Sneaker sind modisch längst im Mainstream angekommen und auch Objekte von Sondereditionen, wie hier im Design der Berliner -U-Bahn-Sitze. Foto: dpa

Beim Schuhkauf auch noch kurz die Welt retten? Diese sechs Marken haben die nachhaltige und faire Produktion als Verkaufsargument.

Stuttgart - Sneaker aus ökologisch nachhaltiger und fairer Produktion, die trotzdem gut aussehen: Das ist das Geschäftsmodell einiger neuer Schuhlabels, die eine Marktlücke für sich entdeckt haben. Abseits der massenhaft produzierten Wegwerfmode à la Primark und H&M wächst bei jüngeren Menschen das Umweltbewusstsein beim Kauf von Kleidung, entsprechend steigt auch die Nachfrage nach Produkten, die diesen Idealen gerecht werden, so die Idee der jungen Sneakermacher.

Gerade junge Marken suchen nach Wegen, klassische Materialien der Schuhproduktion wie Naturleder und Kunststoff als Obermaterial oder Gummi für die Sohle mit umwelt- und tierfreundlicheren Materialien zu ersetzen. Viele kümmern sich außerdem um faire Bezahlung und humane Bedingungen für Arbeiter, strukturelle Förderung der Produktionsorte und Transparenz gegenüber den Kunden. Generell ist ein Paar nachhaltige Sneaker trotz dieser zusätzlichen Auflagen nicht viel teurer als der durchschnittliche Sneaker von Adidas oder Nike.

Hier sind sechs Schuhlabels, die diesen Ansprüchen entsprechen:

Allbirds – der Silicon-Valley-Hype

In den USA sind sie schon seit einiger Zeit ein Hit, werden unter anderem von Barack Obama und Leonardo DiCaprio unterstützt, und nun sind sie auch in Europa erhältlich: die innovativen Sneaker der Marke Allbirds. Merino-Wolle aus Neuseeland oder nachwachsende Baumfasern sind die Optionen für die Oberfläche des Schuhs, während die Schuhsohle aus nachhaltig produziertem Zuckerrohr besteht. Mit diesen einfallsreichen Materialien will Allbirds die Umweltbelastung der Sneaker-Produktion reduzieren.

Die Herstellung mit Wolle soll etwa 60 Prozent weniger Energie verbrauchen als mit synthetischen Materialien und die Verwendung von FSC-zertifizierter Baumfaser aus Südafrika soll den CO2-Ausstoß halbieren. Neben den ökologischen Aspekten verspricht Allbirds auch besonderen Tragekomfort – die Marke wirbt mit ihrem Woll-Sneaker als dem „komfortabelsten Schuh der Welt“. Der Preis für einen Sneaker liegt bei 110 Euro.

Veja – der Trend-Schuh

Die Fairtrade-zertifizierten Sneaker des 2004 gegründeten Schuhlabels Veja liegen allein aufgrund ihres Aussehens schon voll im Trend. Veja nutzt für seine Schuhe nach eigenen Angaben natürlich gegerbtes Leder aus Uruguay sowie Biobaumwolle und nachwachsendem Naturkautschuk aus Brasilien, wo auch die Produktion stattfindet. Ihren Arbeitern und den Partnern bei der Ressourcenbeschaffung zahlt Veja nach eigenen Angaben faire Preise.

Durch diese Standards ist die Produktion eines Paars Sneaker fünf bis sieben mal teurer als bei Konkurrenten, berichtet Veja. Dafür spart das Label an anderen Stellen Kosten – so haben sie Ausgaben für Werbung komplett eingestellt. Damit wird ein ein Paar Sneaker mit Preisen zwischen 75 und 130 Euro relativ erschwinglich.

Melawear – zertifiziert auf dem gesamten Produktionsweg

Melawear ist ein Lüneburger Modelabel, das seit Frühling 2019 auch Sneaker anbietet. Die Materialien für die Produktion eines Sneakers sind Biobaumwolle und Naturkautschuk aus Sri Lanka und Indien. Der gesamte Produktionsweg, von Ressourcenbeschaffung über die Herstellung bis hin zum Vertrieb, erfüllt dabei die Standards des Fairtrade-Siegels und des Global Organic Textile Standards, kurz GOTS.

Melawear ist außerdem ein Vorbild für andere Labels in Sachen soziale Standards: Das Label zahlt seinen Beschäftigten eine Prämie von 10 Prozent des Einkaufspreises und fördert die Entwicklung des neuen Textilstandards Fairtrade, der die existenzsichernde Löhne zum Ziel hat. Ein Paar Sneaker kosten zwischen 90 und 100 Euro.

Ethletic – vegan und umweltfreundlich

Ethletic stellte im Jahre 2010 den ersten Sneaker weltweit vor, der mit Fairtrade-zertifizierter Biobaumwolle produziert wurde. Davor hatte die Marke 2004 mit fair produzierten Fußbällen angefangen. Mittlerweile konzentriert sich Ethletic auf die Produktion von Schuhen. Dafür bekommen das Unternehmen die Ressourcen aus Sri Lanka und Indien und produziert nach eigenen Angaben unter fairen Bedingungen in Pakistan. Ein Euro pro verkauftem Paar Schuhe geht an die Arbeiterwohlfahrt der pakistanischen Produzenten.

Die Schuhe bestehen aus Fairtrade-Biobaumwolle sowie FSC-zertifiziertem Naturkautschuk und erfüllen auch Vegan-Standards, sind also frei von tierischen Produkten. Um nachhaltigen Umgang mit den Artikeln zu fördern, gibt Ethletic Rabatt auf die Reparatur bei der Berliner Firma „Sneaker Rescue“. Das Label will zudem ein vollkommen biologisch abbaubares Modell entwickeln. Die Preise in ihrer großen Auswahl an Schuhen starten ab 70 Euro.

Nae – Leder aus den Blättern der Ananas

Nae steht für „no animal exploitation“, also keine Ausbeutung von Tieren. Das portugiesische Schuhlabel produziert vegane und nachhaltige Schuhe aus Materialien wie Biobaumwolle, Ananasleder, gebrauchten Reifen und PET-Flaschen. Die Ressourcenbeschaffung wie auch die Produktion finden in Portugal statt, um unnötige Emissionen beim Transport zu vermeiden.

Ananasleder als eines der wichtigsten Materialien von Nae wird aus den Blättern der Ananas gewonnen, die sonst eigentlich entsorgt werden. Damit ist das Material als nachhaltige Alternative zu Echt- und Kunstleder ideal. Die Preise für Nae-Sneaker beginnen ab 100 Euro.

Zweigut – die Kork-Alternative

Schuhe aus Kork – kann das überhaupt funktionieren? Aber ja – das Schuhlabel Zweigut aus Hamburg hat sogar eine ganze Kollektion, die Linie „echt“, mit nachhaltigen und recycelten Materialien wie Kork und recyceltem Plastik entwickelt. Die Schuhe dieser Linie sind auch von der Tierrechtsorganisation Peta als vegan zertifiziert worden.

Alle Materialien für die Schuhe der Linie „echt“ kommen aus Portugal, wo auch produziert wird. Kork hat nach Angaben von Zweigut viele ökologische Vorteile gegenüber herkömmlichen Materialien: Bei der Gewinnung ist es nicht nötig, die Bäume zu fällen – man erntet lediglich die Rinde der Korkeichenbäume. Dadurch bleiben die Wälder erhalten und können weiter CO2 aus der Luft ziehen. Um unsichere Kunden vom Kork zu überzeugen, gibt Zweigut übrigens ein zweijähriges Qualitätsversprechen. Die Preise für einen Korkschuh von Zweigut beginnen ab 70 Euro.

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