Der Verein Stadtbild Deutschland fordert, dass das abgebrannte Gasthaus in Pleidelsheim (Kreis Ludwigsburg) originalgetreu rekonstruiert wird. Die Bürgermeisterin bremst allerdings.
Der Schock über das Ende des Gasthauses Ochsen sitzt immer noch tief: Dort, wo in der Pleidelsheimer Ortsmitte vor kurzem noch ein historisches Fachwerkhaus stand, türmt sich nun der Schutt auf, ansonsten herrscht Leere. Nach einem verheerenden Brand in der Nacht auf den 8. März musste das 400-jährige Gebäude komplett abgerissen werden. Wie geht es nun weiter am Schillerplatz?
Wenn es nach dem gemeinnützigen Verein Stadtbild Deutschland geht, gibt es auf diese Frage nur eine mögliche Antwort: eine möglichst originalgetreue Rekonstruktion des Ochsen. Das fordert der Verein in einem offenen Brief an die Gemeinde. Dass sich ein überregionaler Verein mit Sitz in Berlin dafür interessiert, was in Pleidelsheim passiert, verdeutlicht, welche Bedeutung das Gebäude hatte.
Warnung vor Verlust der Pleidelsheimer Identität
Die Zerstörung des Ochsen bedeute „einen schweren Einschnitt in das bauliche und kulturelle Erbe Pleidelsheims“, schreibt der Vorstand von Stadtbild Deutschland. Gebäude wie der Ochsen seien „identitätsstiftende Elemente“, die gerade in kleineren Gemeinden „entscheidend zur Atmosphäre und Wiedererkennbarkeit eines Ortes“ beitragen.
Statt die entstandene Lücke mit einem „weiteren, gesichtslosen Neubau“ zu füllen, solle eine originalgetreue Rekonstruktion des Gebäudes geprüft werden. Am Schillerplatz und Umgebung sei das regionale Erscheinungsbild durch Neubauten bereits schwer beeinträchtigt worden. Eine Rekonstruktion des Ochsen würde verhindern, dass „auch noch der Rest an Pleidelsheimer Identität“ verloren gehe.
Es sei möglich, den Fachwerkbau authentisch wiederzuerrichten und gleichzeitig Anforderungen an modernes Wohnen zu berücksichtigen. Als Beispiel diene ein Projekt in Erfurt: Dort wird gerade an der Stelle, wo ein altes Gebäude noch zu DDR-Zeiten abgerissen worden war, ein Wohnhaus in Fachwerkbauweise errichtet, das sich an der lokalen Bautradition orientiert. Das Projekt wird von einem privaten Investor finanziert.
Bürgermeisterin Lee bremst
So etwas sei auch in Pleidelsheim möglich, findet der Verein Stadtbild Deutschland. Ein möglicher Investor würde aber „jede mögliche politische Unterstützung benötigen“. So einfach sieht das Bürgermeisterin Sabrina Lee allerdings nicht: „Ich werde handeln, wenn wir handeln können“, erklärt sie. Zuerst müssten die Eigentumsverhältnisse geklärt und die Gutachten der Versicherung abgewartet werden.
Eine Rekonstruktion sei deutlich teurer, die Entscheidung darüber würde deswegen auch davon abhängen, wie viel die Versicherung zahlt. Außerdem will Lee zuerst hören, was die Bürgerinnen und Bürger wollen. Von deren Seite sind bislang nämlich keine Forderungen an sie herangetragen worden. „Mir geht der Brand sehr nahe, aber ich werde mich nicht positionieren, ohne vorher die Rahmenbedingungen geklärt zu haben. Das ist unglaubwürdig.“
Eine Rekonstruktion, wie vom Verein Stadtbild Deutschland gefordert, ist trotzdem nicht ausgeschlossen. „Wenn das die beste Lösung ist und die Bürgerinnen und Bürger sich das wünschen, dann machen wir das natürlich“, sagt Lee.