Diese Aufnahme aus dem Erligheimer Stall entstand im April, Entsetzen löst dieses Foto noch immer aus. Foto: Peta Deutschland

Die Bilder von den toten Tieren aus Erligheim haben landesweit Entsetzen ausgelöst. Geändert hat sich dadurch allerdings nichts. Für die SPD im Landtag steht fest: So ein Fall könnte sich wiederholen. Ist das wirklich so?

Vier Monate nach dem qualvollen Tod von 17 Tieren auf einem Bauernhof in Erligheim (Kreis Ludwigsburg) erscheint klar: Ein solcher Vorfall kann sich immer und überall wiederholen. Das zumindest schließt die SPD im Stuttgarter Landtag aus einer Stellungnahme des Landwirtschaftsministers Peter Hauk (CDU). Überraschend fällt diese zwar nicht aus, doch gerade darin sieht die SPD die Bestätigung dafür, dass ein besserer Tierschutz nötig sei.

 

Viele Kontrollen, keine Verbote

Die toten Tiere hatte die Polizei Ende April nach einem Hinweis aus der Nachbarschaft entdeckt. Die neun Rinder, fünf Schweine und drei Hühner sowie der Stall waren in einem erbärmlichem Zustand. Der Tierhalter war bereits mehrfach aufgefallen, es hatte zahlreiche Kontrollen, aber keine Konsequenzen gegeben.

In seiner Antwort auf die Anfrage der SPD schlüsselt das Ministerium nun exakt auf, wann der Hof kontrolliert worden war und was dabei festgestellt wurde. Fünfmal allein im Jahr 2021 waren die Kontrolleure des Ludwigsburger Veterinäramts vor Ort. Das erste Mal war der nebenamtlich tätige Landwirt im Jahr 2014 aufgefallen.

Hinweise von außen

Auffallend für Jonas Weber, den tierschutzpolitischen Sprecher der Fraktion, ist dabei, dass diese erste Kontrolle, sowie einige weitere, offenbar nur stattfand, weil es Beschwerden oder Hinweise aus der Bevölkerung gegeben hatte. Angeblich, so der Verdacht, würden Schweine misshandelt oder Tiere hätten teilweise kein Wasser und würden in ihrem Dreck stehen. Die letzte Kontrolle fand Anfang September 2021 statt, im April dann waren die Tiere tot.

Als Grund für diese große Lücke zitiert das Ministerium das Ludwigsburger Landratsamt, das nichts festgestellt hatte, „was auf derartige Zustände mit entsprechenden Folgen für die Tiere hätte schließen lassen können“. Das Amt hatte immer wieder eine mangelnde Hygiene beanstandet – und den Tierhalter immer wieder belehrt, der immer wieder nachgearbeitet hat.

Forderung nach Tierschutzeinheit

„Der Schock nach den verstörenden Ereignissen in Erligheim sitzt noch immer tief“, sagt Jonas Weber. Traurig stimme, dass immer wieder Hinweise von außen notwendig waren, um notwendige Kontrollen anzustoßen. Für „unbefriedigend“ hält der Politiker auch den Umgang mit den toten Tierkörpern. Eine Sektion hätte Aufschluss darüber geben können, wie lange Tiere schon gelitten haben, bevor sie letztlich verhungert und verdurstet sind – ob also den Kontrolleuren nicht doch etwas hätte auffallen können.

Weber fordert erneut die Einrichtung einer „Tierschutzeinheit BW“. Eine solche unabhängige Einheit könnte Missstände in Betrieben wie auch Schlachthöfen besser offenlegen und sanktionieren als Ämter, die vielfach zu viel Arbeit für zu viel Personal hätten.

Machtlos gegen Fehlverhalten

Aus Sicht des Ministeriums hätte eine solche überregionale Einheit im konkreten Fall nichts bewirkt. In Erligheim zeige sich, dass „dort, wo menschliches Fehlverhalten oder eine persönliche Ausnahmelage vorliegt, eine noch so engmaschige Kontrolle nicht immer hilft“, erklärt eine Sprecherin auf Nachfrage und betont: Die Hauptverantwortung für den Tierschutz liege immer bei den Tierhaltern selbst.

Gegen den Tierhalter, der sich zuletzt in schwieriger psychischer Verfassung befunden haben soll, ermittelt die Staatsanwaltschaft. Das Verfahren wegen Verstößen läuft noch. Dass der Mann nie wieder Tiere halten darf, hat das Veterinäramt unmittelbar im April verfügt. Im Amt selbst hat sich durch den Vorfall nichts geändert. „Ursache für das tragische Geschehen war menschliches Versagen des Tierhalters, nicht das System der Kontrollen“, teilt das Landratsamt mit.