Kurz vor 10 Uhr am Freitagmorgen vor dem Mediamarkt in der Blaubeurer Straße: Noch warten wenige Menschen darauf, dass sich die Tür öffnet. Wenig später sind es rund 50 Kunden und Kundinnen. Foto: Ulrike Schleicher

Nach dem Messerangriff hat der Elektrofachhandel seinen Verkauf in Ulm am Freitag wie angekündigt wieder aufgenommen. Aber von Normalität scheint die Situation weit entfernt.

Vielleicht wäre es am besten, wenn man einfach so weitermacht. Sich die Normalität im Alltag zurückholt. Das meint ein Mann zu einem älteren Ehepaar, das zusammen mit rund 50 anderen vor der großen Glastür des Mediamarkts in der Blaubeurer Straße am Freitagmorgen wartet. Kurz haben sie sich über die schreckliche Tat am Mittwoch unterhalten: Ein 29-jähriger Eritreer hat eine Frau und zwei Männer, alle drei Mitarbeiter des Fachmarktes, mit einem Messer verletzt.

 

Die Frau und ein 22-Jähriger kamen mit leichten Verletzungen davon, aber ein 25-Jähriger muss nach wie vor um sein Leben kämpfen. Der Verdächtige selbst wurde auf seiner Flucht von Polizeikugeln getroffen und liegt auf der Intensivstation. Inzwischen hat das Ministerium für Justiz und Migration im Land Informationen über den Verdächtigen bekannt gegeben.

Die Spurensicherung war vor Ort. Foto: Jason Tschepljakow/dpa

Security steht im Foyer

Am Mittwoch und Donnerstag blieb der Elektrofachhandel geschlossen. Am Freitag sollte die Tür des Mediamarktes eigentlich um 10 Uhr aufgehen. Die Südwest Presse ist vor Ort. Aber zunächst tut sich nichts. Manche der Wartenden werden ungeduldig und drücken ihre Nasen an die Fensterscheiben, um einen Blick nach drinnen zu erhaschen. Andere schauen immer wieder nach der Uhrzeit.

Zweifel daran, dass die Niederlassung heute öffnet, werden immer größer. „Wenn nach so einem Vorfall noch geschlossen ist, kann man das ja verstehen“, meint eine Frau. Ein Mann sagt: „Es muss weitergehen, da kann man nichts machen.“ Und ein Dritter, der sich auf einen Pfosten gesetzt hat und die Wintersonne genießt, sagt verständnisvoll: „Das bedeutet sicher viel Stress für die Leute da drinnen.“

 

Die meisten der Wartenden gehen, als ein junger Kunde plötzlich in die Menge ruft: „Der Markt bleibt vorübergehend geschlossen!“ Er habe gerade angerufen. Doch das stimmt nicht, wie sich nur wenige Augenblicke später zeigt. Die Tür geht auf. Mit ernstem Blick begrüßen zwei Angestellte die ersten Kunden, stellen die Aktionsschilder nach draußen. Ein Mann mit der Aufschrift Security auf der Brust stellt sich breit in das Foyer zwischen Eingang und Ladenraum: „Wir sind jetzt einen Monat hier“, sagt er und verweist auf einen zweiten Kollegen, der gerade kommt.

Drinnen ist es still. Den Mitarbeitenden ist der Schrecken der vergangenen Tage ins Gesicht geschrieben. Einige stehen in den Gängen zwischen Fernsehern und Waschmaschinen. Manche tauschen sich im gedämpften Ton über den Zustand ihrer Kollegen aus. Immer wieder umarmen sie sich. Manche weinen.