Nach der tödlichen Explosion in Albstadt sollte eine Spendenaktion den Hinterbliebenen helfen. Doch das stark gestiegene Spendenziel sorgt für Misstrauen.
Nach der tödlichen Haus-Explosion in Albstadt hat eine Spendenaktion auf der Plattform GoFundMe große Anteilnahme, aber auch massive Kritik ausgelöst. Initiator der Aktion ist Gaetano Furore, ein Verwandter der verstorbenen Familie. Nachdem das ursprünglich angegebene Spendenziel deutlich überschritten und zeitweise sogar auf mehr als 100.000 Euro angestiegen war, sieht sich Furore nun mit Hassnachrichten und Anfeindungen konfrontiert. Das berichtet der Schwarzwälder Bote.
„Ich wollte den Angehörigen einfach etwas Gutes tun“, sagt Furore im Gespräch mit unserer Redaktion. Er sei mit den Verstorbenen entfernt verwandt, die Aktion sei aus persönlicher Betroffenheit heraus entstanden. Sein Neffe sei mit der Schwester des Verstorbenen verheiratet, die familiären Verbindungen seien eng.
Das anfängliche Spendenziel habe bei 25.000 Euro gelegen, so Furore – ein Betrag, der vor allem für die Beerdigung und erste anfallende Kosten gedacht gewesen sei.
Spendenziel wird automatisch erhöht
Dass die Summe später auf rund 60.000 Euro und zwischenzeitlich sogar auf etwa 110.000 Euro anwuchs, habe er jedoch nicht selbst gesteuert. „GoFundMe erhöht das Spendenziel automatisch, wenn es erreicht wird. Ich hatte darauf keinen Einfluss“, betont Furore. Die Plattform erhalte zudem Provisionen auf die eingegangenen Beträge, was vielen Kritikern offenbar nicht bewusst sei.
„Ich wollte helfen und werde jetzt öffentlich ganz falsch wahrgenommen.“
Gaetano Furore, Initiator der Spendenaktion
In sozialen Netzwerken und sogar am Telefon werde ihm inzwischen vorgeworfen, er bereichere sich an der Tragödie. Fragen wie „Warum wird so viel Geld benötigt?“ oder „Wo geht das Geld hin?“ würden ihn bereits seit Stunden erreichen – ebenso wie Beleidigungen und Vorwürfe der Selbstbereicherung. „Das macht mich fertig. Ich wollte helfen und werde jetzt öffentlich ganz falsch wahrgenommen“, bedauert der Initiator. „Ich hatte nicht erwartet, dass daraus so eine große Sache wird.“
Enorme Kosten für die Hinterbliebenen
Nach zahlreichen Beschwerden habe GoFundMe die Überweisungsfunktion der Spendenaktion inzwischen gesperrt. Er selbst habe die Plattform dazu aufgefordert, die Aktion zu stoppen, beteuert Furore.
Das gespendete Geld soll vollständig an die Angehörigen gehen. Er wolle davon selbstverständlich nichts behalten.
Wie Furore berichtet, habe der verstorbene Familienvater das Haus erst vor Kurzem gekauft. Viele der Angehörigen leben in Italien und sind nach der Explosion kurzfristig nach Deutschland gereist.
Die Reise- und Unterbringungskosten seien erheblich und könnten von der Familie kaum getragen werden – von der Beerdigung selbst ganz zu schweigen.
Unsicherheit, ob eine Versicherung zahlt
Hinzu komme die Unsicherheit, ob eine Versicherung überhaupt zahlt. Sollte ein Gutachter zu dem Schluss kommen, dass die Explosion selbst verschuldet war, könnten Leistungen ganz entfallen.
Die Spendengelder seien daher nicht nur für die Beerdigung gedacht, sondern auch für weitere notwendige Ausgaben, die in einer solchen Ausnahmesituation anfielen, erklärt Furore.
Trotz der Kritik überwiegt für ihn der Dank an die Helfer. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die geholfen haben – bei den Einsatzkräften, den Unterstützern und allen, die Anteil genommen haben.“
Trauerfeier am 20. Januar
Die öffentliche Beerdigung findet am 20. Januar statt.