Auf diesen herzhaften Pausensnack müssen die VfB-Fans im Stadion manchmal lange warten. Offenbar fehlt Personal. Foto: Horst Rudel

Beim ersten Heimspiel des VfB Stuttgart in der Ersten Bundesliga hat zwar das Ergebnis mit einem 1:0-Sieg für die Fans gestimmt – die Versorgung mit Speisen und Getränken durch den Caterer Aramark kritisieren viele Stadionbesucher aber heftig.

Stuttgart - Anspruch und Wirklichkeit differieren mitunter erheblich. In der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena gelingt es dem für die Gastronomie verantwortlichen Catering-Unternehmen Aramark jedenfalls nach dem Eindruck vieler zweifelnder Besucher nur bedingt, beides in Einklang zu bringen. Auf seiner Homepage verweist Aramark auf seine „gastronomischen Fähigkeiten“, auf „internationales Know-how und professionelle Systeme“.

Beim VfB-Heimspiel gegen Mainz 05 vergangenes Wochenende waren viele Fans über den Gastrodienstleister verärgert. Trotz der mehr als 50 000 Besucher blieben einige der 31 Kioske zu. In denen, die geöffnet hatten, so die Fankritik, sei oft unprofessionell gearbeitet worden. Zur Pause seien keine Getränke eingeschenkt gewesen, Softdrinks seien aus Flaschen statt aus Zapfanlagen in die Becher gefüllt worden, die Mitarbeiter hätten keine Erfahrung. Die Wartezeiten hätten häufig bei 15 und mehr Minuten gelegen. Zudem hätten mobile Getränkeverkäufer gefehlt. Auch die Qualität des Services sowie der Speisen und Getränke erntete Kritik. In sozialen Netzwerken gab es hunderte Reaktionen – und nur wenig Lob.

Unzufriedenheit besteht schon länger

Viele VfB-Fans sind schon länger unzufrieden. Der schlechte Service an den Kiosken sei ein Dauerproblem, klagen sie. Die jüngste Panne begründete der Aramark-Betriebsleiter Torsten Reissig auf Anfrage der Online-Redaktion dieser Zeitung damit, dass das Unternehmen in den Sommerferien immer große Probleme habe, genügend Personal zu finden. „Wir waren auf die Bedingungen das gute Wetter und die vielen Zuschauer, vorbereitet“, so Reissig. Er gab aber auch zu, „die Logistik war am Samstag ein Problem“. Überraschend kam das volle Stadion nicht. Rechtzeitig vor der Partie hatte Aramark vom VfB die Vorverkaufszahlen erhalten. Der Verein rechnete mit 53 000 Besuchern, eine gute Prognose.

Kaum erhellende Informationen von Aramark

Wo genau die Probleme ihre Ursache haben und wie man diesen begegnen wolle, will Aramark nicht sagen. Dirk Geyer, Bereichsleiter Marketing der Aramark Holding in Neu-Isenburg, teilte per Mail nur mit: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dieses für die kommenden Spiele zu lösen.“ Auf die Frage, ob sich die Situation bereits am Montag beim Länderspiel Deutschland – Norwegen grundlegend anders darstellen wird, geht Geyer nicht ein. Reissig will dem Ansturm der 60 000 Besucher mit seinem Team in jedem Fall gerecht werden: „Wir hoffen, dass bis dahin wieder Teile unseres Stammpersonals zur Verfügung stehen“, hatte er in einer ersten Stellungnahme gesagt. Die Besucher können gespannt sein.

Beim VfB gibt man sich zurückhaltend, man stehe mit Aramark im Dialog, habe aber keine Handhabe, viel zu ändern. Wie lange der seit dem 1. Juli 2011 bestehende Vertrag noch läuft, bleibt geheim. „Er ist langfristig angelegt“, sagt der stellvertretende VfB-Pressesprecher Steffen Lindenmaier. Rainer Mutschler, der bis Juli viele Jahre lang Geschäftsführer der VfB-Marketing GmbH war, hatte im August 2011 Ähnliches gesagt: „Es ist ein langfristiger Kontrakt“, so Mutschler. Schon damals, beim Saisonstart gegen Schalke, hatte es lange Schlangen an den Kiosken und Engpässe gegeben. Mutschler begründete dies mit der Gastro-Neuvergabe: „Das muss sich alles erst einspielen.“ Laut vielen Fans hat das bis heute nicht geklappt.

Aramark weiß in der Fußballwelt zu trumpfen. Dies belegt die jüngst gewonnene Ausschreibung für die Cateringrechte bis Mitte 2025 im Olympiastadion Berlin. Viele andere Vereine setzen ebenfalls auf das Unternehmen. In den Stadien in Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Hamburg, Köln und Frankfurt ist Aramark Gastropartner. Die Preise für ein sogenanntes Stadionpaket aus Bier und Wurst differieren dabei erheblich: Während in Stuttgart wie in Hamburg laut „Sport Bild“ mit 7,80 Euro ein Spitzenpreis fällig wird (Platz zwei hinter München mit 8,60 Euro), kostet das gleiche Doppel in Dortmund nur 6,80 Euro.

Partner vieler Fußballvereine in großen Stadien

Aramark sucht derweil weiteres Personal für das Stadion. Ab neun Euro pro Stunde werden geboten. Wohl zu wenig, um Erfolg bei der Mitarbeiter-Neugewinnung zu haben, glauben Gastrokenner. Der Mindestlohn liegt mit 8,84 Euro nur 16 Cent darunter. Und der Gaststättenverband Dehoga empfiehlt, den Tarifvertrag für das Gastgewerbe anzuwenden. Angelernte Servierkräfte sollten mindestens 10,10 Euro pro Stunde erhalten. Ob ein höheres Einstiegsentgelt helfen könnte, die von Reissig beklagten Personalsorgen zu mindern, ist aber fraglich.

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