So werden die zu verschrottenden Autos gelagert. Anwohner beklagen, dass manche Wagen auch auf der öffentlichen Straße stünden. Foto: factum/Granville

Keine Information von der Stadt, womöglich gefährlichen Stäuben ausgesetzt, dazu Drohungen vom Nachbarn: Die Anwohner rund um den ausgebrannten Autoverwertungs-Betrieb in Remseck haben die Nase voll.

Remseck - Die Tage von Anna Matuschek im Remsecker Gewerbegebiet sind wohl gezählt: „Ich muss mir etwas Neues suchen“, sagt die freie Journalistin. Die gelernte Kfz-Mechanikerin ist auf Auto-Themen spezialisiert und betreibt im Gewerbegebiet des Remsecker Ortsteils Aldingen eine Werkstatt, in der sie Fotoproduktionen sowie Schrauberkurse für Frauen anbietet. „Das kann ich jetzt nicht mehr machen, weil ich nicht weiß, ob hier eine Belastung vorliegt oder nicht.“

Bei dem Großbrand des Autoverwerters gegenüber rieselten Mitte Juli Staub und Asbest-Teile des Hallendachs auf die Straße, die erst nach einer Woche vom einem Putztrupp entfernt wurden. Matuschek fragte bei der Umweltbehörde im Landratsamt an. Dort hieß es, man könne ihr keine Unbedenklichkeitsbescheinigung für ihre Örtlichkeit ausstellen. In zahlreichen Mails und Anrufen fragte sie bei der Stadt nach dem Stand der Dinge und den Konsequenzen des Brandes – und bekam meist die gleiche Antwort: Man sei nicht zuständig, sondern das Landratsamt.

Zu Interessengemeinschaft zusammengeschlossen

Die aus Matuscheks Sicht mangelnde Informationspolitik der Stadt hat auch andere Anwohner und Gewerbetreibende verärgert, so dass sie sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben. „Keiner fühlt sich hier mehr sicher“, sagt Denis Zezelj. Der Schreinermeister hat seinen Betrieb gegenüber des Autoverwerters. In der vergangenen Woche traf er sich mit 13 anderen Gewerbetreibenden vor Ort und sammelte knapp 30 Unterschriften. Seine Erkenntnis: „Man muss sich selbst drum kümmern, damit etwas passiert.“

Und tatsächlich: Zezelj bekam ein Treffen mit Remsecks Oberbürgermeister Dirk Schönberger (parteilos) und anderen aus der Verwaltungsspitze. Die Stadt habe zugesichert, den Betrieb von nun an „mit besonderer Intensität“ zu kontrollieren, auch zu unüblichen Zeiten, sagt Zezelj.

„Wie im Wilden Westen hier“

Die Anwohner klagen schon seit Längerem darüber, dass der Autoverwerter Autos auf der öffentlichen Straße abladen und per Bagger über eine Mauer in sein Grundstück hieven lässt. Wer sich bei den Arbeitern darüber beschwere oder Fotos zur Dokumentation mache, werde schon auch mal bedroht, sagt Zezelj: „Das ist wie im Wilden Westen hier.“

Die beklagten Arbeiten sind nun fürs Erste eingestellt. Weil die Halle des Autoverwerters abgebrannt ist, ist damit auch die Genehmigung zum Betrieb erloschen. Dass in den vergangenen Wochen dennoch ein Bagger im Einsatz war, habe damit zu tun, dass die ausgebrannte Halle für die Brandermittler zugänglich gemacht habe werden müssen, sagt der Geschäftsführer des Autoverwerters AV Aldingen, Kemal K. Seine 22 Mitarbeiter seien bis Ende August beurlaubt. „Ich hoffe, dass wir den Betrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen können“, sagt er.

Probleme mit den Anwohnern habe es bislang nie gegeben, sagt K. Er könne nicht verstehen, warum plötzlich derart Stimmung gegen ihn gemacht werde. Er habe immer den Eindruck gehabt, dass man sich gut verstehe. Zum Vorwurf der Bedrohung durch seine Mitarbeiter nimmt er auch Stellung: „Da ist mir nichts bekannt. Das hätte ich auch nicht geduldet.“

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