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Der Apothekenleiter Hennig geht bei den Infusionssubstanzen auf Nummer sicher.

Stuttgart - Nach dem Tod zweier Säuglinge im Mainzer Universitätsklinikum am Samstag, ausgelöst durch mit Darmbakterien verseuchte Infusionen, reagiert nun die Apotheke des Klinikums Stuttgart. Apothekenleiter Holger Hennig hat die Substanzen, die auch das Mainzer Neugeborenen-Nährmittel enthalten hatte, zum Teil zurückgezogen und ersetzt,. "Das ist eine reine Sicherheitsmaßnahme," betont Hennig. "Es ist nicht davon auszugehen, dass die Stoffe verantwortlich sind für die Bakterien."

6000 Beutel mit Ernährungsinfusionen für kranke Neugeborene mischen Hennig und seine Kollegen im Jahr. Ein externes Institut überprüft eine Probe täglich. Zu beunruhigenden Ergebnissen ist es noch nie gekommen. "Wir kaufen die Wirkstoffe von Firmen, die den deutschen Markt beliefern." Auch die Mainzer kaufen hier ein. Dass die Bakterien beim Hersteller bereits aufgetreten sind, glaubt Hennig nicht: "Die Wirkstoffe werden grundsätzlich unter hohen Sicherheitsvorkehrungen geprüft."

Das Mischen der Substanzen zur Nährlösung unterliegt ebenfalls strengen Regeln. Von Kopf bis Fuß im Schutzanzug, mit Mundschutz und zwei Paar Handschuhen - nur so dürfen die pharmazeutisch-technischen Assistenten das Mittel herstellen. Außerdem darf ein Leerbeutel, in den die fertige Lösung gefüllt wird, nur einmal benutzt werden. Auch die Infusionsflasche muss nach der Entleerung entsorgt werden. Die Schläuche der Pumpe, die die Stoffe zum Mischen in den vorgeschriebenen Mengen abfüllt, werden täglich gewechselt. "Dennoch könnten die Bakterien durch diese Einmalartikel in die Infusionen gelangt sein", mutmaßt Hennig.

Die Gerichtsmedizin in Frankfurt sucht derzeit nach der Quelle für die Bakterien in den Mainzer Lösungen. Die Staatsanwaltschaft wurde informiert. Die verdächtigen Lösungen würden nicht mehr genutzt, so das Mainzer Klinikum.

Die sogenannten Enterobacter-Bakterien tauchen gewöhnlich in der menschlichen Darmflora auf. "Bei Menschen mit gesundem Immunsystem hätten die Bakterien nur Fieber oder Schüttelfrost ausgelöst," so Hennig. Elf Kindern wurde die vergiftete Infusion ins Blut gespritzt - mit tödlichen Folgen für zwei Säuglinge. Ein weiteres Baby befindet sich in Lebensgefahr. "Das Immunsystem der kranken Neugeborenen ist nicht voll entwickelt. Es kann sich nicht wehren."

Dass so etwas auch in Stuttgart passiert, will Hennig mit aller Kraft verhindern. Aber der Leiter der Klinikumsapotheke weiß: "Auch wenn unsere Sicherheitsvorkehrungen sehr hoch sind: Ein Fehler kann nie hundertprozentig ausgeschlossen werden." Das Ereignis rüttele wach. Es mache noch aufmerksamer. "Einen Anlass in Panik zu verfallen haben wir trotzdem nicht."

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