Nach Angaben von Seismologen hatte das Erdbeben eine Stärke von 6,4. Foto: dpa/--

Schon am Montag hatte ein Beben in der Gegend Schäden angerichtet. Doch dies war offenbar nur ein Vorspiel.

Zagreb - Bei einem erneuten Erdbeben in Kroatien sind am Dienstag mindestens sechs Menschen getötet worden. Außerdem meldeten die Behörden 20 Verletzte. Die Erdstöße hätten eine Stärke von 6,3 erreicht, das Epizentrum habe 46 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Zagreb gelegen, teilte das seismologische Zentrum für das europäische Mittelmeer am Dienstag mit. Das Beben richtete große Schäden an. Hausdächer, Fassaden und ganze Gebäude seien eingestürzt, berichteten örtliche Medien. Unter den Trümmern wurde nach Überlebenden und weiteren Opfern gesucht.

In der Gegend südöstlich von Zagreb hatte bereits am Montag die Erde gebebt, da mit der Stärke 5,2. Behörden in der schon am Montag betroffenen Stadt Petrinja teilten mit, am Dienstag sei eine Zwölfjährige ums Leben gekommen. Auch habe es zwei Schwerverletzte gegeben. In umliegenden Dörfern seien fünf weitere Menschen ums Leben gekommen, berichtete der Fernsehsender HRT. Viele Menschen würden noch vermisst.

Notunterkünfte eingerichtet

Petrinjas Bürgermeister Darinko Dumbovic sagte dem Sender, seine 25 000-Einwohner-Stadt sei schwer zerstört und unbewohnbar. Es gebe Verletzte. Menschen seien in eingestürzten Gebäuden eingeschlossen. „Das ist wie Hiroshima, die halbe Stadt existiert nicht mehr“, sagte er. „Wir brauchen Hilfe.“

In der Stadt waren die Schreie von Menschen zu hören, die unter Trümmern eingeschlossen waren. Suchtrupps setzten Rettungshunde ein. Eine Frau wurde etwa vier Stunden nach den Erdstößen lebend aus dem Schutt geholt. Die Einwohnerin Marica Pavlovic sagte, das Beben habe sich schlimmer angefühlt als Krieg. „Sie wissen nicht, was sie tun sollen - wegrennen oder sich irgendwo verstecken“, sagte sie der Nachrichtenagentur AP.

Ministerpräsident Andrej Plenkovic und mehrere Minister machten sich vor Ort ein Bild von der Lage. Das Militär schickte Soldaten. Auf den Straßen lagen Staub und heruntergestürzte Ziegelsteine. Auch Plenkovic sagte, der größte Teil des Zentrums von Petrinja sei unbewohnbar. Es werde überprüft, ob noch Menschen in den Trümmern sind. Die Armee habe in Kasernen 500 Notunterkünfte eingerichtet. Andere könnten in Hotels untergebracht werden. „Niemand muss in der Kälte der Nacht draußen bleiben“, versicherte der Regierungschef.

In Zagreb rannten Menschen in Panik auf Straßen und in Parks. Viele verließen die Hauptstadt trotz der wegen der Coronavirus-Pandemie verhängten Reiseverbote. Die Erschütterungen waren auch in Serbien, Bosnien, Slowenien und sogar im österreichischen Graz zu spüren. In Slowenien wurde das Kernkraftwerk Krsko vorübergehend abgeschaltet.

Der Seismologe Kresimir Kuk sprach von einem äußerst starken Erdbeben, das weit heftiger gewesen sei als das vom Frühjahr in Zagreb und Umgebung. Wegen möglicher Nachbeben sollten die Menschen nicht in alte oder beschädigte Gebäude gehen, sagte Kuk.

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