Mathias Richling nennt seinen Wunschkandidaten fürs Nachtcafé Foto: dpa

Wieland Backes, Talk-Ikone des Südens, zieht nach 27 Jahren aus dem „Nachtcafé“ aus. Wer kann ihn beerben? Gehandelt werden Florian Weber, Pierre M. Krause und Michael Antwerpes

Wieland Backes, Talk-Ikone des Südens, zieht nach 27 Jahren aus dem „Nachtcafé“ aus. Wer kann ihn beerben? Gehandelt werden Florian Weber, Pierre M. Krause und Michael Antwerpes

Stuttgart - Bei jener denkwürdigen Sendung zum Thema Seitensprung im Jahr 1999 sorgte die Autorin und Fotografin Heike Schiller für einen der wenigen Skandale in der Geschichte des „Nachtcafés“.Weil sie dem Regisseur Dieter Wedel vorhielt, seine Hormone nicht unter Kontrolle zu haben, stand dieser auf und verließ unter Protest die Runde. Frau Schiller steht in den Annalen einer Ära, die am 12. Dezember mit der letzten Talk-Sendung von Wieland Backes endet. Sie muss also große Vergleiche nicht scheuen. „Backes ist wie Kohl und bald Merkel“, sagt die Autorin, „ganze Generationen denken bei deren Namen an Kanzler und bei Backes an Talkmoderator.“ Kann es bei so großen Vorgaben einen würdigen Erben geben? Heike Schiller plädiert dafür, auf dem frei werdenden Sendeplatz künftig lieber „ausgesuchte Spielfilme“ zu zeigen, „die man sonst nicht sieht“.

Kabarettist Mathias Richling, von Wieland Backes in den 1980ern als „Fernsehschwabe“ in die „Abendschau“ geholt, versteht zwar nicht, dass der Gastgeber des „Nachtcafés“ mit 68 aufhört („Das ist doch heute kein Alter mehr“), kann aber bereits seinen Favoriten nennen, dem er zutraut, neuer Talk-Held des Südens zu werden: „Der Florian Weber soll es werden. Er ist jung, kommt sympathisch rüber, kann intelligente Gespräche führen und ist in einem Alter, dass er’s noch 50 Jahre machen kann.“

Florian Weber, bekannt vom „ARD-Buffet“, ist 37 – im April geht er als Moderator zur „Landesschau“. Intern gilt er bei vielen als heißer Kandidat fürs „Nachtcafé“. Doch der schöne Weber hat nicht nur Freunde auf den Fluren des Funkhauses. „Allenfalls fürs Quiz tauglich“, hört man auch über ihn. Zu den Spekulationen um ihn schickte mir Florian Weber über seine Agentin sein Statement: „Jetzt werden viele als Nachfolger gehandelt. Dass ich auch unter den Genannten sein soll, ist sehr erfreulich, ich persönlich habe noch nichts davon gehört.“

Es kann nur einen Backes geben! Moderator Pierre M. Krause, der von seinen Fans als Kandidat gewünscht wird, sieht sich nicht in der neuen Talk-Runde. Seine Lösung lautet so: „Persönlich tendiere ich dazu, das ‚Nachtcafé‘ mit Backes von Folge 1 an zu wiederholen.“ Warum denn das, Herr Krause? „Weil das den Gebührenzahler nichts kostet und wir als SWR erneut beweisen könnten, vorbildlich mit den wertgeschätzten Beiträgen umzugehen.“ Zum hoch gehandelten Kandidaten Weber sagt er: „Das würde passen.“ Aber warum tritt Krause selbst nicht an? Antwort: „Darüber denke ich erst nach, wenn der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass man mich fragt.“

Modedesigner Tobias Siewert wünscht sich einen jungen Moderator, der die Zuschauer über die Themen im Internet abstimmen lässt. Sein Wunschkandidat: Regio-TV-Programmchef Chris Fleischhauer. Der Genannte wiederum weiß, wer es werden will: „Michael Antwerpes wird in den Startlöchern sitzen.“ Eine frische, moderne Talksendung zu moderieren habe einen anderen Anspruch als eine Samstagabend-Show, meint Fleischhauer. „Es gibt Moderatoren, die beides können – Barbara Schöneberger.“ Für eine Frau plädiert auch SWR-Moderatorin Tatjana Geßler . Wäre das „Nachtcafé“ etwas für sie? „Ich hab’ so viel anderes zu tun“, sagt sie. Christian Krack, Moderator der Morgensendung bei Die Neue 107,7, glaubt, dass selbst die NDR-Talk-Show „nicht herankommt an den genialen Mix aus Menschlichkeit und schwäbischer Coolness von Backes“. Egal, wer ihm folge – es werde etwas anderes werden. Seine These: „Wetten, dass ein Nachfolger im selben Format ein Desaster erlebt?“

Markus Brodbeck, Casting-Chef der Agentur Brody, sieht sich „altersmäßig langsam in der SWR-TV-Zielgruppe“. Dies sei der Ansatzpunkt für eine Besserung: „Es muss eine Moderatorin her, die maximal 35 ist. Wie wär’s mit Kimsy von Reischach?“

Johannes Milla, Chef der Agentur Milla und Partner, meint: „Wer will noch Talkshows sehen? Die Zeit ist vorbei. Stattdessen wünsche ich mir ein Format, das derzeit in der Rampe läuft: ,Uwe Schenk trifft – die TV-Show ohne Sendetermin‘.“ Entertainer Roland Baisch bringt Markus Lanz und sich selbst ins Gespräch: „Lanz sucht bald eine neue Betätigung, für mich spricht die charakterliche Integrität und das volle Haar.“

Auf der Facebook-Seite der StN wird der Abgang kontrovers diskutiert. „Für meine Mutter bricht eine Welt zusammen“, schreibt ein User. Und eine Kommentatorin meint: „Gott sei Dank verschwindet dieser Gutmensch endlich von der Bildfläche.“

Aber nein, er verschwindet nicht. Die Sendung „Ich trage einen großen Namen“ moderiert Backes weiter. Nach 27 Jahren „Nachtcafé“ trägt er nun selbst einen großen Namen. Und wie werden die Nachfolger von großen Männern in der Politik mitunter bestimmt? Mit einer Ur-Wahl! Lasst uns den neuen Backes einfach wählen!

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