Sechs ehemalige Stammgäste haben nach dem Ende des Domizils am Leonberger Marktplatz die Kneipe übernommen. Sie haben sich allesamt erst im Domizil kennengelernt.
Auf die Frage, wer denn bitte auf diese Schnapsidee mit der eigenen Kneipe gekommen sei, antworten sie ruckzuck: „Alle!“ Es folgt Gelächter – und die Versicherung, dass man sich das schon sehr gut überlegt habe. „Sie“, dass sind Saskia Leiss, Michaela Caprazki, Heiko von Au, Philipp Heugle, Marcus Faatz und Daniel Riecke – und das Sextett betreibt seit Anfang Mai die Kneipe, die am Leonberger Marktplatz viele Jahre lang als Domizil Anlaufstelle für Ausgehfreudige jeglichen Alters gewesen ist.
Das Ende des Domizils kam schneller als gedacht
Zweitwohnung haben sie ihr neues Lokal genannt. Und das war es in der Vergangenheit auch für sie. Denn alle sechs waren sie Stammkunden bei Domizil-Wirt Lothar Mattner. Kurz nach dem diesjährigen Pferdemarkt im Februar hatte der den Laden dichtgemacht. Vorausgegangen waren Verhandlungen mit dem bisherigen Eigentümer, der das Gebäude verkaufen wollte. Mattner und seine Frau Marie hätten es gerne erstanden, eine Investmentgesellschaft war schneller. Am Ende kam man mit den jeweiligen Vorstellungen vom Weiterbetrieb nicht zusammen, inzwischen konzentrieren sich die Mattners komplett auf ihre Gaststätte am Engelberg.
Lothar Mattner steht den Neu-Kneipiers auch mit Rat und Tat zur Seite. Am Anfang stand aber auch bei ihm die Frage, ob sie sich wirklich sicher seien. Denn das Ende des Domizils kam für die sechs dann fixer als erwartet – ursprünglich war es erst für Ende dieses Jahres vorgesehen gewesen. „Im November 2023 gab es die ersten Gespräche“, berichtet der 37-jährige Philipp Heugle. Und dann ging es plötzlich ganz schnell.
Die Aufteilung der Aufgaben ist klar
Marcus Faatz ist unter anderem für das Marketing zuständig. „Ich habe Kontakt zum Inhaber aufgenommen und ihm ein Konzept vorgelegt“, sagt er. Die Maßgabe: Am 1. Mai solle alles unter Dach und Fach sein. Also legten die Zweitwohnungs-Macher los, renovierten, was zu renovieren war und waren tatsächlich am 1. Mai soweit: das Lokal konnte öffnen. „Und wir haben einen Zehn-Jahres-Plan“, entgegnet Faatz all jenen, die den neuen Betreibern nur ein paar Monate gegeben haben.
Die Aufteilung der Aufgaben unter den Freundinnen und Freunden, die sich allesamt erst im Domizil kennengelernt haben, ist klar. Faatz, 56 Jahre alt, bringt die Erfahrung aus seiner Kommunikationsagentur mit und kümmert sich um weiteren Papierkram. Saskia Leiss (34, eigentlich im Vertrieb tätig) und Michaela Caprazki (50, Betriebsrätin bei einem Autohersteller) kümmern sich um den Service und das operative Geschäft. Philipp Heugle ist eigentlich Ingenieur für Luft- und Klimatechnik und in der Zweitwohnung für die Theke und die technischen Belange zuständig. Daniel Rieckes (49) Aufgaben sind das Kassensystem und, wie in seinem Hauptberuf, die IT – und auch Einkäufer Marco von Au (49) tut das, was er im Job auch tut, nur eben hauptsächlich mit Getränken. „Es ist egal, ob ich jetzt Flaschen oder Maschinenteile kaufe“, sagt er.
Geändert hat sich vor allem die Karte
Direkte Erfahrung aus der Gastronomie hatten lediglich Philipp Heugle und Saskia Leiss. Heugle hatte im Domizil im Keller bereits an der Theke gestanden und auch den Glühweinstand betreut. Leiss hatte schon als Aushilfe bei den Mattners gearbeitet. Für alle gilt nun: „Man geht schaffen – nach dem Schaffen.“ Ergänzt wird das Team um zahlreiche Aushilfen, die ebenfalls bereits im Domizil mitgeholfen hatten.
Aber abgesehen vom Namen – was hat sich sonst noch so geändert? Die Karte zum Beispiel. Speisen wurden radikal gekürzt. „Es soll nicht mehr diesen Bistro-Charakter haben“, betont Saskia Leiss, „der Fokus soll auf den Getränken liegen. Und wer trotzdem etwas essen möchte, für den gibt es Flammkuchen, Baguettes oder Pizza.“ Ansonsten ist vieles beim Alten geblieben – das Pub-Quiz gibt es nach wie vor und auch die Brett- und Kartenspiele im Regal bereit. Außerdem sollen im Keller wieder mehr Veranstaltungen steigen, die Planungen laufen.
Der Start ist vielversprechend, das Feedback wohlwollend
Generell habe sich alles ziemlich gut angelassen, berichtet Marcus Faatz. Während der EM – und bei gutem Wetter – sei die Zweitwohnung mitsamt Außenbereich stets gut besucht gewesen. Außerdem zog das neue Team einige externe Bewirtungsaufträge an Land, betreute zum Beispiel die Gute-Nacht-Geschichten im Pomeranzengarten. Auch bei der Leo Motor Classic ist man dabei. „Das Feedback ist ausschließlich sehr wohlwollend“, so Faatz.