Nach dem Mord an einer Tankstelle in Idar-Oberstein ist die Betroffenheit groß. Foto: dpa/Christian Schulz

Der Verband des Tankstellengewerbes sieht die Mitarbeiter an den Zapfsäulen unter Druck: Die Vorgaben der Maskenkontrolle seien zu streng, die Situation sei „unhaltbar“.

Idar-Oberstein /Bonn - Nach der Bluttat von Idar-Oberstein hat der Zentralverband des Tankstellengewerbes in Deutschland Kritik an den politischen Rahmenbedingungen geübt. „Leider ist es so, dass wir die Corona-Verordnungen der Länder durchsetzen müssen, auch wenn die Exekutive das nicht schafft“, sagte Jürgen Ziegner, der Geschäftsführer des Zentralverbandes, unserer Zeitung.

 

Der junge Mann an der Tankstelle in Idar-Oberstein habe sich „absolut richtig verhalten“ – und sei zum Opfer geworden. Er habe an der Tankstelle – einer Verkaufsstelle – den Bier verlangenden Kunden ohne Maske nicht bedienen dürfen. „Problematischer ist es noch, wenn Kunden tanken und ohne Maske zahlen wollen“, so Ziegner. Nicht immer habe man Kartenlesegeräte, mit denen man draußen abkassieren könne. „Es ist eine unhaltbare Situation. Die Vorgaben sind zu streng formuliert“, sagte Ziegner.

Auch Läden und Bahn müssen mit Maskenverweigerern klar kommen. Ein Sprecher der Bahn sagte, es sei unter Fahrgästen eine „sehr kleine Minderheit, die sich nicht an die entsprechenden Vorgaben hält“. Die Deutsche Bahn habe derzeit eine „niedrige zweistellige Zahl an Beförderungsausschlüssen beziehungsweise Hausverboten“ verfügt. Der Grund seien gravierende Verstöße gegen die Maskenpflicht, die Maßnahmen seien stets auf sechs Monate befristet. Stefan Genth, Geschäftsführer beim Einzelhandelsverband, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Auch wenn es vereinzelt uneinsichtige Kunden geben mag, ist das Maskentragen nach mehr als einem Jahr zur Gewohnheit geworden, die nur noch extrem selten zu Konflikten führt.“ Die Verdi-Funktionärin, Betriebsrätin und Supermarktmitarbeiterin Maurike Maaßen sieht das anders: „Die Angst, dass Kunden ausrasten, ist unser täglicher Begleiter“, sagte sie im Deutschlandfunk.

Auch die Landespolizei in Baden-Württemberg überwacht nach wie vor die Corona-Regeln im öffentlichen Raum. „So sind am letzten Wochenende landesweit rund 130 Verstöße gegen die Corona-Verordnung festgestellt werden, davon rund 120 gegen die Maskentragepflicht“, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit. Die überwiegende Zahl der Bürger halte sich an die Regeln. „Nur vereinzelt gibt es Menschen, die den Ernst der Lage nicht erkannt haben.“