Von der Wärmepumpe im Eigenheim bis hin zum Solarkraftwerk in der Wüste fördert die KfW weltweit klimafreundliche Projekte. Foto: imago//Sepp Spiegl

Wiederaufbau, Corona-Krise, Klimakrise: Die Förderbank des Bundes KfW unterstützt nicht nur Projekte im Inland, sondern weltweit. Umweltschutzprojekte spielen dabei eine zentrale Rolle.

Frankfurt - Ganze sieben Minuten hatte Georg Schmiedel. Das war die Zeit, die Danilo Medina Sanchez, damals der Präsident der Dominikanischen Republik, dem Unternehmer aus der Eifel gab. Schmiedel sollte das Staatsoberhaupt von seinem Projekt überzeugen: das größte Solarkraftwerk in der Karibik zu bauen. Anfänglicher Kostenpunkt: 62 Millionen US-Dollar (53,2 Millionen Euro). Im Rücken hatte Schmiedel die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG). Die KfW-Tochter unterstützte den Unternehmer mit Rat, vor allem aber mit einer langfristigen Finanzierung, die sie gemeinsam mit anderen Förderbanken organisierte.

 

Projekte zur Bekämpfung der Klimakrise am anderen Ende der Welt zu fördern ist für die KfW nichts Ungewöhnliches. Mit Krisensituationen kennt sich die KfW aus. Auch jetzt in der Corona-Krise setzen die gut 6700 Mitarbeiter einen Großteil der Stützungsmaßnahmen und Kreditanfragen um, die der Bund beschlossen hat. 1948 wurde die nationale Förderbank als Kreditanstalt für Wiederaufbau gegründet. Sie sollte damals die Folgen des Zweiten Weltkriegs beseitigen.

Von der Aufbaubank zum modernen Förderinstitut

Inzwischen ist aus der Aufbaubank ein modernes Förderinstitut geworden, an dem sich auch andere Länder orientieren. Im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags unterstützt sie nach wie vor den Wandel und treibt zukunftweisende Ideen voran: in Deutschland, in Europa und in der Welt. Dafür hat sie in sieben Jahrzehnten rund 1,7 Billionen Euro als Darlehen vergeben, bilanziert der heutige Vorstandschef Günther Bräunig.

„2019 könnte als ein entscheidendes Jahr in die Geschichte der Bekämpfung des Klimawandels eingehen, denn nie war die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema größer: Millionen von Menschen gingen weltweit für mehr Klimaschutz auf die Straße“, sagt Günther Bräunig, der Vorstandschef der KfW. Dabei spielen der Finanzsektor und insbesondere Förderbanken wie die KfW eine zentrale Rolle. Allein bei der KfW wurden 2019 rund 29,7 Milliarden Euro in die Bereiche Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel und Umwelt investiert.

Orientierung an den Nachhaltigkeitszielen der UN

Doch es sind mehr als nackte Zahlen, die den langjährigen KfWler antreiben. „Wir haben uns für Verantwortung entschieden“, sagt Bräunig. Und daher ist Nachhaltigkeit für die Förderbank keine Modeerscheinung oder ein neues Ziel, sondern Teil der Unternehmensstrategie. „Wir prüfen den Fördereffekt unserer Finanzierungen, achten auf einen ressourcenschonenden Bankbetrieb und stärken unsere Rolle als verantwortungsvoller Arbeitgeber“, zählt der KfW-Chef die drei Schwerpunkte auf. Orientiert an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (UN) hat die Bank in den vergangenen Jahren ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm erstellt, das rund 65 Ziele mit den jeweiligen Maßnahmen umfasst. Dabei geht es von der Gestaltung des Arbeitsplatzes jedes Mitarbeiters über die Wahl der Refinanzierungsinstrumente bis hin zur Auswahl der Förderprojekte, die zum Erreichen der Ziele, etwa des Klimaschutzabkommens der UN, am besten geeignet sind.

Grüne Anleihen am Kapitalmarkt

Bäume pflanzen, Windräder bauen, ressourcenschonende Zukunftstechnologien fördern: Um die globale Erwärmung wie vereinbart auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, müssen die Nettotreibhausgasemissionen bis 2060 auf null sinken. Dafür sind nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur bis 2035 weltweit gewaltige Investitionen von insgesamt rund 53 Billionen US-Dollar (45,48 Billionen Euro) im Energiesektor erforderlich. „Ohne Beteiligung institutioneller Investoren und privater Anleger sind die ehrgeizigen Klimaschutzziele nicht zu erreichen“, sagt KfW-Chef Bräunig. Die Förderbank war daher eine der Ersten, die grüne Anleihen an den Kapitalmarkt gebracht hat: sogenannte Green Bonds, mit denen international privates Kapital zur Finanzierung von nachhaltigen Umwelt- und Klimaschutzprojekten eingesammelt wird. Die Emittenten verpflichten sich, die Erlöse zum Beispiel in erneuerbare Energien, Energieeffizienzprojekte, umweltfreundliche Transportkonzepte oder in ein nachhaltiges Abfallmanagement zu investieren. Die Zweckbindung der Mittel stellt die unmittelbare Verbindung zwischen Kapitalanlage und Finanzierungsprojekt her. „Unternehmerisches Handeln und gesellschaftliche Verantwortung gehören für uns untrennbar zusammen“, betont Bräunig.

Enge Zusammenarbeit mit Hausbanken

Bei der Förderung von Umweltschutzprojekten durch die KfW spielt die enge Zusammenarbeit mit den Hausbanken eine entscheidende Rolle. „Insbesondere beim Thema Energieeffizienz gibt es zum Beispiel zahlreiche Förderprogramme. Als langjähriger Partner der KfW sind wir mit diesen Programmen bestens vertraut und können sie optimal in die Finanzierungsvorhaben unserer Kunden integrieren“, sagt Andreas Wagner, der Leiter des Förderkreditgeschäfts der Hypovereinsbank. Nachhaltigkeit sei schon seit geraumer Zeit eines der Top-Themen in den Gesprächen mit den Unternehmenskunden. Man unterstütze die Kunden nicht nur bei der reinen Finanzierung, sondern entwickele gemeinsam mit ihnen als strategischer Partner die passenden Investitionsstrategien. Auch Frank Wenz, Leiter des Förderkreditgeschäfts bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hebt die breite Palette an Fördermöglichkeiten hervor. Die Berater der BW Bank und der Sparkassen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen hätten allein im vergangenen Jahr gemeinsam über 1000 Projekte im Bereich Nachhaltigkeit im Umfang von 1,5 Milliarden Euro aufgelegt. „Aufgrund der günstigen Zinskonditionen und der Tilgungszuschüsse sind die Programme der KfW für die Unternehmen sehr attraktiv. Da lohnt es sich häufig, die Extra-Meile zu gehen“, meint Wenz mit Blick auf den Antragsprozess.

Der Sonnenpark auf der Sonneninsel wächst

Dabei richten die Förderbanker ihr Augenmerk nicht nur auf Umweltprojekte in Deutschland, sondern sind in enger Abstimmung mit der Bundesregierung weltweit unterwegs – beispielsweise auch, wenn es um Georg Schmiedels Solarkraftwerk in der Karibik geht. Claudia Loy, die Nachhaltigkeitsbeauftragte der KfW-Entwicklungsbank, sieht sich als „Starthelferin“ für mehr Nachhaltigkeit bei den internationalen Aktivitäten der KfW. Es sei nicht immer leicht, in Ländern mit schwachen rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen die Einhaltung internationaler Standards bei den Vorhaben zu verankern. „Wir müssen daher sorgfältig planen und die einzelnen Projekte auch in Risikoklassen einteilen“, sagt sie. Das laufe nicht immer reibungslos.

Bei Georg Schmiedel schon: Aus den sieben Minuten Überzeugungszeit wurde am Ende eine Dreiviertelstunde – und die Zusammenarbeit für das größte Solarkraftwerk der Karibik war perfekt. Der Präsident der Dominikanischen Republik „war fasziniert davon, dass die Versorgung mit Solarstrom in allen Aspekten so gut funktionieren kann“, erinnert sich Schmiedel. Der Sonnenpark auf der Sonneninsel wächst derzeit stetig weiter, erst im Juli erhielten die Euskirchener grünes Licht für den weiteren Ausbau, so dass schon bald eine Großstadt mit rund 190 000 Einwohnern mit grünem Strom versorgt werden kann.