Der bisherige Geschäftsführer Richard Mastenbroek verlässt die Stadtwerke. Foto: Werner Kuhnle

Die Stadt Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) zieht nach den verlorenen Schadensersatzklagen Konsequenzen. Interessant ist dabei auch die Begründung.

Die bisherigen Geschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, Richard Mastenbroek und Erster Bürgermeister Michael Hanus, legen ihre Tätigkeit nieder und machen Platz für neue Köpfe. Die Stadt Bietigheim-Bissingen berichtet in einer Pressemitteilung von dieser Entscheidung des Aufsichtsrats.

 

Interessant ist jedoch die Begründung dafür: „Die sogenannte ‚Zeitenwende’ nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine und die danach folgenden Schwankungen auf dem Energiemarkt haben auch die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen nicht unbeschadet gelassen. Die Gewinne sind stark zurückgegangen. Zudem kamen einige unkalkulierbare Ertragsminderungen durch persönliches Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter und Insolvenzen von Partnerfirmen hinzu, die zu hohen Einbußen führten“, heißt es in der Meldung.

Stadt beharrt auf Schuld ehemaliger Mitarbeiter

Damit beharrt die Stadt Bietigheim-Bissingen darauf, dass die ehemaligen Stadtwerke-Mitarbeiter durch Fehler beim Energieeinkauf das Unternehmen geschädigt haben. Und das, obwohl die Stadtwerke beim Versuch, bei ihren ehemaligen Angestellten einen Schadensersatz in Millionenhöhe einzuklagen, vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht eine saftige Niederlage erlitten haben. Die Mitarbeiter treffe keinerlei Schuld, vielmehr habe die Geschäftsführung die Vorgänge nicht oder zumindest nicht sorgfältig genug geprüft, obwohl das ihre Aufgabe gewesen wäre, hieß es in der Urteilsbegründung.

Eine zunächst vor dem Landesarbeitsgericht angekündigte Berufung hatten die Stadtwerke zurückgezogen, eine Begründung dafür gab es trotz Nachfrage durch diese Zeitung nicht.

Aktuelle Geschäftsführung „persönlich stark getroffen“

Laut der Stadt Bietigheim-Bissingen ist „die aktuelle Geschäftsführung durch die schwierigen Zeiten auch persönlich stark getroffen worden“, deshalb habe der Aufsichtsrat des Unternehmens nun in der Leitungsebene Einschnitte veranlasst, um das Unternehmen wieder mit neuer Kraft voranzubringen. Dazu wurde für eine Übergangszeit ein erfahrener Geschäftsführer aus dem Stadtwerke-Umfeld bestellt, der zum 1. August seine Arbeit aufnehmen wird.

Damit soll das Unternehmen frischen Wind erhalten, die Impulse von außen sollen dem Unternehmen die früher gewohnten wirtschaftlichen Erfolge zurückbringen. Laut der Pressemitteilung erhofft sich Oberbürgermeister Jürgen Kessing von der personellen Veränderung wieder „mehr Ruhe im Kreis der Mitarbeitenden der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, die durch die vielfältigen Schwierigkeiten auch um ihre Arbeitsplätze bangten“.

Hanus kümmert sich verstärkt um Aufgaben bei Stadtverwaltung

Neuer Geschäftsführer soll Herbert Marquard werden, der bereits bei seinen früheren beruflichen Stationen gezeigt habe, dass er ein Energieversorgungsunternehmen erfolgreich aufstellen könne. Michael Hanus, Erster Bürgermeister der Stadt, werde sich künftig verstärkt um seine Aufgaben bei der Stadtverwaltung kümmern können, wo er die Bereiche Finanzen, Jugend, Bildung und Betreuung, Kultur und Sport sowie Ordnung und Soziales leitet.