Eine Woche lang haben sechs junge Männer aus Afghanistan, Somalia und Gambia mit dem Lehrer Thomas Schwarzwälder an der Gartenlaube des Nachbarschaftsgartens der Gemeinschaft der Gartenfreunde Botnang gearbeitet. Foto: Marta Popowska

Mit dem Garten-Kultur-Labor schafft die Gemeinschaft der Gartenfreunde Botnang einen Nachbarschaftsgarten, der langfristig allen Nachbarn offen stehen soll. Das Konzept wurde mit dem ersten Preis der Renate Lingk-Stiftung belohnt.

Botnang - Bis vor kurzem befand sich die Hütte in einem „katastrophalen Zustand“ sagt der Lehrer Thomas Schwarzwälder und seine Schüler lächeln zufrieden – denn dank ihres Arbeitseinsatzes ist davon nichts mehr zu sehen. In leuchtendem Grün steht sie da, die Gartenlaube des Nachbarschaftsgartens der Gemeinschaft der Gartenfreunde Botnang. Eine Woche lang haben die sechs jungen Männer aus Afghanistan, Somalia und Gambia ganz uneigennützig angepackt, mühsam die alte Farbe abgeschliffen, dann wieder lackiert und Fugen erneuert.

Auch Wolfgang Zaumseil ist zufrieden. Der Vorsitzende der Botnanger Gartenfreunde hatte sich im vergangenen Jahr an ein ambitioniertes Vorhaben gemacht. Rund 1000 Quadratmeter Fläche sollten unter der Führung der Gemeinschaft der Gartenfreunde zu einem Nachbarschaftsgarten umgewandelt werden – offen für interessierte Einzelpersonen aber auch für soziale und pädagogische Einrichtungen aus dem Stadtteil. Zaumseil, der von Beruf Architekt ist, erarbeitete ein Konzept für sein „Garten-Kultur-Labor“, mit dem er sich im vergangenen Jahr für den Förderpreis „Ich bin wertvoll“ der Renate-Lingk-Stiftung bewarb. Im vergangenen Herbst erreichte ihn dann die gute Nachricht: Das Garten-Kultur-Labor gewann den ersten Preis und damit eine Fördersumme in Höhe von 30 000 Euro. 2017 und 2018 stehen daher unter dem Motto „Ich bin wertvoll“.

Verschiedene Kooperationen werden erprobt

„Wenn wir den Preis nicht bekommen hätten, würde alles viel langsamer gehen“, sagt Zaumseil. Dank dem Geld konnten im Nachbarschaftsgarten gleich zu Jahresbeginn mehrere Projekte geplant und in Angriff genommen werden. Die Gartenfreunde erproben Kooperationen auf dem Gelände, etwa mit dem Spitalwaldkindergarten oder der Nikolauspflege. Im Februar richtete eine Garten- und Landschaftsbaufirma das Gelände her und Azubis des Berufsbildungswerks Stuttgart begannen mit dem Bau neuer Wege.

Zaumseil hatte sich auch an die Schule für Farbe und Gestaltung in Feuerbach gewandt. „Mit der Schule habe ich vor Jahren schon einmal zusammengearbeitet“, sagt der Architekt. Bei Projekten im öffentlichen Raum versuche er immer Schulen mit einzubeziehen. Bei Thomas Schwarzwälder traf er auf Begeisterung. Der ist Lehrer einer Vabo-Klasse. Vabo steht für Vorbereitungsjahr Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse. Schwarzwälders Schüler sind Geflüchtete um die 20, die in erster Linie die deutsche Sprache lernen. Der Lehrer sieht in solchen Projekten mehrere Vorteile: „So können die Schüler die Sprache besser vertiefen. Das ist für ihre berufliche Zukunft wichtig.“ Toll sei auch der zwischenmenschliche Faktor, denn in der Schule sitze man nie so zusammen.

Eine Freude haben die Helfer vor allem den Kindern des Spitalwaldkindergartens gemacht. „Die sind derzeit die Hauptnutzer des Gartens“, sagt Zaumseil. Schon im vergangenen Jahr haben sie Beete angelegt und Kürbisse, Zucchini und Auberginen angebaut. „Sie führen das in diesem Jahr weiter und legen Familienbeete an“, sagt er. Denn langfristig soll das Garten-Kultur-Labor weiterwachsen. Zaumseils Ziel: „Die Nachbarschaftsgärten sollen irgendwann offen und für jeden nutzbar sein.“ Solange das Areal aber noch nicht fertig ist, steht es nur den Projektpartnern offen. Man trage ja auch die Verantwortung für alles.

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