Die Stadt Vaihingen/Enz will das Gelände des ehemaligen Vaihinger Klinikums erwerben. Nach anfänglichem Widerstand von RKH und Landratsamt wird nun ein Kaufvertrag vorbereitet.
Der Aufsichtsrat der RKH-Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim hat die Geschäftsführung um Marc Nickel beauftragt, mit der Stadt Vaihingen an der Enz konkrete Verhandlungen über den Verkauf des Gesamtareals des Alten Krankenhauses aufzunehmen und einen entsprechenden Vertrag auszuarbeiten. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Vaihingen hervor.
Der Vertrag soll sowohl dem Vaihinger Gemeinderat als auch dem RKH-Aufsichtsrat noch in diesem Halbjahr zur Abstimmung vorgelegt werden. Zuvor hatte es laut Stadtverwaltung zahlreiche Gespräche zwischen der Stadt Vaihingen, der Geschäftsführung der RKH-Kliniken und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dietmar Allgaier gegeben.
Es habe zudem Gespräche mit den jetzigen und künftigen Mietern des Gesamtareals gegeben. Die Erkenntnis laut Pressemitteilung: Die Infrastruktur mit 15 Haus- und Fachärzten sowie zahlreichen weiteren Praxen, einer Apotheke und einem Café mit rund 130 Beschäftigten soll weiter ausgebaut werden.
Die Stadtbau Vaihingen hat nach Angaben der Stadt bereits ein Finanzierungs- und Nutzungskonzept für das Areal erarbeitet. Dieses soll zunächst in nichtöffentlicher Sitzung und am 29. April dann öffentlich in den Gremien der Stadt beraten werden. Bereits am 23. April ist zudem ein Themenabend für Bürgerinnen und Bürger in der Stadthalle geplant. Die Übernahme des Gesamtareals durch die Stadt Vaihingen an der Enz ist nach Angaben der Stadtverwaltung noch in diesem Jahr vorgesehen.
Ärger auf Instagram
Dass die Gespräche zwischen der Stadt Vaihingen auf der einen Seite sowie den RKH-Kliniken und dem Landratsamt auf der anderen Seite so schnell voranschreiten, hätte im vergangenen Herbst wohl kaum jemand erwartet. Die RKH wollte das Gelände möglichst schnell veräußern: Die Instandhaltung des kaum genutzten Areals kostet den Klinikverbund rund 1,5 Millionen Euro im Jahr.
Ein Verkauf könnte zudem helfen, die angespannte finanzielle Situation der RKH zu verbessern. Mutmaßlich hoffte der Klinikverbund daher auf einen möglichst lukrativen Verkauf an ein privates Bauunternehmen.
Das wiederum verärgerte Oberbürgermeister Uwe Skrzypek. Er möchte das in städtischer Hand für eine bessere medizinische Versorgung weiterentwickeln – und zudem das Ärztehaus Vaisana auf dem Klinikgelände für die Bürgerinnen und Bürger erhalten.
In der Folge lieferten sich das Landratsamt und der Oberbürgermeister eine öffentliche Auseinandersetzung auf Instagram. Skrzypek warf dem Landratsamt und den RKH-Kliniken Immobilienspekulation auf Kosten der medizinischen Versorgung vor. Das Landratsamt wiederum sprach von Falschbehauptungen, Schuldzuweisungen und fehlendem juristischen Verständnis.
Am Ende legten beide Seiten den Streit bei und vereinbarten konstruktive Gespräche. Die Stadt will das Gelände aktiv gestalten – der Gemeinderat steht hinter dem Oberbürgermeister, pocht allerdings darauf, dass sich das Projekt wirtschaftlich trägt und kein neues Loch in die Vaihinger Stadtkasse reißt.
Wie könnte die Zukunft des Geländes aussehen?
Laut Pressemitteilung der Stadt Vaihingen arbeitet der Geschäftsführer der Vaihinger Stadtbau, Anselm Laube, bereits an konkreten Vorschlägen für den Weiterbetrieb des Vaisana-Ärztehauses. Zudem werde an einer Nachnutzung des gesamten Areals gearbeitet – als „Herzstück eines neuen Stadtquartiers mit barrierefreien, seniorengerechten Wohneinheiten sowie Pflegeangeboten“.