Auch Politiker beteiligen sich an den Friedensdemos durch die Chemnitz. Foto: Getty Images Europe

Die Friedensdemonstration ist die erste von mehreren Kundgebungen in Chemnitz am Samstag. Auch die rechtspopulistische Bürgerbewegung Pro Chemnitz hat zu einer eigenen Kundgebung am Nachmittag aufgerufen.

Chemnitz - Unter dem Motto „Es reicht! Herz statt Hetze“ hat in Chemnitz eine Kundgebung gegen Rechts begonnen. An der Johanniskirche versammelten sich am Samstagnachmittag mehr als 1.000 Menschen. Demonstranten trugen Plakate mit Texten wie „Kein Platz für Nazis“, „Gebt Sachsen nicht auf“ oder „Hass ist krass. Liebe ist krasser“. Auch Flaggen der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ wurden geschwenkt. Im Anschluss an mehrere Redebeiträge war ein Auftritt der Rockband „Madsen“ geplant.

Unter den Demonstranten waren auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der Linken-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch, Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig, Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir und die ehemalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (beide SPD). Als Rednerin hatte die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock ihr Kommen angekündigt.

Auch Politiker nehmen an Kundgebungen teil

Bartsch verurteilte vor Beginn der Demonstration erneut die rechtsgerichteten Proteste in Chemnitz vor einigen Tagen. Vor Journalisten bezeichnete er es als „übel“, dass der Tod eines 35-jährigen Deutschen „so instrumentalisiert wird“. „Als Linker sage ich: Ja, wir müssen im Moment die Werte der bürgerlichen Demokratie verteidigen“, erklärte Bartsch.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig sagte anlässlich ihrer Teilnahme an der Chemnitzer Demonstration, viele mutige Ostdeutsche seien 1989 für ein freiheitliches, offenes und vielfältiges Land auf die Straßen gegangen. Rechtsextreme und Rechtsradikale wollten diese Freiheit nehmen. Sie benutzten und schürten Ängste. „Von Hass und Hetze ist es nur ein kurzer Weg zur Gewalt. Wer das nicht will, muss es auch klar sagen“, betonte die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns.

Fußballspiel HSV gegen Dresden abgesagt

Für den späteren Nachmittag waren in unmittelbarer Nähe eine Kundgebung der rechtsgerichteten Bewegung „Pro Chemnitz“ und eine Demonstration der AfD und der fremdenfeindlichen „Pegida“-Bewegung angekündigt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um neuerliche Ausschreitungen zu verhindern. Um eine ausreichende Präsenz sicherzustellen, war auch das Zweitliga-Fußballspiel von Dynamo Dresden gegen den Hamburger SV abgesagt worden.

In Chemnitz war in der Nacht zum vergangenen Sonntag am Rande des Stadtfestes ein 35-jähriger Deutscher erstochen worden. Zwei weitere Männer wurden zum Teil schwer verletzt. Zwei mutmaßliche Täter, ein 22-jähriger Iraker und ein 23-jähriger Syrer, sitzen in Untersuchungshaft.

Der Vorfall löste zum Teil gewaltsame Demonstrationen aus dem rechten Spektrum aus. Am Sonntag kam es zu Angriffen auf ausländisch aussehende Menschen. Am Montag mobilisierten zum Teil gewaltbereite Rechte rund 6.000 Demonstranten. Die etwa 600 Polizisten im Einsatz hatten Mühe, sie von den rund 1.000 Gegendemonstranten zu trennen. Es gab 20 Verletzte.

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