Lange Zeit sah es so aus, als marschiere der VfB Stuttgart schnurstracks dem Wiederaufstieg entgegen. Nun hat der Club zwei Heimspiele verloren – und von Souveränität ist nicht mehr viel zu sehen. Warum eigentlich?
Stuttgart - Weil ein Unglück ja bekanntlich selten allein kommt, passen die Minuten 53 und 55 der Partie des VfB Stuttgart am Sonntag gegen Holstein Kiel ganz gut zusammen. Zunächst: der Platzverweis für Abwehrspieler Holger Badstuber. Dann: das 0:1 durch den Südkoreaner Jae-Sung Lee. Und danach: nichts mehr los mit dem VfB Stuttgart. Die umstrittene Gelb-Rote Karte, meinte Tim Walter, der Trainer des VfB, nach dem Abpfiff, „war definitiv der Genickbruch“ (Live-Ticker zum Nachlesen). Es bricht ein bisschen viel derzeit beim VfB Stuttgart.
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Mit einer starken Serie von ungeschlagenen Partien war der Absteiger in die laufende Saison gestartet, ordentliche 20 Punkte stehen seitdem auf der Habenseite des weiß-roten Kontos. Was im Büchlein, das die bisherige Spielzeit beschreibt, aber auch notiert war: viel Dominanz, viel Ballbesitz – aber kaum klare und überzeugende Siege. Und nun zeigt der Trend plötzlich nach unten.
Zwei Pleiten gegen Kellerkinder
Der SV Wehen Wiesbaden war Tabellenletzter, als er vor zwei Wochen in die Mercedes-Benz-Arena kam – und mit drei Punkten wieder heimreiste. Am Sonntag kam Holstein Kiel als Vorletzter nach Stuttgart – und wieder wurde es eine fröhliche Heimfahrt für die Gäste. 1:0 gewannen die Störche beim klar favorisierten VfB. Von dessen anfänglicher Souveränität derzeit nicht viel übrig ist.
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„Wir haben uns für den Aufwand, den wir betrieben haben, nicht belohnt“, klagte Tim Walter nach der Partie – und beschwor das Motto der vergangenen Wochen. Das da lautet: Der VfB erspielt sich Chance um Chance – und weil nur die Ausbeute nicht passt, ist die Lage im Grunde nicht so dramatisch. „Wir kriegen den Ball“, sagte Walter, „einfach nicht über die Linie.“ Doch die aktuellen Probleme des VfB nur darauf zurückzuführen ist nur die halbe Wahrheit.
Es liegt nicht nur an den nicht genutzten Chancen
Zum einen fehlen tatsächlich die Genauigkeit und Konsequenz beim Torabschluss. Am Sonntag hatten – als noch elf gegen elf auf dem Platz standen – Silas Wamangituka (in der 36. Minute an die Latte) und Nicolas Gonzalez (scheiterte in der 45. Minute frei stehend am Gästekeeper) die besten Möglichkeiten. Generell sind die Chancen der Stuttgarter aber bei weitem nicht so klar, wie die Verantwortlichen weismachen wollen. Tief stehende Gegner schaffen es meist sehr lange, ebensolche zu verhindern. Aus der unglaublich großen Dominanz schlägt der VfB viel zu wenig Kapital. Aus fast 50 Torschüssen in den vergangenen beiden Partien gelang nur ein Treffer.
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Zum anderen sind die Entwicklungsschritte in der Tim-Walter-Philosophie gerade winzig, dazu kommen immer wieder personelle Änderungen – mal erzwungenermaßen wegen Verletzungen oder Sperren, mal vom Trainer gewollt. Das Team gegen die Kieler war gegenüber der Niederlage gegen den SV Wehen Wiesbaden auf sechs Positionen verändert.
Nächste Aufgaben in Hamburg
So steht der VfB also nach wie vor tabellarisch gut da, muss aber mit der ersten Delle der Saison umgehen – was auch nicht immer nur souverän gelingt. Tim Walter schimpfte am Sonntag: „Ich lasse mir von den Medien nicht alles madig machen.“ Dabei war er nur auf Badstubers Wutausbruch angesprochen worden.
Besonnenheit soll dennoch Trumpf sein vor den kommenden Spielen beim Hamburger SV in der Liga und im Pokal. „Diese zwei Niederlagen“, sagt der VfB-Sportdirektor Sven Mislintat jedoch, „machen es nicht einfacher.“