Auswertungen dieser Zeitung zeigen, dass auf der A81 zwischen den beiden Anschlussstellen immer wieder schwere Unfälle passieren. Polizei und ADAC relativieren jedoch die Unfallgefahr.
Ein schwerer Verkehrsunfall nahe der Anschlussstelle Pleidelsheim hat vergangene Woche für eine Vollsperrung der A81 gesorgt. Zwei Menschen wurden dabei schwer verletzt, zwei weitere erlitten leichte Verletzungen. Eine Ausnahme? Mitnichten. Eine Auswertung dieser Zeitung zeigt: Gerade auf dem Abschnitt zwischen den Autobahnausfahrten Mundelsheim und Pleidelsheim kommt es immer wieder zu schweren oder sogar tödlichen Unfällen.
Zwischen 2016 und 2024 ereigneten sich auf diesem Streckenabschnitt insgesamt vier tödliche Unfälle, 43 Unfälle mit Schwerverletzten sowie 235 mit Leichtverletzten. Zwei der vier tödlichen Unfälle passierten bei Dämmerung oder Dunkelheit. Bei den Unfällen mit Schwerverletzten war dies in 14 von 43 Fällen der Fall. Liegt das an der fehlenden Geschwindigkeitsbegrenzung?
Laut Polizei ist die Strecke nicht besonders auffällig
Insbesondere Auffahrunfälle wie der eingangs Beschriebene häufen sich auf dem insgesamt recht hügeligen Streckenabschnitt. Dazu kommen Fälle, in denen Fahrzeuge von der Fahrspur abkommen – wie an einem Abend Anfang Dezember, als ein Jaguar-Fahrer auf die linke Fahrspur wechselte und dabei einen VW Passat übersah. Dieser versuchte auszuweichen und krachte dabei in die Mittelleitplanke.
Im laufenden Jahr hat das Polizeipräsidium Ludwigsburg bis Mitte Dezember 57 Unfälle auf diesem Abschnitt registriert, zwei davon mit Schwerverletzten. „Bei einem durchschnittlichen täglichen Verkehrsaufkommen von über 100.000 Fahrzeugen relativiert sich die Zahl der registrierten Unfälle allerdings erheblich, sodass der Streckenabschnitt aus polizeilicher Sicht nicht besonders auffällig ist“, erklärt Polizeisprecher Steffen Grabenstein.
Andere Stellen noch stärker von Unfällen betroffen
Auch der ADAC Württemberg stuft den Abschnitt zwischen Mundelsheim und Pleidelsheim als „nicht besonders unfallträchtig“ ein. In der Region seien statistisch gesehen der Engelbergtunnel mit dem Kreuz Leonberg, die A81 bei Sindelfingen sowie die A6 im Raum Heilbronn häufiger von Unfällen betroffen.
Warum es dennoch immer wieder zu Unfällen kommt? „Die Verkehrslast auf der A81 zwischen Heilbronn und Stuttgart und auch in diesem Abschnitt ist generell hoch. Durch die große Zahl an Fahrzeugen sowie durch Baustellen steigt die Wahrscheinlichkeit für Unfälle“, erklärt Holger Bach, Abteilungsleiter Verkehr und Umwelt. Zudem werde die Geschwindigkeit auf dem Streckenabschnitt dynamisch geregelt, tagsüber sei sie bereits häufig auf 120 Kilometer pro Stunde begrenzt.
ACE für 130 km/h
Offiziell ist der Abschnitt zwischen Mundelsheim und Pleidelsheim in Fahrtrichtung Würzburg als „Unfallhäufungsstelle“ ausgewiesen. Auch die Autobahn GmbH erklärt auf Nachfrage, dass dies nicht zwingend an einer fehlenden Geschwindigkeitsbegrenzung liege, sondern am „hohen Verkehrsaufkommen in Verbindung mit individuellem Fehlverhalten“.
Obwohl die Autobahn GmbH in ihrer Stellungnahme selbst darauf hinweist, dass dieses Fehlverhalten auch zu hohe Geschwindigkeiten einschließt, scheint eine zusätzliche Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen Mundelsheim und Pleidelsheim derzeit kein Thema zu sein. Auf dem Abschnitt komme eine sogenannte Streckenbeeinflussungsanlage zum Einsatz, so die Pressestelle der Autobahn GmbH. Je nach Verkehrslage, Tageszeit und Witterung würden dort variable Geschwindigkeitsbeschränkungen sowie Gefahrenhinweise angezeigt.
Am Ende findet sich dennoch ein Verkehrsexperte, der sich klar für ein Tempolimit ausspricht. Elias Schempf, Regionalbeauftragter des Auto Club Europa (ACE), führt die Unfallhäufigkeit ebenfalls auf das hohe Verkehrsaufkommen sowie auf Ein- und Ausfädelvorgänge zurück.
„Unabhängig von einzelnen Streckenabschnitten spricht sich der ACE auf Grundlage eines Beschlusses seiner Hauptversammlung für ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen aus“, so Schempf. „Da dies aus unserer Sicht einen Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit leisten kann.“