Eintracht auf Streife – wie hier in der Innenstadt – und Zwietracht intern, so präsentieren sich zurzeit die Stuttgarter Polizeireiter. Foto: StN

Der Streit um Shetlandpony Minis Tod offenbart tiefe Zerwürfnisse – Ermittlungen gegen Polizeireiter-Chef.

Stuttgart - Sie sind wahre Rossnaturen – sie fürchten weder Krawallmacher noch Jubelkorsos. Aber mit ihren Reitern haben die Stuttgarter Polizeipferde derzeit eine schwere Last zu tragen. Innerhalb der Dienstgebäude bei Ostfildern-Kemnat rumort es gewaltig, und das offenbar schon länger.

Der Tod des Reiterstaffelmaskottchens Mini, ein Shetlandpony im Rentenalter, hat nur zu Tage gefördert, dass sich ein Teil der Beamten dort offenbar mit erheblichen Misstrauen begegnen. Einige, die ihre Namen aus Furcht vor Repressalien nicht in der Zeitung lesen wollen, berichten von massivem Mobbing.

Auslöser der inzwischen öffentlich und mit schweren Anschuldigungen geführten Debatte war ein Vorfall am vergangenen Freitag: Das Shetlandpony Mini wurde nach langer Erkrankung mit schlimmen Schmerzen vom Tierarzt eingeschläfert.

Ermittlung wegen Vorteilsannahme

Tierarzt und die kommissarische Dienststellenleiterin hätten nach reiflicher Abwägung entschieden, das Tier von seinen Leiden zu erlösen, so die offizielle Lesart bei der Stuttgarter Polizei. Die junge Interimschefin habe „herzlos“ und „im Alleingang“ entschieden, verlautet aus der Reiterstaffel. Der eigentliche Leiter der Reiterstaffel hätte solches nie zugelassen.

Hätte. Allerdings ist der 52-jährige Chef von seinen Aufgaben als leitender Beamter entbunden worden. Gegen ihn wird zurzeit wegen Vorteilsannahme ermittelt. „Das Verfahren läuft im Moment noch“, bestätigt Claudia Krauth, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Ermittelt werde in dem Zusammenhang auch gegen ein Unternehmen wegen Vorteilsgewährung. Der Chef der Reiterstaffel soll sich unter anderem beim Kauf von Reiterutensilien bereichert haben. Er war erst seit Januar 2010 im Amt.

„Irgendjemand will Reiterstaffel in Misskredit bringen“

Einige Beamtenkollegen sehen Intriganten am Werk, denn auch hier, so melden sich welche zu Wort, sei die damals noch einfache Polizeireiterin die treibende Kraft gewesen. Sie habe ihren Chef schlicht denunziert. Längst sei die Reiterstaffel in zwei Lager gespalten.

Dass die Vorgänge innerhalb der Reiterstaffel nun öffentlich geworden sind, hat laut Polizeisprecher Olef Petersen innerhalb der Einheit „Entsetzen ausgelöst“ – und offenbar auch an höhere Stelle bei der Stuttgarter Polizei für erheblich Unruhe gesorgt.

„Wegen des Verfahrens kann der Kollege keine leitende Funktion mehr bekleiden“, sagt Petersen. Von einer Spaltung der Einheit könne keine Rede sein, das habe eine Befragung von Kollegen der Reiterstaffel ergeben. „Irgend jemand will, warum auch immer, die Reiterstaffel in Misskredit bringen“, so Petersen. Gleichwohl werde man sich in der Angelegenheit um Aufklärung bemühen.

Aushängeschild und Sympathieträger der Stuttgarter Ordnungshüter.

Die Beamtin wurde am Montag von einem ihrer Kollegen als Interimschef abgelöst – laut Polizeipressestelle ein normaler Vorgang – und war auch am Mittwoch nicht im Dienst. Der bisherige Leiter der Reiterstaffel ist krankgeschrieben. Beide standen für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Die Reiterstaffel als eine von zwei berittenen Polizeieinheiten in Baden-Württemberg galt bisher als Aushängeschild und Sympathieträger der Stuttgarter Ordnungshüter. Beliebt ist der Dienst zu Pferd zunehmend bei weiblichen Polizeibeamten. Zeitweise wollten in der Vergangenheit überwiegend Bewerberinnen Polizeireiter werden.

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