Der DFB-Pokal ist das Objekt der Begierde – auch für die Außenseiter Foto: imago Chai v.d. Laage

Viermal spielt eine Erstliga-Mannschaft im Achtelfinale des DFB-Pokals zu Hause gegen einen Zweitligisten. So geht der Reiz dieses Wettbewerbs verloren, kommentiert Sportredakteur Marco Seliger.

Stuttgart - Skispringer Sven Hannawald hatte gut zu tun am Sonntag. Zuerst analysierte er als Experte für die ARD das Springen der Vierschanzentournee in Innsbruck, und dann machte er Überstunden im fachfremden Bereich. Der Tourneeheld von 2002 gab die Losfee und zog die Paarungen fürs Achtelfinale des DFB-Pokals, und was soll man sagen: Hannawald hatte kein glückliches Händchen. Denn fünfmal trifft nun ein Erstligist auf einen Zweitligisten – und, das ist das Entscheidende: Viermal spielt die Erstliga-Mannschaft dabei zu Hause.

 

Borussia Dortmund also empfängt den SC Paderborn, RB Leipzig trifft auf den VfL Bochum. Sollte der Titelverteidiger FC Bayern München sich in der zweiten Runde bei Holstein Kiel durchsetzen, geht es ebenfalls zuhause gegen einen Zweitligisten – gegen den SV Darmstadt 98. Obendrein bekommt es der SV Werder Bremen mit der SpVgg Greuther Fürth zu tun.

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Den Reiz des DFB-Pokals macht es aus, dass der klassentiefere Club den großen Favoriten ärgert. Wenn der Amateur in diesem einen Spiel die Sensation schaffen kann – oder, genau: Wenn der Zweitligist den Erstligisten düpiert. Die Geschichte von David gegen Goliath, die Geschichte von Klein gegen Groß, das ist die Geschichte des DFB-Pokals. Auch dann, wenn der David aus der zweiten Liga kommt. Dass am Ende im großen Finale von Berlin dann meist zwei große Teams stehen, das ist die Regel und wird in den seltensten Fällen anders kommen. Auf dem Weg dahin aber, in jeder Runde, sitzen die Fans gebannt vor den Bildschirmen (und irgendwann wieder in den Stadien) und hoffen auf die große Überraschung, wenn es nicht gerade den jeweiligen Lieblingsclub betrifft.

Die große Schere

Wenn nun aber Dortmund Paderborn empfängt, die Bayern dann höchstwahrscheinlich Darmstadt und Leipzig Bochum, dann ist das nicht nur öde und langweilig – dann konterkarieren diese Partien auch den Sinn und die Wurzel dieses so reizvollen Wettbewerbs. Denn so ist der Weg ins Viertelfinale für die meisten Favoriten geebnet.

Schon innerhalb der ersten Liga geht die Schere immer weiter auseinander zwischen den großen Topvereinen wie dem FC Bayern, dem BVB und RB Leipzig auf der einen, und sagen wir, den Bielefelds und Augsburgs auf der anderen Seite. Die Unterschiede zwischen der zweiten und der ersten Liga sind noch größer. Und jetzt spielen die großen Favoriten im Pokal auch noch daheim gegen diese kleinen Außenseiter. Ein fairer Wettbewerb sieht anders aus.

Eine Änderung muss her

Auch zu Corona-Zeiten hat es noch einen gewissen Reiz, wenn der Zweitligist einen Erstligisten im eigenen Stadion herausfordert. Mit Zuschauern, mit dem echten Heimvorteil, sowieso. Diese Duelle, oft in kleinen, engen Stadien, bilden das Salz in der Pokalsuppe.

Der aktuelle Modus aber verhindert viele dieser Höhepunkte. Daher sollte dringend ein generelles Heimrecht für die klassentiefere Mannschaft her – nicht nur, wie das bisher der Fall ist, für die Amateur-Vereine, sondern auch für die Zweitligaclubs, wenn es gegen einen Erstligisten geht.

Eine Änderung ist zwingend nötig. Für den Reiz dieses Wettbewerbs. Für die Faszination DFB-Pokal – und für eine angemessene Chance auf Überraschungen. Oder anders: Wenn die Kleinen die Großen daheim empfangen, dann schaut der Fan hin. Und wendet sich nicht gelangweilt ab.