Nach Eskalation bei Afrika-Feier in Ludwigsburg Randale in MHP-Arena: Stadt sagt weitere Konzerte ab

Von Philipp Obergassner 

In und vor der MHP-Arena wurde am Donnerstag randaliert. Foto: factum/Granville
In und vor der MHP-Arena wurde am Donnerstag randaliert. Foto: factum/Granville

Nach den Tumulten bei der „Afrikanischen Nacht“ in der MHP-Arena hat die Stadt weitere Termine abgesagt – unter anderem mit einem bekannte Sänger aus Äthiopien. Das könnte weiteren Unmut erzeugen.

Ludwigsburg - Sicherheitspersonal, das mit Flaschen und Bechern beworfen wird, ein zerlegtes Absperrgitter, eine eingeworfene Glastür und ein verletzter Sicherheitsmann – das ist die Bilanz einer Ausschreitung bei einer nicht-öffentlichen Feier in der MHP-Arena am Donnerstagabend. Ein Stuttgarter Veranstalter hatte zu einer „Afrikanischen Nacht“ geladen. Gegen 21.30 Uhr sollen überwiegend Gäste aus Eritrea in die MHP-Arena gekommen sein, viele waren nach Angaben der Polizei bereits stark betrunken. Ein für Mitternacht angekündigter DJ erschien nicht, ebenso wie eine Live-Band, die danach auftreten sollte. Zwischen 1.20 Uhr und 2.30 Uhr gab es wieder Programm. Die Veranstaltung wurde danach etwa anderthalb Stunden früher als angekündigt beendet.

Dies führte dazu, dass die Gäste sich weigerten, die Halle zu verlassen, so dass der Sicherheitsdienst manche Besucher ins Freie tragen musste. Zu den Besucherzahlen gibt es abweichende Angaben. Während der Veranstalter Blue Nile, ein äthiopischer Kulturverein mit Sitz in Stuttgart, mit etwa 1000 Besuchern rechnete, geht die Polizei von etwa 120 Besuchern aus, die gegen 1.20 Uhr noch in der Halle waren. „Als die Beamten dann eintrafen, waren aber die meisten schon weg“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums.

Das Sicherheitspersonal schließt sich selbst ein, um sich zu schützen

Was die Beamten verpasst hatten: tumultartige Szenen, in deren Folge sich das Sicherheitspersonal der MHP-Arena selbst einschließen musste, um sich zu schützen. Ein Mitarbeiter wurde verletzt. Die Polizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung. Noch unklar ist, gegen wie viele Personen ermittelt wird.

Die „Afrikanische Nacht“ war das Begleitprogramm des Äthiopien-Cups, eines großen Fußballturniers mit 700 Teilnehmern mit äthiopischen Wurzeln aus ganz Europa, das an diesem Wochenende in Waiblingen stattfindet. Der Veranstalter des Turniers ist die „Ethiopian Sports and Culture Federation“. Eine mögliche Erklärung dafür, dass besonders Besucher aus Eritrea bei der Veranstaltung in der MHP-Arena negativ auffielen, könnte der jahrelang Konflikt am Horn von Afrika sein. Erst im Juli hatten die Staatschefs beider Länder, die sich jahrelang bekriegt hatten, eine Friedenserklärung unterzeichnet.

Stadt und Polizei sagen zwei weitere Veranstaltungen ab

Am Freitag zog die Stadt Ludwigsburg Konsequenzen aus der eskalierten Feier: Zwei weitere Veranstaltungen im selben Rahmen am Freitag- und Samstagabend wurden in Abstimmung mit der Polizei abgesagt. Die Veranstalter haben kein „schlüssiges organisatorisches Konzept“ vorlegen können, das die Sicherheit gewährleisten könne, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Veranstalter des Fußballturniers und der Organisator der Musiknacht waren am Freitagnachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bei Polizei und Stadt ist man nun besorgt, dass es trotz der Stornierung der Termine zu Problemen an der MHP-Arena kommen könnte. Zum Abschlusskonzert am Samstagabend sollte Teddy Afro auftreten – in seiner Heimat ein Superstar. Nicht alle Besucher könnten die Absage mitbekommen haben. Die Halle werde daher trotz Absage mit einem Sicherheitsdienst besetzt sein und die Polizei werde verstärkt vor dem Gebäude Streife fahren, sagt ein Sprecher der Polizei Ludwigsburg.

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