen Doing und der Prozessoptimierung heraus entstanden. Es braucht dafür nicht den großen Wurf. Viele gehen die Sache zu verkopft an. Es reichen schon kleine Dinge, wie etwa die Wiederverwertung von Verpackungsmaterial, Mülltrennung usw. Und einen „Kümmerer“ unter den Mitarbeitenden, der schaut, dass das nachhaltige Konzept umgesetzt wird.

Wozu dann die Bike-Charta, die Ihr Unternehmen mit an den Start gebracht hat und mit der sich die unterschreibenden Firmen aus der Fahrradbranche zu mehr Nachhaltigkeit verpflichten?

Grundsätzlich ist Fahrradfahren an sich schon nachhaltig. Doch letztlich gehört es gerade zu den Aufgaben der Zedler-Gruppe zu checken, warum Fahrräder kaputtgegangen sind. Hier lässt sich ansetzen. Nämlich mit der Beantwortung der Frage, was wir tun können, um Räder künftig langlebiger zu machen. Eine lange Nutzbarkeit, das ist das Beste in Sachen Nachhaltigkeit und für den Kunden. Alternativ müssen wir Produkte machen, die reparierbar sind. Und unsere Standards auf einen Nenner bringen sowie die Arbeitsbedingungen unserer Zulieferer in Asien verbessern. Das Ziel der Bike-Charta ist, grob überschrieben, den Unternehmen die Angst zu nehmen, dass nachhaltige Betriebsführung das megadicke Brett ist. Vorm Olympiasieg steht die Kreismeisterschaft.

Eine lange Nutzbarkeit der Fahrräder bedeutet aber auch, dass weniger Bikes verkauft werden und dies den Gewinn schmälert

Das muss man differenziert sehen. Nehmen wir Barcelona als Beispiel. Da wird die Kultur des Mietradelns gelebt. Trotzdem haben viele fürs Wochenende ein High-End Fahrrad zuhause. Der Umsatz der Fahrradbranche wird nicht einbrechen, wenn wir Bikes langlebiger machen. Der technische Fortschritt löst bei vielen immer wieder den Impuls aus, etwas Neues zu wollen. Oder andersherum gesagt, wenn die Kette bei meinem Rad alle 1000 Kilometer futsch ist und ich dann auch noch ewig auf ein Ersatzteil warten muss, erzeugt das Frust. Derart werden wir Käufer verlieren. Langlebigkeit bedeutet neben Qualität aber auch Funktionalität. Wir müssen raus aus der Sport- und Freizeitecke und rein in das Thema Alltagsmobilität.

Was sind denn konkret die Eckpfeiler der Zedler-Gruppe in Sachen Nachhaltigkeit?

Zum einen unser niedriger Energieverbrauch. Einer unserer Mitarbeitenden hat seine Bachelorarbeit zum Energieverbrauch in unseren angemieteten Gebäuden gemacht. Seine Ergebnisse waren auch Grundlage für unseren Firmenneubau in Ludwigsburg. Dieser hat nun extrem viel Photovoltaik auf dem Dach. Durch unsere Ost-/West-Ausrichtung nutzen wir quasi den ersten und den letzten Sonnenstrahl des Tages für den Eigenverbrauch, sind als Gebäude zertifiziert klimapositiv.

Die zweite wichtige Nachhaltigkeitssäule bei uns ist der Verkehr. Bei unseren Lieferanten achten wir darauf, ob diese selbst schon Umweltpreise erhalten haben und freilich auf kurze Anfahrtswege. Wir selbst nutzen Lastenfahrräder für unsere Transporte.

Die dritte Stütze ist sicher das Tun. Wir fragen uns immer, was können wir sofort realisieren auf dem Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit. Sei es der Fahrradständer vor der Eingangstür, die Handtücher zum Duschen für die Mitarbeitenden, Einwegpaletten, die dank intelligenter Nutzung zu Mehrwegpaletten werden oder eine konsequente Mülltrennung.

Was entgegnen Sie Kritikern, die ihnen vorwerfen, ohne Produktion sei es leicht ihren Betrieb klimaneutral oder sogar klimapositiv zu führen?

Denen sage ich beispielsweise, dass sie die Dächer ihrer Fabrikhallen in den Fokus nehmen sollen, um zu sehen, wieviel Photovoltaik sich darauf verbauen lässt. Zudem würde ich ihnen die Wirtschaftlichkeit dieser Anlagen vor Augen führen. Unsere wird sich nach sieben Jahren amortisiert haben. Und das bei 20 Jahren voller Leistung. Sollten diese Anlagen zu viel Strom produzieren, dann lässt sich dieser wunderbar nutzen, um Kunden-, Firmenfahrzeuge oder Pedelecs zu laden.

Geben Sie uns einen kurzen Ausblick, was geht bei der Zedler-Gruppe zukünftig in punkto Nachhaltigkeit?

Ich muss zugeben, es wurmt mich etwas, dass bislang lediglich 75 Prozent unserer Mitarbeitenden mit dem Fahrrad ins Büro kommen. Da ist noch Luft nach oben. Ein weiterer Punkt sind unsere Auswertungen, die wir bislang intern für uns gemacht haben. Nun wollen wir unsere Ergebnisse veröffentlichen. Sozusagen als Beweisführung. Wir möchten nach außen tragen, dass wir seit Mitte 2017 fossilfrei sind als Zedler-Gruppe und dass das gut geht, auch wirtschaftlich gesehen.

Es ist mir eine Herzensangelegenheit, andere Betriebe zu einem Selbstversuch anzuregen und zu motivieren. Unsere Betriebsführung kann hinsichtlich Nachhaltigkeit gerne kopiert werden.

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