Meldungen aus den USA über Todesfälle im Zusammenhang mit dem Konsum von E-Zigaretten sorgen immer wieder für Verunsicherung. Doch wie schädlich ist das Dampfen – und was gilt für Deutschland?
Heidelberg - E-Zigaretten werden in Deutschland immer beliebter. Nach Angaben des Branchenverbands Tabakfreier Genuss konsumieren hierzulande rund zwei Millionen Menschen den Zigarettenersatz. Der Umsatz der Branche stieg gegenüber 2018 um 25 Prozent auf etwa 500 Millionen Euro. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.
Wie gefährlich sind E-Zigaretten im Vergleich zu normalen Zigaretten?
„Eine E-Zigarette ist erheblich weniger schädlich als die herkömmliche Variante, wenn sie sachgemäß verwendet wird“, sagt Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Eine Tabakzigarette gibt etwa 5000 Substanzen ab, von denen ungefähr zehn Prozent als hochtoxisch und krebserregend identifiziert sind. Der Dampf einer E-Zigarette besteht nicht nur aus deutlich weniger Substanzen, die einzelnen Komponenten sind auch besser untersucht als der Zigarettenrauch. Aber auch die Inhaltsstoffe der E-Zigaretten sind nicht frei von Gesundheitsrisiken. Zudem können die Partikel des Aerosols tief in die Lunge vordringen, die Folgen dieser Belastung sind noch unbekannt.
Lebt ein Raucher gesünder, wenn er weniger Zigaretten raucht und dafür häufiger E-Zigarette?
Nein. E-Zigaretten haben weder einen Schutzeffekt, noch verringern sie die Gefahren des Tabakkonsums. Rauchen führt zu Erkrankungen der Lunge und des Herzkreislaufsystems. „Bei einem minimalen Konsum von zwei bis drei Zigaretten pro Tag wird nahezu schon das volle Risiko eines Standardkonsums von 20 Zigaretten erreicht“, erklärt der Berliner Lungenarzt Thomas Hering, Beauftragter für Tabakentwöhnung beim Bundesverband der Pneumologen. Das bedeutet: Die gesundheitlichen Folgen des Rauchens verringern sich nicht, nur weil ein Raucher weniger Zigaretten konsumiert. In Deutschland greifen mehr als zwei Drittel der Dampfer nach eigenen Angaben auch zur Zigarette.
Sind die sogenannten Tabakerhitzer vergleichbar mit E-Zigaretten?
Die beiden Produkte sind sehr unterschiedlich. Für die Tabakerhitzer wird echter Tabak verwendet, bei den Flüssigkeiten in den E-Zigaretten – den Liquids – nicht. Der Tabak für die Erhitzer wird speziell bearbeitet, damit er hocherhitzt werden kann, aber anders als bei der richtigen Zigarette nicht verbrennt. Diese Technologie besitzt deshalb vermutlich ähnlich hohe Gesundheitsrisiken wie das Rauchen. Weil die Erhitzer erst seit kurzer Zeit verkauft werden, fehlen aber noch Studien, die eine genauere Einschätzung erlauben.
Was weiß man über Langzeitfolgen?
Noch sehr wenig. Epidemiologen vergleichen dazu das Auftreten von Krankheiten mit dem Verhalten der Menschen. Doch viele Erkrankungen der Lunge und des Herzkreislaufsystems entwickeln sich erst nach jahrelangem Konsum. Für belastbare Ergebnisse werden E-Zigaretten noch nicht lange genug benutzt. Zudem fällt die Auswertung des Zahlenmaterials schwer. Die Schäden durch das Tabakrauchen überstrahlen nämlich die Folgen der E-Zigaretten. Wenn jemand gleichzeitig raucht und dampft, ist dies für die Gesundheitsforschung kaum brauchbar.
Warum starben in den USA 60 Menschen nach dem Konsum?
Die Opfer starben nicht durch die E-Zigarette, sondern durch die Zusammensetzung des Liquids. Die Verkäufer hatten den Wirkstoff Vitamin-E-acetat zugesetzt, der beispielsweise als Verdickungsmittel für cannabishaltige Liquids und für andere spezielle Aromen verwendet wird. Durch die illegale Mischung brach das Image der E-Zigarette in den USA stark ein. Bislang meldeten die Behörden über 2660 Krankheitsfälle.
Verleiten E-Zigaretten junge Menschen zum Rauchen?
Diese Vermutung stand lange im Raum, aber sie scheint sich nicht zu bestätigen. Studien aus den USA zeigen, dass dort E-Zigaretten in jüngeren Altersgruppen sehr populär sind, aber die Zahl der Raucher dennoch nicht steigt. In Deutschland bleibt der E-Zigaretten-Konsum unter Jugendlichen seit Jahren auf konstant niedrigem Niveau. Der regelmäßige Konsum über das Probieren hinaus ist selten. Jugendliche und junge Erwachsene greifen lieber zu Tabakzigaretten und Wasserpfeifen. Der Trend, dass in Deutschland weniger geraucht wird, sei auch durch die Einführung der E-Zigaretten nicht gebrochen worden, sagt Ute Mons. Trotzdem hält sie es für wichtig, dass die Nutzung von E-Zigaretten durch das Jugendschutzgesetz reglementiert wird.
Hilft Dampfen bei der Tabakentwöhnung?
Das Nikotin im Tabak macht süchtig. „Nur fünf Prozent der Raucher schaffen es aus eigener Kraft, ohne Hilfsmittel, für länger als ein Jahr mit dem Rauchen aufzuhören“, berichtet Daniel Kotz, Professor für Suchtforschung an der Uniklinik Düsseldorf. Der Wechsel zur E-Zigarette sei derzeit in Deutschland die am häufigsten genutzte Methode zur Rauchentwöhnung, sagt er – für Kotz ein möglicher Weg, weil der Raucher seinen Nikotinbedarf damit genau dosieren könne. Allerdings sei es wichtig, dass ein Raucher wirklich vollständig und dauerhaft mit dem Tabakrauchen aufhöre. Eine große britische Studie ergab, dass 20 Prozent der E-Zigaretten-Nutzer nach einem Jahr noch immer tabakfrei waren, während nur zehn Prozent der Nutzer von Nikotinpflastern und -kaugummis dieses Ziel erreichten.
Werden E-Zigaretten genug reglementiert?
Experten fordern generell mehr Beschränkungen für nikotinhaltige Produkte, die in anderen europäischen Ländern bereits üblich sind – etwa das Verbot eines öffentlich sichtbaren Angebots. Bisher fallen E-Zigaretten nicht unter das Nichtraucherschutzgesetz, weil beim Dampfen kein Tabakrauch entsteht. Eine Lücke, die man schließen müsste, sagt Epidemiologin Ute Mons.