Die Antworten auf die Fragen werden mit Punkten bewertet. Foto: Jacqueline Fritsch

Schon mal ausgerechnet, wie viele Erden es bräuchte, wenn alle Menschen Ihren Lebensstil hätten? In Stuttgart-Plieningen können Passanten aktuell ihren CO2-Fußabdruck messen lassen. Ein Selbsttest.

Stuttgart-Plieningen - Der ökologische Fußabdruck, auch CO2-Fußabdruck genannt, gibt an, wie groß der persönliche Rohstoff- und Energieverbrauch eines Menschen ist. Zugegeben: Ich habe etwas Angst vor meinem Ergebnis, denn den vorbildlichsten Lebensstil habe ich nicht. Mein Auto ist mein treuester Begleiter, ich esse gerne Fleisch, und im Supermarkt schaue ich oft lieber auf den Preis als auf die Herkunft des Produkts. Aber gut – mal schauen, welche Fragen auf mich zukommen.

Vor dem Plieninger Bezirksrathaus liegen zahlreiche große, bunte Fußabdrücke auf dem Boden. Die hat sich der Bezirk aus dem Welthaus Stuttgart ausgeliehen. Bei der Aktion macht Plieningen als Fairtrade-Stadtbezirk mit. Auch Johannes Hucke berechnet nach einem Besuch im Rathaus noch seinen ökologischen Fußabdruck. „Eigentlich weiß man ja, dass man auf zu großem Fuß lebt“, sagt der Möhringer, „trotzdem ist es mal interessant zu sehen“. Er hat ähnliche Bedenken wie ich: „Zum Einkaufen fahre ich immer mit dem Auto, das ist einfach bequemer.“

Fragen zu Energie, Konsum, Ernährung und Mobilität

Die Fragen auf den Fußabdrücken sind in vier Kategorien eingeteilt: Energie, Konsum, Ernährung und Mobilität. Es geht los mit Energie. „Ich wasche meine Hände mit kaltem Wasser“, steht auf dem ersten grünen Fuß. Für die Antworten „immer“, „meistens“, „selten“ und „nie“ wird nun entsprechend eine Zahl zwischen Null und Drei auf einem Zettel eingetragen. Tatsächlich wasche ich meine Hände seit Corona immer öfter mit warmem Wasser, weil ich das Gefühl habe, dass sie dann sauberer werden. Im Sommer ist es aber oft angenehmer, kaltes Wasser zu verwenden. Ich entscheide mich für „selten“ und trage eine Zwei ein.

Nun kommt die Mobilität – musste ja kommen. „Ich benutze den ÖPNV statt des Autos“: Diese Frage geht richtig in die Punkte. Neun Stück bekommt man für die Antwort „nie“. Und die landen direkt auf meinem Zettelkonto. Bei einigen Fragen fällt es schwer, nicht doch ein paar Punkte weniger aufzuschreiben. Ob ich nun oft oder weniger oft Leitungswasser trinke, ist Interpretationssache – und lässt Platz zum Schummeln. Aber ich konzentriere mich und fülle alles gewissenhaft aus.

Der Deutsche verbraucht durchschnittlich drei Erden

Am Ende ist die Mobilität mit 28 Punkten wie erwartet meine schlechteste Kategorie. Dicht dahinter der Konsum mit 24 Punkten. Ernährung und Energie sind okay. Insgesamt komme ich auf 72 Punkte und damit auf zwei Erden, die wir bräuchten, wenn alle Menschen so leben würden wie ich. „Bisher hat niemand nur eine Erde geschafft“, beruhigt mich Charlotte Porsch, die im Bezirksrathaus ihr Freiwilliges Soziales Jahr macht und sich um die Berechnung der Fußabdrücke kümmert.

Johannes Hucke kommt sogar auf drei Erden, die bei seinem Lebensstil nötig wären. Er liegt damit genau beim deutschen Durchschnittsverbrauch an Energie und Rohstoffen. Dieser Verbrauch wird am Ende in Landfläche angegeben, die man mit seinem Lebensstil für sich beansprucht. Im Schnitt brauchen die Deutschen 4,8 Hektar. Für jeden stehen aber nur etwa 1,8 Hektar zur Verfügung. „Bei der Mobilität ist es einfach, was man verbessern kann: mehr Fahrrad und öffentlich fahren“, sagt Charlotte Porsch. Außerdem könne man seinen Fußabdruck verkleinern, indem man zum Beispiel Handys gebraucht und Lebensmittel fair kauft.

Wer seinen ökologischen Fußabdruck messen will, hat am Donnerstag, 1. Oktober, von 14 bis 16 Uhr die Möglichkeit dazu. Die Aktion ist vor dem Bezirksrathaus, Filderhauptstraße 155. Dies ist aber beispielsweise auch auf der Homepage des Umweltbundesamt möglich.

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