Viel Action gibt es stets beim Sonntagsverkauf in Sindelfingen. Foto: factum/Archiv

Wegen entsprechender Gerichtsurteile gibt es weniger verkaufsoffene Sonntage im Kreis Böblingen. Auch Böblingen und Sindelfingen öffnen nur noch einmal pro Jahr sonntags. Für die Händler sind solche Sonderverkaufstage aber ein wichtiges Marketinginstrument.

Sindelfingen/Böblingen - Am ersten Maisonntag brummt es wieder in der Sindelfinger Innenstadt. Zum Werkstattlauf werden 6000 Läufer erwartet. Und am Nachmittag strömen Menschen aus dem gesamten Umland in die Innenstadt: zum einzigen verkaufsoffenen Sonntag in diesem Jahr. Auch Böblingen hat die Zahl der sonntäglichen Shopping-Events eingeschränkt. Die Gewerkschaft Verdi geht zum Schutz von Arbeitnehmern gegen die Arbeit am Sonntag vor: In etlichen Gerichtsurteilen hat sie erstritten, dass Ladenöffnungen sonntags nur noch erlaubt sind, wenn es einen anderen bedeutenden Event gibt, der auch ohne Verkauf genügend Besucher anlockt.

Kein Supersonntag in Sindelfingen

Im vergangenen Jahr konnte man in Sindelfingen noch an zwei Sonntagen shoppen: einmal im Frühjahr beim Werkstattlauf und ein zweites Mal im Herbst am Supersonntag mit Kinderfest und großem Pferdeumzug durch die Stadt. Den Umzug wird es aus organisatorischen Gründen in diesem Jahr nicht geben. Deshalb fällt auch die Ladenöffnung weg. „Wir haben lange nach einem anderen Termin gesucht, aber keinen Event gefunden, auf den wir uns mit Verdi einigen konnten“, sagt der City-Marketing-Geschäftsführer Jan Gaiser.

Er ist froh, dass beim Werkstattlauf ­Einigkeit mit der Gewerkschaft besteht, das gebe den Händlern Planungssicherheit. Nichts fürchtet man mehr als ein Szenario wie im Oktober 2016, als Verdi wenige Tage vor dem lange feststehenden Sonntagsverkauf diesen gerichtlich stoppen wollte. Zur Erleichterung der Stadtverwaltung und der Einzelhändler lehnte das Gericht eine kurzfristige Absage ab. Einige Monate später jedoch wurde der grundsätzlichen Klage der Gewerkschaft stattgegeben.

Für Robert Klotz, Inhaber eines Sportgeschäfts und Zweiter Vorsitzender des ­Gewerbe- und Handelsvereins Sindel­fingen, sind verkaufsoffene Sonntage ein ­unverzichtbares Instrument zur Kundengewinnung. „Die Frequenz in der Stadt ist hoch, es kommen viele Leute auch von außerhalb.“ Er bedauert wie die meisten seiner Kollegen, dass es nur noch einen Shopping-Sonntag gibt. Der Werkstattlauf ist für ihn als Sportartikelhändler ideal. „Ich biete besondere Laufschuhe an diesem Tag an.“ Andere Ladeninhaber hätten aber Probleme wegen der Sperrungen für die Läufe, sagt Klotz. Deshalb habe man die Startzeiten für den Lauf vorgezogen. Nach der Siegerehrung um 15.30 Uhr gehört die City den Flaneuren und Shopping-Fans.

Böblingen bleibt bei einem Event

Auch in Böblingen beschränkt sich der Einzelhandel auf einen verkaufsoffenen Sonntag im Jahr. Früher waren es vier, dann drei, und seit 2018 ist einer übrig geblieben. Er findet am 7. Juli zum Stadtfest statt. „Die Händler sind zufrieden damit“, sagt der städtische Wirtschaftförderer Dominik Schaudt. Umfragen hätten ergeben, dass an einer Ausweitung des Angebots kein großes Interesse bestehe. Personalprobleme seien ein Grund dafür, aber auch die Resonanz: „Dem Optiker bringt es wenig, dem Möbelhaus viel“, sagt der Wirtschaftsförderer.

Brigitte Schütz sperrt ihre Buchhandlung Vogel sonntags grundsätzlich nicht auf. „Das passt mit meiner christlichen Einstellung nicht zusammen“, erklärt sie. Die Kunden, die am Sonntag kämen, würden halt nicht am Montag einkaufen, ist sie außerdem überzeugt. Das Porzellanhaus Stauss darf am 7. Juli nicht mitmachen, weil es zu weit von der Innenstadt entfernt ist, bei der wegen Verdi gestoppten Veranstaltung Hulb Open war es meist dabei. „Der Sonntag ist gut, um neue Kunden anzusprechen“, sagt Ingrid Stauss. Wenigstens zwei gemeinsame verkaufsoffene Sonntage in der Stadt hält sie für eine gute Sache.

Keine Frage, sondern „eine Herzensangelegenheit“ ist für Sandra Maurer die Teilnahme am verkaufsoffenen Sonntag. Seit 60 Jahren macht das Lederwaren-Fachgeschäft mit. Unter den Mitarbeitern gibt es immer genug Freiwillige, die sich für den Einsatz melden. „Es ist einfach eine schöne Atmosphäre“, sagt Sandra Maurer, allein schon, weil die Kunden nicht auf die Uhr schauen würden. Gegen einen zweiten verkaufsoffenen Sonntag hätte sie deshalb nichts einzuwenden.

Herrenbergs Termine sind bestätigt

Zwei verkaufsoffene Sonntage gibt es in Herrenberg – seit vielen Jahren: einen im April beim Handwerkermarkt, einen weiteren parallel zur Herbstschau, der Herrenberger Messe. Beide Termine wurden auch vom Verwaltungsgericht bestätigt, bei dem Verdi gegen die sonntägliche Ladenöffnung geklagt hatte. „Für uns sind diese Termine wichtige Marketinginstrumente“, sagt Martin Breitner vom Vorstand des Gewerbevereins, der Inhaber zweier Schuhgeschäfte ist. „Der Umsatz ist an diesen Tagen nicht besonders hoch. Aber es kommen Leute von weit her nach Herrenberg, denen wir uns präsentieren.“ Seine Mitarbeiter würden an diesen Tagen besonders gerne arbeiten. „Sie bekommen einen Zuschlag, und die Atmosphäre ist gut, die Kunden sind gut drauf“, sagt Breitner. Er habe stets mehr Nachfragen von Mitarbeitern für den Sonntagsverkauf, als er brauchen würde.

Leonberg steht nicht im Fokus

Zwei Sonntage mit offenen Läden plant Leonberg. Als Anlass dienen die Oldtimerschau Retro Classic am 22. September und der Martini-Markt im November. Bisher stand Leonberg nicht im Fokus von Verdi: Die Stadt hofft, dass sie ihre Shopping-Sonntage ungestört durchziehen kann.

Im Kreis verbreitete Tradition

Auch kleinere Kommunen schätzen den Sonntagsverkauf. In Gärtringen fand einer zum Ostermarkt statt, der zweite ist im September geplant. In Bondorf ist der Marktsonntag zur Tradition geworden: Er findet immer am zweiten Sonntag im Juni statt. Und zum Finale des Holzgerlinger Herbstes am 6. Oktober gibt es ebenfalls einen verkaufsoffenen Sonntag.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: