364 000 Wahlberechtigte waren am Sonntag in der Landeshauptstadt zur Stimmabgabe aufgerufen. Innerhalb weniger Stunden muss ausgezählt werden. Dahinter steckt eine straffe Organisation.
Das kurzfristige Vorziehen der Bundestagswahl hat die Wahlämter unter Druck gesetzt. In Stuttgart konnten rasch 3500 Helfer verpflichtet werden. Ein Gespräch mit dem Leiter des Statistikamts, Matthias Fatke.
Herr Fatke, Ihre Mitarbeitenden sind jetzt in Übung. Wäre es sinnvoll, auch gleich noch die für Frühjahr 2026 geplante Landtagswahl vorzuziehen?
Unsere Mitarbeitenden sind immer in Übung und bereit, eine Wahl durchzuführen, aber die verkürzten Fristen erschweren Parteien und Wählern die Wahl. Mit dem regulären Landtagswahltermin im März 2026 hätten unserer Mitarbeitenden auch die gute Gelegenheit, aktuell aufgehäufte Überzeiten abzubauen.
2021 war Stuttgart bei der Auszählung der Bundestagswahl die schnellste Großstadt. Wie haben Sie jetzt für den Wahlabend motiviert? Gab es eine Prämie?
Leider nicht, ich kann keine Prämie ausschütten. Aber ich motiviere vor allem dazu, möglichst genau zu sein. Genauigkeit geht eindeutig vor Schnelligkeit. Aber wenn wir früh mit dem Auszählen fertig sind, beschwert sich natürlich auch keiner.
Vor mehreren Wahllokalen gab es nach dem Urnengang Befragungen. Was wollten Sie denn wissen?
Es gab eine Erhebung durch Institute für die Prognose zum Wahlausgang nach 18 Uhr. Wir als Amt wollten Hintergründe zur Wahlentscheidung wissen, also sozusagen einen tieferen Blick in die Wählerseele werfen. Dazu gab es einen kurzen, anonymen Fragebogen für 2000 Wähler. Bei der Kommunalwahl 2024 war für die Menschen zum Beispiel das Thema Umwelt und Klima beherrschend. Jetzt haben wohl Wirtschaft und Migration deutlich aufgeholt.
In den Duellen, Triellen und Wahlarenen der letzten Wochen war Migration ein Hauptthema. Wie viele der Auseinandersetzungen haben Sie gesehen?
Ich habe kein einziges Duell gesehen. Das ist der Tatsache geschuldet, dass wir keinen Fernseher haben. Solche Formate haben in aller Regel keine Auswirkungen auf die Wahlentscheidung, das zeigt die Forschung.