Das New Josch auf dem Killesberg bleibt für die Gastronomie erhalten. Auf das vorläufige Insolvenzverfahren folgt 2026 ein neues Konzept. Das bisherige Team verabschiedet sich.
Was für ein Finale! In den Tagen vor Weihnachten ist das Gourmetrestaurant New Josch Abend für Abend ausgebucht. Mit großer Hingabe widmet sich Sven Lacher, Aufsteiger des Jahres 2024 im Gourmetführer „Der große Guide“, seiner Leidenschaft: der Konzentration auf das Wesentliche am Herd – den Geschmack.
Am 20. Dezember jedoch verabschiedet er sich mit seiner Partnerin Cindy Volkmer, die mit Alexander Scholz Mitgeschäftsführerin der SCA New Josch GmbH war, nach zwei Jahren an diesem Ort von seiner Fangemeinde. Die renommierte Adresse auf dem Killesberg schließt infolge der Zahlungsunfähigkeit – vorerst. Denn das Ende ist zugleich ein Übergang: Ein Investor steht bereit, es ist der Hausbesitzer, der den Neustart unter anderer Ausrichtung für das erste Quartal 2026 plant.
Eifrig wurde nach einem neuen Investor für die Location am Killesberg in Stuttgart gesucht
Nach dem Bericht in unserer Zeitung über das vorläufige Insolvenzverfahren war die Nachfrage sprunghaft angestiegen. Zugleich wurde hinter den Kulissen nach einem neuen Investor gesucht. Denn wirtschaftlich war das ambitionierte Fine-Dining-Konzept mit nur 25 Sitzplätzen nicht mehr tragfähig.
Nun ist die Zukunft des Standorts geklärt. Im ersten Quartal 2026 soll das Restaurant neu eröffnen – mit neuem, bisher noch geheimen Namen und mit deutlich verändertem Konzept. Übernommen wird das New Josch von der Alpenland GmbH, hinter der die Familie Panzer steht. Ihr gehört auch das Gebäude, in dem sich das Restaurant befindet. Das kulinarische Angebot wird sich grundlegend ändern: Statt einer Küche auf nahezu Michelin-Stern-Niveau setzt der neue Betreiber künftig auf traditionelle kalabrische Küche. Der Anspruch bleibe dennoch hoch, heißt es. „Wir freuen uns, künftig traditionelle kalabrische Küche anbieten zu können und das New Josch voraussichtlich im ersten Quartal 2026 mit einem neuen Betreiber zu präsentieren“, sagt Nicole Sdunek, Prokuristin der Alpenland GmbH. Das neue Konzept, so heißt es, ist breiter aufgestellt.
Experte über New Josch: „Die Gastronomie in Stuttgart ist im Umbruch“
Begleitet wurde der Verkaufsprozess von Philippe Piscol von der Wieselhuber & Partner GmbH, einem Spezialisten für Unternehmensübernahmen in finanziellen Sondersituationen. Er hatte sich früh für eine Fortführung des Restaurants eingesetzt. „Die Gastronomie in Stuttgart ist im Umbruch“, sagt Piscol. Das Beispiel New Josch zeige, wie schwierig es geworden sei, ambitionierte Fine-Dining-Konzepte dauerhaft wirtschaftlich zu betreiben.
„Für die beiden wird sich bestimmt etwas Neues auftun“
Gleichzeitig blickt Piscol optimistisch auf die Zukunft des bisherigen Teams. Chefkoch Lacher und seine Partnerin Cindy Volkmer hätten sich mit ihrer Arbeit einen Namen gemacht. „Es wird sich für die beiden bestimmt etwas Neues auftun“, sagt er. Der Traum vom Michelin-Stern sei keineswegs begraben – nur der Ort werde ein anderer sein.
„Dass wir im New Josch aufhören müssen, ist für uns ein harter Schlag“, sagt Cindy Volkmer, „darüber sind wir sehr enttäuscht.“ Mit Sven Lacher sei sie mit hohen Zielen in dieses „wunderschöne und stilvolle Objekt“ gezogen, sagt die scheidende Chefin. Leider habe sich das Fine-Dining-Restaurant angesichts hoher Mieten für die gesamte Immobilie nicht als wirtschaftlich tragbar erwiesen, auch wenn freitags und samstags alle Plätze meist ausgebucht waren.
Nach emotional aufwühlenden Zeiten wollen sich Cindy Volkmer und Sven Lacher „erst einmal sammeln“. Eine neue Location hätten sie bisher noch nicht.
Dass es am Killesberg weitergeht, gilt als positives Signal
Die letzten Tage im New Josch sind von Wehmut, aber auch von Hoffnung geprägt. Viele Gäste verabschieden sich mit Dankbarkeit, andere mit Vorfreude auf das, was kommt und was Sven Lacher künftig an einem anderen Ort möglicherweise mit einem Stern kochen wird. Dass das Restaurant trotz Insolvenz eine Zukunft hat, gilt am Killesberg als positives Signal – gerade in Zeiten steigender Kosten und wachsender Unsicherheit in der Gastronomie.