Zurück aus der Corona-Isolierung in Spanien: Sylvia Häfner-Hutt, ist zum zweiten Mal beste Winzerin in Württemberg. Foto: /Gottfried Stoppel

Auf Lanzarote – in unfreiwilliger Urlaubsisolierung – hat Sylvia Häfner-Hutt die Nachricht von ihrer Titelverteidigung als Württembergs Winzerin des Jahres erreicht. Seit Samstagabend ist sie samt Familie endlich wieder im heimischen Weingut.

Auszeichnung - Eins ist der Heimkehrerin ganz wichtig, nach den aufreibenden Tagen in Isolation und mit viel Ungewissheit über Rückflugchancen im Hotel auf Lanzarote: „Mach’ mir die Spanier nicht schlecht, die haben das toll gemacht und sind immer superfreundlich und nett geblieben.“ Sylvia Häfner-Hutt, Wengerterin aus Geradstetten und frisch gebackene Titelverteidigerin als Württembergische Winzerin des Jahres im Wettbewerb des Genussmagazins Selection, ist samt Familie am 10. März gen Lanzarote aufgebrochen – zum Jahresurlaub, wie seit Jahren schon. „Wir haben vorher extra noch nachgefragt“, sagt sie. Doch trotz der damaligen Meldungen über die Corona-Krisen allüberall – vor zwei Wochen war die Welt noch eine völlig andere als inzwischen. Überall versicherte man der Wengerterin, sie könne unbesorgt sein: „Überhaupt kein Problem“, habe es geheißen, „fliegt ruhig los.“

Nach fünf Urlaubstagen der plötzliche Shutdown

Fünf Tage entspannten Urlaubs war der Familie aus dem Remstal denn auch vergönnt. Alles easy auf dem Areal des Clubhotels, volle Restaurants, feuchtfröhlicher Barbetrieb, entspannte abendliche Partys. Bis am Sonntag schlagartig und völlig überraschend der in Spanien landesweit verhängte Shutdown mit Ausgangssperre verhängt worden sei. „Wir waren noch am Sonntag auf Rundfahrt an einem Vulkan und kurz an einem abgelegenen Strand, als andernorts bereits die Strände geräumt und die Leute direkt nach Hause geschickt wurden“, berichtet Sylvie Häfner-Hut. Ab dem Moment sei buchstäblich alles anders gewesen – jeder eingesperrt in seinen Hotelzimmern, mitsamt der Anweisung, auch das Essen im Zimmer einzunehmen.

Zusammen mit den Töchtern Martha (2) und Emma (4) war das natürlich eine Herausforderung für die vierköpfige Familie, zumal sich das unfreiwillige Corona-Asyl im Hotel auf Lanzarote eine ganze Woche hinzog. Immerhin, sagt die Mama, hätten es die Töchter super hingenommen – unter anderem einfach am Ausgang des Hotelzimmers zusammen „Wir gehen jetzt an den Pool“ gespielt.

Für die Eltern sei es eine ständige Berg- und Talfahrt gewesen angesichts sich ständig ändernder Informationen über Rückflugmöglichkeiten. Zumal irgendwann zweifelhaft wurde, ob überhaupt ein Transport zum Flughafen möglich sei. „In Spanien darf nur noch eine Person im Auto transportiert werden und das mit Maske – auch im Taxi.“

Das Lächeln bleibt – zumindest in Spanien

Am Samstag hat es dann tatsächlich geklappt. Abends gegen 19 Uhr melden sich die Häfners vom Flughafen – nach einem eintägigen Flugmarathon über Lissabon. Selbst auf Whatsapp ist die Erleichterung spürbar: „Wir sind in Stuttgart, alles bestens.“ Wenn sie sich die Lage hier betrachte, wäre womöglich Lanzarote der sicherere Ort gewesen. „Dort ist totaler Shutdown, obwohl es bis gestern nur drei nachweislich Infizierte auf der Insel gab“, sagt Sylvie Häfner beim Telefonat am Sonntag. Trotz allem seien die Spanier freundlich. „Obwohl alle die Jobs verlieren, lächeln dich die Polizisten am Flughafen an, hier tragen sie Maschinenpistolen und schauen böse. Das macht den Kindern Angst.“ Die Mädels wiederum, die sitzen am Sonntagvormittag endlich wieder glücklich daheim. „Die wissen gar nicht wo anfangen, die wollen mit allen ihren Sachen zugleich spielen“, lacht die Mama.

Wobei in Remshalden das gesamthäfnersche Urlaubsdrama 2020 noch längst nicht völlig ausgestanden ist. Opa Wolfgang und Oma Sybille, die reisefreudigen Seniorchefs des Weinguts, sitzen noch fest – auf den Seychellen. Relativ sicher zwar, aber verdammt weit weg. Immerhin, sagt die Tochter, haben sie ein eigenes Ferienhaus gemietet auf den noch weitgehend coronafreien Inseln im Indischen Ozean. Und der geplante, baldige Rückflug stehe bisher noch – über Dubai allerdings. „Hoffentlich geht da nichts schief“.

Die just in den ersten Tagen des Lanzarote-Urlaubs eingegangene Nachricht, dass Sylvie Häfner ihren im vergangenen Jahr errungenen Titel als – laut Genussmagazin Selection – beste Winzerin in Württemberg erfolgreich verteidigt hat, die ist durch die Corona- und Urlaubskrise ziemlich an den Rand gedrängt worden. Bei dem seit vier Jahren veranstalteten internationalen Wettbewerb „Die Winzerinnen des Jahres“ verkostet und bewertet eine Jury „Weine mit weiblichem Schliff“. Mit einem Durchschnitt von 87,15 Punkten auf der 100-Punkte-Skala erreichte die Geradstettener Weinmacherin im internationalen Vergleich Rang fünf, nur 2,3 Punkte hinter der Gesamtsiegerin aus Rheinhessen. Direkt hinter ihr landete ihre Nachbarin Nina Mayerle vom Weingut auf dem Bauersberger Hof auf Platz sechs und sorgte für einen Remshaldener Doppelsieg in Württemberg.

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