Im Zuge der Ermittlungen kam es zu Durchsuchungen bei der Staatsanwaltschaft in Stuttgart. (Archivfoto) Foto: Jason Tschepljakow/dpa

Die Polizei hat einen Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Stuttgart verhaftet und ermittelt gegen weitere Bedienstete. Wie sind diese in den Konflikt zweier Sicherheitsfirmen verwickelt?

Die baden-württembergische Justiz wird von einem handfesten Korruptionsskandal erschüttert. Es wird gegen sieben Bedienstete der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt, die unter anderem unbefugt Daten weitergegeben haben sollen. Gegen einen Mitarbeiter – nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ein Wachtmeister – sowie zwei mutmaßliche Auftraggeber wurden Haftbefehle erlassen, sie sitzen in Untersuchungshaft.

 

Die Heilbronner Staatsanwaltschaft hat die Korruptions-Ermittlungen in Stuttgart übernommen. Ihr zufolge wurden Büros und andere Arbeitsplätze sowie private Adressen der Verdächtigen durchsucht. Ihnen wird vorgeworfen, bestechlich gewesen zu sein und Dienstgeheimnisse verletzt zu haben.

Bekannt ist bislang, dass die Verdächtigen in einem sogenannten „Unterstützungsbereich“ der Staatsanwaltschaft Stuttgart angestellt sind, es sind also keine Staatsanwälte. Welchen Tätigkeiten die Verdächtigen bei der Stuttgarter Behörde genau nachgegangen sind, dazu schweigen die Ermittler.

Security-Bereich steht im Zentrum

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein Anschlag auf einen Security-Mitarbeiter in Tamm am 12. Mai 2025. Ein damals 23 Jahre alter Mann war durch Schüsse verletzt worden und verlor daraufhin ein Bein – fünf Monate später wurden zwei Männer aus den Niederlanden verhaftet. Gegen sie wird wegen versuchten Mordes ermittelt.

In der Silcherstraße in Tamm war am 12. Mai 2025 auf einen 23-Jährigen geschossen worden. Dieser verlor daraufhin ein Bein. Foto: Andreas Essig (Archiv)

Die Schüsse von Tamm gehörten nach Recherchen dieser Zeitung zu einer ganzen Reihe von Taten. Denn die Sonderkommission „Frost“ versucht nicht nur bei dem Anschlag Licht ins Dunkel zu bringen, sie ermittelt auch noch nach einem Autobrand in Bietigheim-Bissingen am 4. Mai und Schüssen in der Ludwigsburger Oststadt auf 39 und 40 Jahre alte Männer eine Woche zuvor, bei denen jedoch niemand verletzt worden war.

Bei einer Razzia vor etwas mehr als einer Woche waren mehrere junge Männer aus den Kreisen Esslingen und Ludwigsburg festgenommen worden, die mit der Tat in der Ludwigsburger Oststadt in Verbindung stehen könnten. Zudem haben die Ermittler am selben Tag zwei weitere Männer ausfindig gemacht, die das Auto in Bietigheim angezündet haben sollen.

Konflikt zweier Security-Unternehmen

Mitte Mai ergaben Recherchen unserer Zeitung, dass hinter den Schüssen in Ludwigsburg und Tamm sowie dem Autobrand eine Fehde zweier konkurrierender Sicherheitsdienste steckt. Zwei unabhängige Quellen bestätigen dies. Die Ermittler machen dazu jedoch keine Angaben.

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft, bei dem ein großer Teil des deutschen Wachpersonals organisiert ist, kann sich einen so scharfen Konkurrenzkampf kaum erklären. „Die Auftragslage ist alles andere als knapp“, sagte Verbandssprecherin Silke Zöller. „Der Branche geht es angesichts der steigenden Bedürfnisse an Aufträgen gut.“