Sie finanzieren Tischtennisplatten oder Klassenfahrten und organisieren teils das Mittagessen: Fördervereine sind eine wichtige Stütze im Schulleben. Doch manche der Stuttgarter Vereine haben Probleme, engagierte Eltern zu finden. Woran das liegt.
Ob Geld für eine Tischtennisplatte auf dem Pausenhof, ein Förderprojekt in Mathe oder eine Zirkuswoche für die Schülerinnen und Schüler – Fördervereine springen oft ein, wenn an Schulen Geld fehlt. Manche der meist von Eltern organisierten Vereine betreiben sogar Schulmensen oder organisieren die Nachmittagsbetreuung. Ihre Geldquellen dafür: Sponsoren, Spenden, Mitgliedsbeiträge oder Einnahmen bei Festen.
Der Förderverein Wilhelmsschule, eine Grund- und Werkrealschule mit Hauptsitz in Stuttgart-Wangen, gab in den vergangenen Jahren Geld für ein Zirkusprojekt der Schule, ermöglichte Kindern von finanziell schlechter gestellten Familien die Teilnahme an Ausflügen, schaffte einen Schall dämmenden Teppich oder Lüftungsampeln in der Coronazeit an und stiftete Buchpreise, erzählt Jens Leistert, der bis vor kurzem noch Vorstand war. Das jährliche Budget des Vereins betrage etwa 4000 bis 5000 Euro.
Einige Vereine haben Personalprobleme
Dennoch: Als Jens Leistert seinen Posten kürzlich abgeben wollte, habe er große Schwierigkeiten gehabt, eine Nachfolge zu finden, sagt er. Er führt das darauf zurück, dass sich viele nicht vorstellen können, wie viel oder wenig Arbeit als Vorstand auf sie zukomme. Auch die Bevölkerungsstruktur in Wangen, wo weniger Akademiker wohnen als in anderen Bezirken, könnte ein Grund sein.
Auch andere Fördervereine in Stuttgart kämpfen mit Problemen: In der Fördervereinskasse der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule in Möhringen sei nicht mehr viel Geld übrig, sagt Susanne Roling, die in diesem Jahr den Vorstand übernommen hat. Der Verein befinde sich zur Zeit in einer Wiederaufbauphase, nachdem er sich über die Coronazeit hinweg aufgelöst habe.
Dass wenige sich an der Schule trauen, eine verantwortliche Position im Förderverein zu übernehmen, könne Roling zufolge auch an der Sprachbarriere liegen. Denn im Einzugsgebiet der Schule lebten viele Familien mit Migrationshintergrund.
Birkenrealschule hat keine Förderverein mehr
Die Coronazeit nicht überlebt hat wiederum der Förderverein der Birkenrealschule in Heumaden, sagt dessen ehemaliges Mitglied Oliver Klein. An Corona allein habe die auch formelle Auflösung des Vereins allerdings nicht gelegen, betont er: „Das grundlegende Problem ist, dass sich die Menschen nicht bewusst sind, was ein Förderverein erreichen kann.“ Für die Birkenrealschule hat das Folgen: Ihr stehen seitdem weniger finanzielle Mittel zur Verfügung. Für kleinere Ausgaben sei zwar noch Geld in der Elternbeiratskasse, aber der Beirat generiere nicht so viel Geld wie ein Förderverein, so Klein.
Eltern, die neu an die Schule kommen, fragen, warum es keinen Förderverein gebe, doch sowohl Gründung als auch Auflösung eines solchen Vereins seien aufwendig und mit hohen bürokratischen Hürden verbunden, meint Klein. Aus Gesprächen im Bekanntenkreis weiß er, dass das Engagement der Eltern in Fördervereinen je nach Schulart variiere – an Gymnasien sei es seinem Eindruck nach oft höher.
Erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne am Wirtemberg-Gymnasium
Das ist zumindest für manche Gymnasien der Fall. Annette Berner ist im Vorstand des Fördervereins am Wirtemberg-Gymnasiums in Untertürkheim aktiv. Durch eine Crowdfunding-Spendenkampagne, bei der die Untertürkheimer Volksbank Spenden verdoppelte, seien einmal mehr als 6000 Euro zusammen kommen. Damit konnten unter anderem Biertischgarnituren angeschafft werden. In der Vereinssatzung sei festgelegt, dass der zweite Vorstand ein Lehrer ist – so sei der Draht zum Schulleben sehr direkt.
Ein ganz anderes Konzept verfolgt der Förderverein des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Bad Cannstatt. Weder Eltern noch Lehrer bilden hier den Vorstand, sondern ehemalige Schüler. Simon Stutz, der 1997 sein Abi gemacht hat, ist bereist seit sieben Jahren im Vorstand.
Mitglieder des Vereins werden automatisch die jeweiligen Jahrgangssprecher der abgehenden Klassenstufen, so Stutz. Diese müssen aber keine Mitgliedsbeiträge zahlen. Viele Einnahmen kommen aus Spenden, sagt Stutz. So sendet der Verein an etwa 3000 Ehemalige jährlich einen Brief, um sie an die Schule zu erinnern.
Zusätzlich zum Förderverein haben einige Ehemalige Stiftungen gegründet, um herausragende Arbeiten von Schülern in bestimmten Fachbereichen zu fördern. Insgesamt besitzen diese Stiftungen 200 000 Euro, so Stutz. Die Pflege des Kontakts zu Ehemaligen scheint sich am Kepler-Gymnasium auszuzahlen.
Fördervereine erwirtschaften rund 13 Millionen Euro jährlich
Liegt es an dem Standort der Schulen, der Schulart oder einfach nur am fehlenden oder vorhandenen Engagement, dass manche Fördervereine gut und manche schlecht aufgestellt sind? Mit Zahlen be- oder widerlegen lassen sich solche Thesen schwer, weil es zur Arbeit der Fördervereine keine statistische Erhebung gibt. Direkt vergleichen lassen sich die Schulen alleine schon wegen der unterschiedlich hohen Schülerzahlen nicht. Der Landesverband der Schulfördervereine setzt sich deshalb seit Jahren für eine statistische Erhebung ein, sagt Geschäftsführerin Hannah Ehrlich.
Bei den mehr als 1600 Mitgliedsvereinen des Landesverbands gebe es große Unterschiede. Manche hätten einen Jahresumsatz von 900 000 Euro, andere einen von 100 Euro. Eine sehr grobe Hochrechnung, die auf Umfragewerten des Verbands basiert, komme zum Ergebnis, dass jeder Mitgliedsverein durchschnittlich etwa 8000 Euro im Jahr akquiriere – zusammengenommen für alle Mitgliedsvereine seien das 13 Millionen Euro jährlich.