Leon Kienzle mit einer stattlichen Nordmanntanne. Foto: Gottfried Stoppel

In Sulzbach bewirtschaftet die Familie Kienzle ihre Weihnachtsbäume seit vier Generationen. Heute wachsen dort Bio-Tannen, die Kunden ab Hof auswählen oder selbst fällen können.

Frischer könnte ein Christbaum kaum sein. Ein Kunde steht auf der Wiese im Gewann Mahd bei Siebersbach (Rems-Murr-Kreis), wo die Familie Kienzle ihre Christbaumkultur pflegt, und hat seinen Favoriten schnell entdeckt: „Ich nehme gleich den hier vorne.“ Juniorchef Leon Kienzle wirft die Kettensäge an, ein kurzer Schnitt – die brusthohe Nordmanntanne fällt.

 

Viele kommen wegen der großen Auswahl in die Kulturen hinaus. Manche Familien lassen ihre Kinder beim Absägen mithelfen – für sie gehört das einfach dazu. Andere wählen ihren Baum lieber direkt ab Hof aus, wo ebenfalls zahlreiche Exemplare bereitstehen. Frisch sind am Ende alle, denn die Kienzles schlagen ihre Bäume erst unmittelbar vor dem Verkauf.

Vier Generationen Erfahrung mit Weihnachtsbäumen

Die Familie verkauft seit vier Generationen Weihnachtsbäume aus eigener Kultur. Die Flächen im Siebersbacher Seitentälchen sind seit 2013 biozertifiziert. Auf Pflanzenschutzmittel verzichtet der Betrieb vollständig: kein Glyphosat, keine Herbizide, keine Pestizide, kein mineralischer Dünger. Das liegengelassene Gras versorgt die Bäume mit Nährstoffen, Nützlinge übernehmen die Schädlingskontrolle. Rund 30 Ziegen helfen beim Mähen.

Ursprünglich lieferte Urgroßvater Karl – Jahrgang 1900 – Fichten, die Händler mit dem Pferdewagen nach Stuttgart brachten. Später testete die Familie zahlreiche Tannen- und Fichtenarten aus aller Welt: Douglasie, Blau- und Engelmannstanne, Korean- und Nobilistanne sowie Sitka- und Omorikafichte. „Mein Großvater wollte herausfinden, welche Baumart hier am besten wächst und am schönsten aussieht“, erzählt Siegfried Kienzle. Die Siegerin dieser frühen „Miss“-Wahl steht bis heute fest: die Nordmanntanne, gefolgt von der Blaufichte. Rund 97 Prozent der Bäume in den Kulturen sind Nordmanntannen.

7500 Bäume wachsen auf der Fläche

Etwa 7500 Bäume wachsen heute auf der Fläche. Fällt ein Baum, wird im Frühjahr ein vierjähriger Setzling nachgepflanzt. „Immer da, wo ein Baum rauskommt, kommt ein neuer wieder rein“, beschreibt Kienzle den Rhythmus seines Betriebs. Nach zehn bis 15 Jahren sind die Bäume groß genug zum Fällen.

Leon und Siegfried Kienzle im Gewann „Mahd“ in Siebersbach. Foto: Chris Lederer

Doch nicht jeder Baum hat es leicht. Besonders junge Pflanzen reagieren empfindlich auf trockene Sommer; auch Spätfrost kann Schäden hinterlassen – braune Triebspitzen sind ein typisches Zeichen, viele Bäume erholen sich jedoch wieder. Hinzu kommen Wildschäden: Kienzle zeigt auf eine junge Tanne, deren helle Schälstellen verraten, dass hier ein Rehbock sein Geweih gefegt hat. Solche Fegeschäden können den Wuchs beeinträchtigen. Die Familie begegnet all dem mit dichter Nachpflanzung, robusten Sorten und einer Bewirtschaftung, die auf natürliche Gegenspieler setzt.

Kulturpflege und alte Sorten in Sulzbach

Zur „Bio-Christbaumwerkstatt“, die die Kienzles im Nebenerwerb betreiben, gehören auch rund 550 Hochstämme alter Obstsorten – darunter Weihnachtsapfelsorten wie der Purpurrote Zwiebelapfel („Christkindler“) und die Rote Sternrenette. Diese Früchte schmückten früher Christbäume, eine Tradition, die bis ins 20. Jahrhundert reichte. Und selbst die Ziegenherde ist eingebunden: Nach dem Fest erhalten die Tiere die eingetrockneten Bäume als Beschäftigung und Knabberei.

So bleibt der Weihnachtsbaum länger frisch

Wer seinen Weihnachtsbaum lange genießen möchte, sollte ihn langsam an die Raumtemperatur gewöhnen. „Wenn es draußen noch Minusgrade hat, sollte er nicht gleich in die aufgeheizte Stube kommen.“ Ideal ist zunächst ein Platz unter Dach im Garten, in der Garage oder auf dem Balkon.

Ein frischer Anschnitt hilft, damit der Baum wieder Wasser zieht – wie bei Blumen. Und der Seniorchef hat noch einen Kniff, damit er später nicht schiefsteht: Er bohrt mit einem Sechser-Bohrer ein Loch exakt in die Stammmitte. So lässt sich der Baum leichter auf den Dorn des Ständers setzen. „Das ist die halbe Miete“, sagt er.

Wasser ist entscheidend: In den ersten Tagen kann ein Baum bis zu anderthalb Liter pro Tag aufnehmen. „Ausreichend Wasser geben, sonst braucht es nichts.“

Welche Baumart man wählt, ist Geschmackssache. Die Nordmanntanne ist robust, farbstabil und lange haltbar, duftet aber weniger stark als die Fichte. Die Blaufichte verströmt mehr Aroma, hat jedoch stechende Nadeln. „Das schätzen meist diejenigen Kunden, die Haustiere haben und nicht wollen, dass die an die Zweige gehen.“

Unperfekte Bäume bieten kreative Dekorationsmöglichkeiten

Und unabhängig von der Art gilt: Nicht jeder Baum wächst gleichmäßig – und das kann ein Vorteil sein. Große Astabstände eignen sich für echte Kerzen, einseitige Bäume passen gut in Ecken, und wenig Äste unten schaffen Platz für Geschenke.

Auch preislich bleibt der Hof moderat. Je nach Größe liegen die Bäume zwischen etwa 20 und 60 Euro; eine rund zwei bis 2,20 Meter hohe Nordmanntanne kostet bei Kienzles um die 40 Euro.

Zur Entsorgung bieten viele Kommunen Sammelstellen oder Abholaktionen an. Vorher sollte sämtlicher Schmuck, einschließlich Lametta, entfernt werden.

Regionale Weihnachtsbäume

Bio-Christbaumwerkstatt
Familie Kienzle bietet ihre Bio-Christbäume nur in Sulzbach an der Murr (Siebersbach) am Erlenweg 12 an. Geöffnet ist ab 10 Uhr an den drei Wochenenden vor Weihnachten sowie nach telefonischer Absprache unter der Nummer 0151/11636573.