Corona-PCR-Test: bis das Ergebnis feststeht, kann es dauern. Foto: picture alliance//Margais

Teilweise gehen Infektionen nicht in die aktuelle Statistik ein – weil Labore und Gesundheitsämter die Masse an Fällen kaum mehr bewältigen. Nun liegen erstmals Zahlen vor.

Stuttgart - Vom positiven Corona-Schnelltest bis zur Bestätigung per PCR-Test vergehen in Baden-Württemberg aktuell im Schnitt knapp zwei Tage. Das geht aus Daten des Landesgesundheitsamts hervor, die unsere Zeitung auf Anfrage erhalten hat. In etwas mehr als der Hälfte der aufgeführten Fälle liegt das Ergebnis spätestens einen Tag nach dem Schnelltest vor. Bei jedem Zehnten dauert es dagegen sechs Tage oder länger.

 

Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn der Schnelltest positiv war, der PCR-Test die Infektion aber nicht bestätigt. Nach einem positiven Schnelltest muss man sofort in Quarantäne, das gilt auch für Geimpfte und Genesene. Die teils lange Wartezeit hat mit der Arbeitsweise der Labore zu tun. Für sie habe die Abklärung positiver Schnelltests derzeit keine Priorität – anders als PCR-Tests von Menschen mit coronatypischen Symptomen oder von besonders gefährdeten Personengruppen, heißt es aus dem Landesgesundheitsamt. Das war offenbar schon im Sommer so. Jedenfalls hat sich die Wartezeit für Menschen, die einen positiven Schnelltest abklären lassen, seit August kaum verändert, wie aus den LGA-Daten hervorgeht.

7-Tage-Inzidenz zu niedrig ausgewiesen

Werden die Ergebnisse zu spät gemeldet, tauchen sie nicht in der tagesaktuell berichteten 7-Tage-Inzidenz auf. Gravierender als bei den nur rund 3500 abzuklärenden Schnelltests im Monat ist dabei die Masse an bestätigten Infektionsfällen insgesamt, allein am Donnerstag wurden mehr als 11 000 gemeldet.

Labore und Gesundheitsämter sind von der schieren Menge überlastet. Es gibt keine regelmäßig erstellten Statistiken darüber, wie lange ein Labor braucht, um eine Probe auszuwerten und das Ergebnis ans Gesundheitsamt zu melden. Aus Sachsen werden Wartezeiten von mehreren Tagen gemeldet, in Berlin dauert es in der Regel 48 Stunden. Auch in Baden-Württemberg gibt es Verzögerungen. Tausende Infektionen werden in der Folge zu spät ans Landesgesundheitsamt übermittelt und die Inzidenz wird zu niedrig ausgewiesen – Mitte November etwa um 25 Infektionen je 100 000 Einwohner, wie eine Recherche unserer Zeitung ergab. „Der Meldeverzug kommt aufgrund der hohen Infektionszahlen immer mehr zum Tragen und beschränkt die Aussagekraft der 7-Tage-Inzidenz“, sagt Christiane Wagner-Wiening vom Landesgesundheitsamt.

Frust bei Betroffenen

Die lange Wartezeit auf ein Testergebnis führt oftmals zu Frust bei den Betroffenen. Aktuell ist es vielfach schwierig, überhaupt einen Termin für einen PCR-Test bekommen. Hinzu kommt die Quarantäne, bis man das Ergebnis erfährt. Dabei arbeiten die Labore auf Hochtouren. Bundesweit seien 86 Prozent der Testkapazität ausgeschöpft, hieß es vom Laborverband ALM – nach 75 Prozent in der Vorwoche. Man bearbeite die Proben „so schnell wie möglich“, wurde der ALM-Sprecher Evangelos Kotsopoulos in einer Pressemeldung zitiert. Vor allem in Regionen mit sehr hohen Infektionszahlen steigt wegen überlasteter Labore und Behörden die Dunkelziffer.

Nun werden die Labore in Baden-Württemberg entlastet. Sie führen keine sogenannten Target-Tests mehr durch. Diese wurden im Frühjahr eingeführt, um das Aufkommen der damals sich ausbreitenden Alpha- und später der Deltavariante zu überwachen. Mittlerweile sind fast alle Infektionen auf die Deltavariante zurückzuführen. Zudem sollen neue Kapazitäten für PCR-Tests geschaffen werden, etwa an den Uniklinika oder in anderen Institutionen. In der ersten Infektionswelle half beispielsweise das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt mit.