8 Minuten und 46 Sekunden ist die Länge der Zeit, die ein weißer Polizist Ermittlern zufolge vergangene Woche in Minneapolis sein Knie auf den Hals des Afroamerikaners Floyd drückte. Foto: AFP/PHILIP PACHECO

8 Minuten und 46 Sekunden soll der Polizist C. sein Knie auf den Hals von George Floyd gedrückt haben, bevor dieser starb. Bei verschiedenen Aktionen verdeutlichen Demonstranten, wie lang sich diese Zeit anfühlt.

Minneapolis - Alle Proteste haben Slogans. Der Protest nach dem Tod von George Floyd aber hat eine Zahl: 8:46.

8 Minuten und 46 Sekunden ist die Länge der Zeit, die ein weißer Polizist Ermittlern zufolge vergangene Woche in Minneapolis sein Knie auf den Hals des Afroamerikaners Floyd drückte, bevor dieser starb. Seitdem haben wütende Protestierende, Mitfühlende und Unternehmen die Zahl immer wieder zitiert, um in einer Zeit zorniger und teils gewaltsamer Proteste auf stille Art Floyds zu gedenken.

Auch wenn die Ermittler wenig darüber bekannt gaben, wie sie auf diese exakte Zahl gekommen sind, wurde sie zu einem Symbol des Leidens von Floyd - und vielen anderen schwarzen Menschen - in den Händen der Polizei.

8 Minuten und 46 Sekunden

In Boston und in Tacoma im Staat Washington legten Demonstranten sich in dieser Woche für genau 8 Minuten und 46 Sekunden auf den Boden. „Die-In“ nannten sie die Aktionen, eine Abwandlung des bei Demonstrationen auch häufig genutzten Sit-Ins, bei dem Menschen auf dem Boden sitzend auf Missstände aufmerksam machen. „Die“ bedeutet „Sterben“ auf Englisch. In Houston erfuhren Kirchgänger mit Kerzen in der Hand und gesenkten Häuptern in Stille, wie lang sich diese Zeit anfühlt.

Die Mediengruppe ViacomCBS, zu der MTV und Nickelodeon gehören, hat ihr Programm in dieser Woche für ein stummes, bedrückendes Video zu Ehren Floyds für 8 Minuten und 46 Sekunden unterbrochen. Google bat seine Angestellten am Mittwoch um beinahe neun Minuten Stille, als „Erinnerung an die Ungerechtigkeit, die Floyd und so vielen anderen zugefügt wurde“, wie Google- und Alphabet-Chef Sundar Pichai an die Mitarbeiter schrieb. „Unsere schwarze Gemeinde hat Schmerzen und viele von uns suchen nach Wegen, für das aufzustehen, woran wir glauben, und den Leuten, die wir lieben, Solidarität zu zeigen.“

Minuten der Stille

Für 8 Minuten und 46 Sekunden inne zu halten, habe ihr geholfen, das Abstrakte in Realität zu verwandeln, sagt Monica Cannon-Grant, Gründerin von Violence in Boston Inc. („Gewalt in Boston“), die den Protest mit den Minuten der Stille am Dienstag mitorganisierte. „Du stellst fest, dass es eine extrem lange Zeit ist, um das Knie von jemandem an der Seite deines Halses zu haben“, sagt Cannon-Grant.

Sie habe in dem Moment über die Sicherheit ihrer Familie nachgedacht. „Jede Menge Dinge sind mir durch den Kopf gegangen“, sagte sie, „hauptsächlich, dass ich Mutter von vier schwarzen Söhnen und mit einem schwarzen Mann verheiratet bin.“

Während die Quelle der Zahl klar ist, ist es die Berechnung dahinter nicht ganz. Laut der Strafanzeige gegen den früheren Polizisten Derek C. wird davon ausgegangen, dass C. „sein Knie insgesamt für 8 Minuten und 46 Sekunden auf Floyds Hals hatte. 2 Minuten und 53 Sekunden davon war Floyd nicht ansprechbar.“

Staatsanwaltschaft äußerte sich zu Diskrepanz nicht

„Die Polizei ist darauf trainiert, dass diese Art von Fixierung eines Subjektes in Bauchlage grundsätzlich gefährlich ist“, so die Anzeige. Doch die Zeitangaben in der detaillierten Beschreibung des Vorfalls, der zum großen Teil auf Video aufgenommen wurde, legt eine andere Zahl nahe. Demnach hatte C. sein Knie für 7 Minuten und 46 Sekunden auf Floyds Hals, darunter eine Minute und 53 Sekunden nachdem Floyd augenscheinlich zu atmen aufgehört hatte.

Die Staatsanwaltschaft äußerte sich auf Anfragen zu der Diskrepanz zunächst nicht.

„Sieben Minuten ist in jedem Fall eine lange Zeit, um ein Knie auf dem Hals von jemandem zu haben“, sagt Jared Fishman, früherer Bundesstaatsanwalt. Jedoch sei es ein Detail, das Verteidiger vor Gericht hinterfragen würden. Für diejenigen, die die Zahl als Teil der friedlichen Aufrufe zu Veränderungen nutzen, ist die präzise Länge der Zeit nicht das Wesentliche: „Es hätte von vornerein niemals passieren sollen“, sagt Cannon-Grant.

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