Gute Nachricht für viele Familien: Die Direktverbindung zum Schulzentrum Grauhalde in Schorndorf bleibt bis Juli 2027 bestehen. Grund sind anhaltende Probleme bei der S-Bahn im Remstal.
Kurz vor sieben Uhr morgens rollt der Bus durch das Remstal. Hebsack, Geradstetten, Winterbach – Haltestelle für Haltestelle steigen Schülerinnen und Schüler ein. Ziel: das Schulzentrum Grauhalde in Schorndorf. Für viele Familien ist diese Fahrt mehr als nur eine Buslinie. Sie ist der Unterschied zwischen einem planbaren Schulweg und täglichem Stress.
Nun steht fest: Die Direktverbindung bleibt vorerst erhalten. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Rems-Murr-Kreises hat beschlossen, die Buslinie 245A – früher 217A – ein weiteres Schuljahr bis zum 31. Juli 2027 fortzuführen. Damit reagiert der Landkreis auf anhaltende Probleme im Bahnverkehr, wie aus einer Pressemitteilung des Landratsamts hervorgeht.
Buslinie bleibt trotz Parallelverkehr als Notlösung bestehen
Eigentlich hätte der Bus längst Geschichte sein sollen. Denn die Linie fährt auf der gleichen Route wie die S-Bahn – ein klassischer „Parallelverkehr“, den Verkehrspläne normalerweise vermeiden. Doch die Realität im Remstal sieht anders aus. Verspätungen, Zugausfälle, Ersatzverkehr: Für viele Schülerinnen und Schüler ist die S-Bahn derzeit keine verlässliche Option.
Genau deshalb hatte der Kreistag bereits im Sommer 2025 die zuvor beschlossene Streichung der Verbindung wieder zurückgenommen. Damals entstand ein Kompromiss: Der Bus fährt weiter – allerdings nur vorübergehend.
Dieser Kompromiss wird nun um ein weiteres Jahr verlängert. Die Kosten für die morgendliche Fahrt – Abfahrt gegen 6.57 Uhr – liegen bei rund 47.550 Euro pro Jahr. Der Landkreis übernimmt davon etwa die Hälfte, rund 23.800 Euro. Die übrigen Kosten tragen die Kommunen Remshalden, Winterbach und Schorndorf gemeinsam.
Gemeinden und Eltern kämpfen für wichtige Schulbusverbindung
Dass die Gemeinden weiterhin zahlen wollen, ist kein Zufall. In einem gemeinsamen Schreiben an Landrat Richard Sigel machten deren Bürgermeister deutlich, wie wichtig die Verbindung für viele Familien sei. Gerade für berufstätige Eltern sei eine zuverlässige Schulverbindung entscheidend, um den Alltag zu organisieren und ihre Kinder pünktlich zur Schule zu bringen.
Auch eine Elterninitiative hatte sich frühzeitig eingeschaltet. In einem Schreiben an das Landratsamt warnen Eltern vor den Folgen einer Streichung. Die Zuverlässigkeit der S-Bahn liege deutlich unter den Zielwerten, teilweise seien nur etwa 50 bis 60 Prozent der Züge pünktlich unterwegs.
Für Schülerinnen und Schüler bedeute das nicht nur längere Wege, sondern auch Stress im Schulalltag: verspätete Ankünfte, verpasster Unterricht, zusätzliche Belastung. Eine verlässliche Busverbindung sei deshalb nicht nur eine Frage der Mobilität, sondern auch der Bildungsgerechtigkeit, argumentiert die Initiative.
Landrat fordert finanzielle Beteiligung von Stuttgart
Doch die Verlängerung der Linie ist auch ein politisches Signal. Denn im Hintergrund geht es um eine grundsätzliche Frage: Wer soll die Folgen eines unzuverlässigen Bahnverkehrs bezahlen?
Landrat Richard Sigel richtet den Blick dabei nach Stuttgart. Der Verband Region Stuttgart, der für die S-Bahn verantwortlich ist, müsse sich aus Sicht des Landkreises stärker beteiligen. Die Rücklagen des Verbandes seien inzwischen auf mehr als 150 Millionen Euro angewachsen, während gleichzeitig die Zuverlässigkeit der S-Bahn sinke, wie Sigel kritisiert.
Der Landkreis habe zwar ein Interesse an einem funktionierenden öffentlichen Verkehr. Dauerhaft könne er jedoch nicht die Probleme der S-Bahn mit zusätzlichen Busverbindungen ausgleichen.
Buslinie 245A bleibt als freiwilliges Zusatzangebot bestehen
Im Kern bleibt die Linie 245A deshalb eine Übergangslösung. Nach dem Nahverkehrsplan wäre sie eigentlich gar nicht notwendig, weil Remshalden bereits durch Bus und S-Bahn erschlossen ist. Die Direktverbindung zum Schulzentrum gilt formal als freiwilliges Zusatzangebot.
Doch Theorie und Praxis klaffen derzeit auseinander. Solange die S-Bahn im Remstal nicht zuverlässig fährt, bleibt der Bus für viele Schülerinnen und Schüler der sicherere Weg zur Schule.
Zukunft der Schulbuslinie im Remstal bleibt ungewiss
Die Entscheidung des Ausschusses verschafft Familien im Remstal zunächst Luft. Der Bus fährt weiter – zumindest ein weiteres Jahr. Doch die grundsätzlichen Fragen bleiben offen: Wie lange kann der Landkreis Parallelverkehre finanzieren? Und wann wird die S-Bahn wieder so zuverlässig, dass der Schulbus überflüssig wird?
Bis dahin rollt der Bus weiter durch das Remstal. Jeden Morgen. Haltestelle für Haltestelle. Für viele Schülerinnen und Schüler ist er längst mehr als nur ein Verkehrsmittel – er ist eine kleine Garantie für einen normalen Schulalltag.