Entlang des Zipfelbachs wurden in den vergangenen Tagen viele Bäume gefällt. Foto: privat/Firus

Nach dem tödlichen Baumsturz in Waiblingen hat die Stadt hunderte Bäume gefällt. Ein Anwohner protestiert dagegen und erhebt schwere Vorwürfe.

Nach einem tödlichen Baumsturz im März dieses Jahres geht die Stadt Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) mit einer großangelegten Baumfällaktion gegen die Auswirkungen des Eschentriebsterbens vor. Doch die Rodungen, die als notwendige Gefahrenabwehr deklariert werden, stoßen teilweise auf deutliche Kritik. Ein Anwohner aus dem Teilort Bittenfeld erhebt schwere Vorwürfe und spricht von „blindem Aktivismus“.

 

Der tragische Unfall hatte sich im März in Waiblingen-Neustadt ereignet, als eine Esche auf ein Auto stürzte, das auf der Klinglestalstraße unterwegs war. Der Fahrer kam dabei ums Leben. Die Untersuchungen zur genauen Ursache laufen noch, höchstwahrscheinlich war der Baum jedoch durch das Eschentriebsterben geschwächt. Die Stadt reagierte mit der Einrichtung einer Task Force, der Verkürzung von Baumkontrollzyklen und der Fällung von hunderten Bäumen auf privaten und städtischen Grundstücken an der Klinglestalstraße.

Kahlschlag in Waiblingen? Der Anwohner Eduard Firus ist empört

Aus Sicht eines Anwohners fallen zu viele gesunde Bäume. Foto: Eduard Firus

Eduard Firus (65) aus Waiblingen-Bittenfeld fürchtet dagegen um die Lebensqualität der Anwohner. Der Ingenieur lebt seit 40 Jahren in Waiblingen, 25 Jahre davon in Bittenfeld, einem Stadtteil, den er wegen dessen naturnahen Umgebung schätzt: „Was Bittenfeld liebens- und lebenswert macht, ist die Natur, die wir haben. Beziehungsweise hatten, wie man jetzt sagen muss.“ Firus, der täglich mit seinem Hund am Zipfelbach spazieren geht, beobachtet die aktuellen Fällarbeiten mit großer Sorge.

Für ihn geht die Rodung zu weit: „Leider fallen nicht nur Eschen, sondern auch Buchen, Weiden und Eichen diesem Wahn zum Opfer.“ Er habe den Eindruck, dass „einfach alles, was groß ist“, gefällt werde, selbst wenn Bäume weit von Bebauung oder einer Straße entfernt stünden. Die Folgen seien gravierend für die Lebensqualität und die lokale Ökologie: „Die Bäume sind für uns Anwohner auch Lärmschutz und Hitzeschutz.“ Er beklagt auch den Verlust von Lebensraum für Tiere, die in den Bäumen lebten. Er beschuldigt die Stadt zudem, die Rodungen auch aus finanziellem Interesse voranzutreiben, da sich mit Holz dieser Tage viel Geld verdienen ließe.

Das sagt die Stadt Waiblingen zur Kritik an den Baumfällungen

Gabriele Simmendinger, die Sprecherin der Stadt Waiblingen, weist die Vorwürfe zurück. Zwar räumt sie ein, dass derzeit nicht nur Eschen gefällt werden. Dies sei aber ein normaler Vorgang: „Nach den Kriterien der nachhaltigen Waldbewirtschaftung werden, wie bei jedem privaten Waldbesitzer, auch gesunde hiebreife Bäume gefällt.“ Diese würden auch wirtschaftlich verwertet. Was die privaten Grundstücksbesitzer mit den gefällten Bäumen machten, sei diesen überlassen.

Davon zu unterscheiden seien Bäume, die zur Verkehrssicherung gefällt würden. Bei diesen, versichert sie, habe zuvor ein Sachverständiger festgestellt, dass sie „nicht mehr stand- oder bruchsicher sind“. Die Fällung solcher Bäume sei zur Gefahrenabwehr notwendig.

Die Stadt sei für ihre eigenen Grundstücke verkehrssicherungspflichtig – „nicht nur wenn eine Straße angrenzt, sondern auch gegenüber den Nachbargrundstücken“. Falls in einem Bestand von beispielsweise zehn Eschen acht vom Eschentriebsterben betroffen seien, würden auch die beiden übrigen Bäume mitgefällt. „Denn jedes Mal muss eine Straße oder ein Radweg aufwendig gesperrt werden, um die Gefahr zu beseitigen.“

In seiner Wut hat sich Eduard Firus nicht nur an die Stadt Waiblingen, sondern auch an höhere politische Instanzen gewandt. Er schrieb an die Umweltministerin Thekla Walker und den neuen Ministerpräsidenten Cem Özdemir. Die Antwort fiel aus seiner Sicht jedoch enttäuschend aus. Ein Referatsleiter Walkers verwies ihn lediglich an die „entsprechende Kommunalverwaltung“. Also an eben jene Stelle, die die Rodungen durchführen lässt. Der Waiblinger findet diese Reaktion „erbärmlich“ und erwägt jetzt rechtliche Schritte gegen die Abholzmaßnahmen.