Der japanische Premierminister Shinzo Abe kommt anlässlich der Stimmenauszählung am 22.10.2017 in Tokio (Japan) in die Parteizentrale der rechtskonservativen Partei LDP. Foto: AP

Japans Premierminister Abe hat bei den Wahlen mehr von Zufällen als den eigenen Leistungen profitiert.

Tokio - Schon 14 Monate früher als nötig hat der japanische Premierminister Shinzo Abe Neuwahlen ausgerufen. Erste Ergebnisse legen nahe, dass sich seine liberaldemokratische Partei LDP mit Koalitionspartner Komeito am Wahlsonntag die Zweidrittelmehrheit im Unterhaus sichern kann. Dabei profitiert Abe erneut mehr vom Zersplittern der Opposition und von Zufällen als von den eigenen Leistungen. Noch im Juli hatten Skandale – er habe Freunde begünstigt, hieß es – seine Zustimmungsrate auf 30 Prozent fallen lassen.

Ein Taifun spielte dem Regierungschef in die Karten

Doch „dank“ der eskalierenden Nordkorea-Krise, in der sich der als militärischer „Falke“ bekannte Abe als starker Führer darstellen konnte, stieg die Rate wieder auf 50 Prozent. Im Wahlkampf schien Abe die Gouverneurin von Tokio, Yuriko Koike, mit einer neuen Partei ernsthaft gefährlich werden zu können. Bis sie Fehler machte und mit arrogantem Verhalten potenzielle Mitglieder und Wähler verprellte. Der ­dritte Glücksfall: das Wetter. Taifun Nan steuerte am Sonntag, begleitet von heftigen Regenfällen, auf Japan zu. Eine geringe Wahlbeteiligung hilft der gut vernetzten LDP. Paradox bleibt, dass viele Wähler eine Kernpolitik Abes – nämlich die Verfassung mit dem Pazifismus-Artikel neun zu ändern – ablehnen und trotzdem für ihn stimmten. „Es gibt keine Alternative“, sagten einige. Ein süßer Sieg schmeckt anders.