Behörden aus Baden-Württemberg und Bayern gehen am Montag gemeinsam mit niederländischen Kollegen gegen eine Bande in den Provinzen Limburg und Utrecht vor. Die Organisation soll 2021 mehrere Automatensprengungen durchgeführt haben.
In den niederländischen Provinzen Limburg und Utrecht klicken am Montagmorgen die Handschellen. Wie das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg, das LKA Bayern in München und die Staatsanwaltschaft Bamberg in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Montagmittag schreiben, gehen die niederländischen Behörden aus Polizei und Justiz gegen eine kriminelle Bande vor, die im Jahr 2021 wiederholt in Baden-Württemberg und Bayern Geldautomaten in die Luft gesprengt und dabei hohe Geldbeträge erbeutet haben soll.
Auch im Kreis Böblingen könnten die Kriminellen zugeschlagen haben. Im März 2021 explodierte ein Geldautomat in Gärtringen, im November 2021 in Rutesheim. Der spektakulärste Fall geschah jedoch am 29. Oktober desselben Jahres. Damals drangen vier Maskierte um 3.20 Uhr in das Einkaufszentrum Breuningerland in Sindelfingen ein und sprengten dort zwei Bankautomaten. Dabei richteten sie eine Schneise der Verwüstung an. Die Täter konnten mit einer Beute von 300 000 Euro in ihrem hoch motorisierten Fahrzeug über die nahe gelegene Autobahn 81 flüchten. Da sie auch während ihrer Fluchtfahrten maskiert sind und gestohlene Kennzeichen verwenden, konnten die Täter nicht identifiziert werden. Und das, obwohl sie auf der Autobahn in einen Blitzer fuhren.
Aktenzeichen-XY-Sendung könnte neue Hinweise geliefert haben
Seit 15 Monaten nun ermittelt die Kriminalpolizei Böblingen gegen das Täterquartett und seine Hintermänner, die im Raum Utrecht in den Niederlanden vermutet werden. Um bei den Ermittlungen neue Impulse zu setzen, bat die Kripo im Januar 2023 in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ um Hinweise aus der Bevölkerung. In der Sendung gab die zuständige Kriminalhauptkommissarin bekannt, dass eine kriminelle Organisation aus den Niederlanden im Verdacht steht, für den Raubüberfall auf das Breuningerland verantwortlich zu sein. Ermittlungen in ähnlich gelagerten Fällen haben gezeigt, dass die Täter oft aus den Niederlanden nach Deutschland fahren, um hier Bankautomaten zu sprengen und so Geld zu erbeuten. Grund dafür sei, dass in deutschen Automaten auch Geldsummen jenseits der 100 000 Euro abzuheben und weniger Sicherheitsvorkehrungen vorzufinden seien.
Kurz nach Ausstrahlung der Aktenzeichen-xy-Sendung habe es nach Angaben des Polizeipräsidiums in Ludwigsburg, das auch für den Kreis Böblingen zuständig ist, 60 Hinweise per Telefon und Email gegeben. Ob die Fernsehsendung den entscheidenden Hinweis gegeben hat, dazu konnte das LKA Bayern am Montagnachmittag unserer Zeitung nichts Genaueres sagen. Weitere Einzelheiten zu den Festnahmen und dem Ermittlungsverfahren werden am Donnerstag, 2. Februar, in einer Pressekonferenz des LKA Bayern in München bekannt gegeben.