Der Spitzenkandidat der Linkspartei, Dietmar Bartsch, bei der Stimmabgabe in Prerow (Mecklenburg-Vorpommern). Foto: dpa

Die Partei schwankt zwischen Frust und Erleichterung – und steht vor einer schwierigen Strategiedebatte . Dann könnten auch die Konflikte zwischen den unterschiedlichen Strömungen wieder aufbrechen.

Berlin - Mal ehrlich, ob die SPD 23 oder 24 Prozent holt, ist doch Banane. Wichtiger ist, dass die Linke die Rechten schlägt.“ Das ist ein Tweet der Linken-Vorsitzenden Katja Kipping einige Tage vor der Wahl. Er trifft die Stimmung in der Schlussphase des linken Wahlkampfs ziemlich genau. Die Perspektive auf einen Macht- und Politikwechsel mit einem Kanzler Martin Schulz in einem rot-rot-grünen Bündnis hatten die Linken rasch begraben müssen. Am Ende erreichte weder die SPD 23 Prozent, noch landeten die Linken vor der AfD.

Entsprechend gemischt war die Stimmung am Wahlabend. Dass sowohl die Rechtsaußen wie die Liberalen an den Linken vorbeigezogen sind, ist für die Partei frustrierend. Dass auch die Grünen im Fernduell mit den Linken bestehen konnten, schmerzt. Unverhofft kommt der Dämpfer nicht. Im Laufe des Wahlkampfs machte die Partei die Erfahrung, dass sie besonders dort zu kämpfen hatte, wo ihre eigentlichen Bastionen liegen. Während die Linke im Westen neue Milieus erschließen konnte, klagten die Wahlkämpfer über träge Stimmung im Osten. Geblieben ist immerhin das historisch zweitbeste Ergebnis auf Bundesebene. Darauf beharrte Parteichef Bernd Riexinger am Wahlabend. Angesichts zwei neuer Parteien im Parlament, die fast 25 Prozent der Stimmen gesammelt hätten, bleibe die kleine Verbesserung der Linken beachtlich. Nach Ansicht von Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht hätte sich die Linke im Wahlkampf mehr der Flüchtlingsthematik widmen müssen.

Die Linke ist auch im Osten nicht mehr die natürliche Anlaufstelle für Protest

Inhaltlich war die Partei im Wahljahr durchaus mit sich im Reinen. Ihr radikales, aber durchgerechnetes Steuerkonzept war ein Alleinstellungsmerkmal und wurde strömungsübergreifend von der Partei mitgetragen. Den Spitzenkandidaten Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht macht derzeit niemand einen Vorwurf. Tatsächlich zeigten sich die beiden Chef-Wahlkämpfer viel einiger als so mancher in der Partei gefürchtet hatte. Da die Frage einer möglichen Regierungsbeteiligung nie tatsächlich zur Klärung anstand, wurden die tendenziell unterschiedlichen Positionen von Bartsch und Wagenknecht auch nie zum Thema. Da gab es keinen Konflikt. Der könnte aber wieder aufbrechen – denn nun beginnt bei den Linken eine schwierige Strategiedebatte. Sie sind jedenfalls nicht mehr die natürliche Anlaufstelle für Protest. Dafür ist jetzt die AfD zuständig.

Wagenknecht und Bartsch schworen die Partei darauf ein, „sozialer Oppositionsführer zu bleiben“. Das Thema „soziale Sicherheit“ fest besetzt zu halten soll der Kompass für die nächsten vier Jahre sein. Auf diesem Weg, so die Hoffnung, lasse sich genug Profil gegen Protestlärm der AfD gewinnen. Und Bartsch gab auch zu verstehen: Das Projekt eines Linksbündnisses mit der SPD ist in weitere Ferne gerückt, aber nicht ad acta gelegt.

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