Am ersten Urlaubstag in Abu Dhabi war noch nichts zu spüren vom nahenden Krieg. Foto: Bilegi

Francesco und Jessica Bilegi sitzen in Abu Dhabi fest. Raketenbeschuss – das ist momentan ihr Alltag. Von offizieller Seite fühlen sie sich im Stich gelassen.

Es hätte eigentlich ein entspannter Urlaub mit Freunden werden sollen. Francesco Bilegi und seine Ehefrau Jessica kommen aus Böblingen und sitzen derzeit in Abu Dhabi fest. Statt die Sonne zu genießen, müssen sie regelmäßig vor Raketenangriffen Schutz suchen. Hilfe haben sie von der deutschen Regierung bis jetzt keine bekommen.

 

„Das kann man sich kaum vorstellen, wenn man das noch nie erlebt hat.“

Francesco Bilegi, der Böblinger sitzt mit seiner Frau in Abu Dhabi fest.

Vor rund einer Woche ist das Ehepaar gemeinsam mit Freunden in den Emiraten angekommen. Zuerst ein paar Tage in Abu Dhabi, dann hätte es nach Dubai weitergehen sollen. Doch die Urlaubsidylle hielt nur kurz an. Bereits am Samstagnachmittag wurde ihnen klar, dass hier etwas gewaltig nicht stimmt: Um 00.30 Uhr dann wird das Paar aus dem Schlaf gerissen – Raketenbeschuss. „Es gab keine Evakuierung“, erzählt der 28-Jährige während eines Anrufs über WhatsApp; der Dienst funktioniert zumindest zu diesem Zeitpunkt problemlos. Zunächst versuchen sie, in der Lobby ihres Hotels Schutz zu suchen, doch das – stellt sich heraus – ist keine gute Idee: „Die Lobby hatte eine riesige Glasfront“, erzählt Bilegi. In einem Einkaufszentrum unter dem Hotel schließlich bleiben sie. Bis fünf Uhr morgens harren sie dort aus.

Die Explosionen sind ohrenbetäubend

Laut Medienberichten hat der Iran seit vergangenem Samstag auf die Vereinigten Arabischen Emirate 174 ballistische Raketen, sechs Marschflugkörper und 689 Drohnen gefeuert. Zwar wird der Großteil der Raketen abgefangen, doch manche treffen und die Explosionen sind ohrenbetäubend, erzählt Bilegi. Die ständigen Alarme, die lauten Knallgeräusche, Rauchschwaden, die in der Ferne aufsteigen – so langsam, erzählt Bilegi, gehe es ihnen an die Substanz. Auch wenn nur eine Tür in ihrer Nähe mit Schwung zuknallt, schrecken sie zusammen. „Das kann man sich kaum vorstellen, wenn man das noch nie erlebt hat“, sagt er.

Den Tag über verharren sie im Hotel

Sie verharren im Hotel, ihre Tage verbringen sie damit, gemeinsam Spiele zu spielen oder Sport zu machen – sich beschäftigen und ablenken. Die Panik sitzt tief. „Wir sind einfach super angespannt“, erzählt Bilegi. Mittlerweile haben sie einen Notfallrucksack gepackt, geschlafen wird nur in voller Montur. „Damit wir gleich loskönnen, falls was passiert“, sagt der 28-Jährige.

Von ihrer Airline und von der Botschaft hat das Ehepaar bis jetzt keine Hilfe bekommen. Ein Mitarbeiter ihrer Fluggesellschaft fragte sie laut dem 28-Jährigen nur, wieso sie überhaupt in so ein Land gereist seien. Während eines anderen Anrufs wurde einfach aufgelegt, erzählt Bilegi. Auch die deutsche Botschaft hat sie bis jetzt nicht mit hilfreichen Informationen versorgt. Um ihre Rückreise müssten sie sich selbst kümmern, hieß es da. Für nächsten Montag hat das Ehepaar nun einen Flug von Dubai aus nach Deutschland ergattert, doch ob dieser tatsächlich stattfindet, ist noch nicht klar. Es hagelt nur so Annullierungen. Eine Route über den Oman wollen sie aus Sicherheitsgründen nicht einschlagen, denn auch von deutschen Behörden heißt es: Nur auf eigene Verantwortung. Darüber, dass sie so wenig Unterstützung bekommen, ist er enttäuscht. „Wir wollen hier einfach nur raus“, sagt der 28-Jährige.

Für die Vereinigten Arabischen Emirate und weitere Staaten der Region gibt es seit Kurzem eine Reisewarnung. „Die Lufträume mehrerer Staaten wurden gesperrt. Auch weitere Luftraumsperrungen sind möglich. Zahlreiche Fluggesellschaften haben den Flugbetrieb in die Region eingestellt“, steht auf der Webseite des Auswärtigen Amtes. Eine formelle Reisewarnung für die Golfstaaten gibt es erst seit 28. Februar, also dem Tag, an dem der Iran die ersten Raketen in die Region abschoss. Davor gab es laut dem ZDF den allgemeinen Hinweis, dass die Sicherheitslage „äußerst volatil“ sei. Das Ehepaar Bilegi hatte sich vor seiner Reise nach Abu Dhabi extra informiert: „Wir haben überall geschaut und recherchiert, weil wir auf Nummer sichergehen wollten“, sagt Bilegi. Die Warnung kam für sie einfach zu spät.

Zuletzt verkündete Außenminister Johann Wadephul (CDU), dass Planungen zu Evakuierungsflügen laufen. Zunächst sollen allerdings vulnerable Menschen aus den Krisenregionen nach Hause gebracht werden. Informationen zu Evakuierungsflügen haben das Ehepaar Bilegi jedenfalls noch nicht erreicht.