Die Messe Stuttgart bietet viel – aber keine internationale Automobilausstellung 2021. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart wird nicht die Automesse IAA ausrichten. Doch was sind die Gründe und wie gehen die Verantwortlichen damit um?

Stuttgart - Mit leeren Händen sind die Stuttgarter Messewerber für die Internationale Automobil-Ausstellung, die IAA 2021 in die Heimat zurückgekehrt. Und doch sind sie voller Tatendrang: Man habe viele Ideen entwickelt, die man eben nun bei künftigen Großveranstaltungen umsetzen werde, so Michael Münter, Leiter des Referats Strategische Planung und nachhaltige Mobilität, und Stefan Lohnert, der künftige Geschäftsführer der Messe Stuttgart.

Denn die Forderung des Verbands der Automobilindustrie VDA, Ausrichter der IAA, Messen sollen nicht mehr nur in Messehallen stattfinden, sondern auch im öffentlichen Raum, das würden immer mehr Veranstalter einfordern.

Und da haben Münter und Lohnert einiges zu berichten. Aber interessant ist ja auch, weshalb Stuttgart schon in der ersten Bewerbungsrunde ausgeschieden ist. „Wir wurden nur darüber informiert, dass wir in der zweiten Runde nicht mehr dabei sind“, berichtet Lohnert über die Entscheidung, die der VDA an diesem Mittwoch anlässlich seines Neujahrsempfangs in Berlin verkündete. „Mehr wurde uns nicht mitgeteilt“, so Lohnert.

Mitglieder des VDA hüllen sich in Schweigen

Und auch bei der Präsentationsrunde selbst habe es keine Signale gegeben für das frühe Ausscheiden, so Münter. Die besonderen Stuttgart-Themen, welche die kritischen Aspekte der Mobilität beleuchten – ganz vorne bei Feinstaub und Belastung durch Stickoxide, ganz vorne bei den täglichen Staukilometer – sei man ja offensiv bei der Präsentation angegangen nach dem Motto: „Das ist eine Herausforderung und Chance für eine intelligente, vernetzte Mobilität und für eine emissionsfreie Stadt der Zukunft. In Stuttgart wird erfolgreich an der Lösung dieser Probleme gearbeitet“, so Münter.

Bleiben also Vermutungen für das frühe Ausscheiden. Denn auch die hiesigen Mobilitätskonzerne, alle Mitglieder des VDA, hüllen sich weitgehend in Schweigen. Ein Daimler-Sprecher bedauert: „Es gab ein sehr transparentes Auswahlverfahren, bei dem unter anderem die Infrastruktur, das Einzugsgebiet und die Erreichbarkeit eine Rolle gespielt haben. Für die Stadt wäre es hervorragend gewesen, sich mit Konzepten für die Mobilität der Zukunft zu präsentieren.“

Da bleibt die Vermutung, die Messe Stuttgart sei zu klein für die IAA. Dazu Lohnert: „Die IAA 2019 hätten wir in der Tat nicht ausrichten können. Aber für 2021 hat der Verband der IAA eine Schrumpfkur verordnet. Da hätten wir Platz gehabt“.

Terminkollision als Grund?

Im Rennen geblieben sind mit Berlin, Hamburg und München die drei Städte mit den höchsten Einwohnerzahlen. Bei einer Messe, zu der schon 800 000 bis 900 000 Besucher kamen, zuletzt nur noch etwa 500 000, ist das wohl ein wichtiges Argument. Ausgeschieden sind ja auch Köln, Frankfurt und Hannover. Und dann ist noch die Frage, wie öffentlicher Raum in die Autoschau eingebunden werden kann. In Stuttgart sollte dafür der Wasen in Bad Cannstatt genutzt werden: „Er ist gut erschlossen, auch für Besucher, die von weit her kommen. Und das ist eine etablierte Veranstaltungsstätte, da könnte man viel experimentieren“, so Münter. Mehrere Teststrecken für autonomes Fahren hätten dort entstehen sollen.

Nicht weit weg davon ist die etablierte Daimler-Teststrecke, die wohl der heimliche Publikumsliebling der IAA 2021 geworden wäre: „Leider ist der Zugang da nur über das Betriebsgelände möglich. Man hätte also nicht alle Messebesucher durchlassen können“, so Münter.

Freilich wäre der Weg auch weit gewesen zwischen den zwei IAA-Standorten Messe Flughafen und dem Wasen. Da könnte man Busse hin- und herfahren lassen, die thematisch auf diese Schau aufmerksam machen und inhaltlich vorbereiten. Oder Aktionen an zentralen Plätzen der Stadt, die sich mit verschiedenen Aspekten der Mobilität auseinandersetzen – am Schloss- , Charlotten- , Wilhelms- und Marienplatz etwa. War das den VDA-Entscheidern möglicherweise zu verworren?

Vielleicht ist der Absagegrund aber auch eine Terminkollision: Die Automobilausstellung soll im September stattfinden. Aber da ist auf dem Wasen das Volksfest Stuttgart hätte die IAA deshalb bereits im Juni ausrichten wollen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: